Ausblick 2010
Reeder sehen deutsche Schifffahrt vor Schicksalsjahr

Die deutsche Schifffahrt steht nach Einschätzung der Reeder vor einem Schicksalsjahr. Nach dem Einbruch im Welthandel, dem Rückgang der Transportmengen und dem Verfall der Frachtraten seit Herbst 2008 macht den Unternehmen zunehmend die Kapitalversorgung zu schaffen. Und nur auf den Staat will man sich auch nicht verlassen.
  • 0

HB HAMBURG. Bei der Beschaffung von Eigen- und Fremdkapital gebe es starke Engpässe, berichtete der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), Michael Behrendt, am Donnerstag in Hamburg. Die Branche müsse mit Banken, Anteilseignern und staatlichen Stellen alle Anstrengungen zur Überwindung der Krise unternehmen.

„Das Jahr 2010 wird dafür entscheidend sein“, sagte der Manager. Staatliche Instrumente wie das KfW-Sonderprogramm und der Wirtschaftsfonds Deutschland passten nur begrenzt für die mittelständisch geprägte Branche und müssten auf deren Bedürfnisse angepasst werden. Viele Unternehmen stünden bei der Kapitalbeschaffung für Investitionen oder zur Aufrechterhaltung des Betriebs vor ernsten Problemen. Die Bereitstellung von Eigenkapital auf dem freien Markt sei nahezu zum Erliegen gekommen, berichtete der Verbandschef.

Die Branche erwarte keine Sonderstellung, hoffe aber darauf, dass sie als unverzichtbarer Verkehrsträger für die Globalisierung bei der Bundesregierung mehr Gehör findet, sagte Behrendt. „Es geht um die Überbrückung von zwei, drei Jahren.“ Die Wirtschafts- und Verkehrsminister der norddeutschen Küstenländer wollen im Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel kurzfristig ein Maßnahmenpaket zur Stabilisierung der Branche aushandeln.

Die Schifffahrtskonjunktur 2010 bewertete der Verbandschef „sehr verhalten optimistisch“. Es gebe erste Anzeichen dafür, dass der Welthandel allmählich wieder in Schwung komme. Im Gegensatz dazu sei 2009 „erheblich schlechter verlaufen, als noch vor einem Jahr zu vermuten war“, berichtete Behrendt, ebenfalls Vorstandschef der Hamburger Linienreederei Hapag-Lloyd. Im weltweiten Containerverkehr sei bis Jahresende 2009 mit einem Rückgang von zehn Prozent zu rechnen.

Die Frachtraten über alle Verkehre lägen aktuell um rund 50 Prozent unter dem Vorjahreswert. Allerdings zeichne sich eine Stabilisierung der Transportmengen und Frachtraten ab. Diese Vergütungen seien aber längst noch nicht kostendeckend und weit unter dem Spitzenniveau von 2008, resümierte der Verbandschef. Verbandschef: „Asiatische Werften steuern auf Desaster zu“

Durch die Transportausfälle sind weltweit 566 Containerschiffe (11 Prozent der TEU-Kapazität) aus dem Verkehr gezogen worden. Die Kapazität der bestellten Schiffe in TEU (20-Fuß-Standardcontainer) mache noch rund 40 Prozent der weltweit fahrenden Flotte aus. Die Abwrackungen hätten keinen spürbaren Effekt, berichtete Behrendt. Vielmehr müssten die deutschen Reeder Stornierungen und spätere Ablieferungen verhandeln können.

„Dagegen sträuben sich die asiatischen Werften“, sagte Behrendt. Wegen hoher Anzahlungen auf Neubauten sähen sie sich in einer starken Position. „Die Werften dort werden auf ein Desaster zusteuern. Was haben sie davon, wenn 2012 alle Schiffe abgeliefert sind und keine Anschlussaufträge vorliegen?“ Behrendt rechnet dort mit steigender Arbeitslosigkeit.

Der Verband hofft, mit der Bundesregierung über politischen Einfluss voranzukommen. „Wir wollen die asiatischen Werften nicht im Regen stehen lassen. Aber für eine langfristig gute Partnerschaft brauchen wir mehr Entgegenkommen.“ Die deutschen Reeder haben für 1117 Schiffe (3. Quartal 2009) international Aufträge vergeben. Das Investitionsvolumen von 35,7 Mrd. Euro liegt rund ein Fünftel unter dem Vorjahreswert.

Kommentare zu " Ausblick 2010: Reeder sehen deutsche Schifffahrt vor Schicksalsjahr"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%