Ausbildung Möbelbranche
Von der Kaderschmiede „zur Rumpelbude“ zur Kaderschmiede

Jahrelang galt die Möbelfachschule in Köln als Talentschuppen der Möbelbranche. 2006 ist die Lage erschreckend: Kein Geld und weniger Studenten als je zuvor. Hans Strothoff, Präsident des Deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels (BVDM) will das ändern – oder „den Laden dichtmachen“.

KÖLN. Gäste empfängt die Kölner Möbelfachschule, kurz Möfa, für gewöhnlich in den oberen Stockwerken des Gebäudes in der Frangenheimstraße 8 in Köln-Lindenthal. „Dort sieht es noch einigermaßen passabel aus“, sagt BVDM-Präsident Hans Strothoff. Durch die Flure, Lehrerzimmer oder Schulräume dürfte man Interessierte jedoch nicht führen. „Erschreckend“ sei der Zustand, sagt der Verbandschef, „der Möbelbranche, die sich bekanntlich mit Einrichtungen beschäftigt, nicht würdig. Wie eine Rumpelbude.“

Die Türen in den Lehrerzimmern werden mit Klebeband zusammengehalten. Als Strothoff vor nicht allzu langer Zeit in der Teeküche Wasser in den Ausguss schütten wollte, bedeuteten ihm Schulbedienstete, es doch besser bleiben zu lassen. Der Grund: Es gibt keinen Abfluss. Strothoffs liebste Anekdote spielt jedoch am Tag seiner Inthronisierung zum Verbandschef im September 2005. Für Pressefotos nahm er Aufstellung auf einer Treppe des Schulgebäudes. Zuvor mussten noch „die ausgedrückten Kippen weggefegt werden“, schimpft der Verbandschef.

Wie vielen Einrichtungen fehlt der Möfa das nötige Kleingeld, um Möbiliar und Technik auf dem neuesten Stand zu halten. Von Vater Staat, der derzeit 66 Prozent des Schulbudgets trägt, ist nichts zu erwarten. Nordrhein-Westfalen hat vor geraumer Zeit eine Haushaltssperre verhängt. Ohne Investitionen wird die Schule aber keine qualifizierten Studenten anlocken. Schon heute ist der Rückgang der Studierendenzahlen alarmierend: Drückten vor fünf Jahren noch rund 900 Stundenten die Schulbank, sind es heute gerade einmal 200. Ein Teufelskreis für die Möfa, denn die Studenten zahlen Mitgliedsbeiträge, die wiederum zur Finanzierung des Schulbetriebes verwand werden. Keine Studenten, kein Geld.

Hans Strothoff geht deshalb in die Offensive: Rund 5 Millionen will er in die Modernisierung des Schulgebäudes und in eine professionelle Imagekampagne stecken, um die Schule wieder zu dem zu machen, was sie einmal war: die Kaderschmiede der Möbelbranche. Doch woher das Geld nehmen? „Wir müssen das gemeinsam anpacken“, sagt der Verbandschef nebulös, „oder es gemeinsam lassen“. In der Praxis bedeutet dies freiwillige Beiträge aus der gesamten Branche.

Man müsse erkennen, dass gut ausgebildeter Nachwuchs überlebenswichtig sei, sagt der Verbandschef. Die Zusammenarbeit zwischen Handel und Schule müsse deutlich intensiviert werden. Am letzten Karrieretag der Schule hatten sich gerade einmal fünf Unternehmen beteiligt. „Das geht so nicht“, sagt Strothoff.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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