Ausblick auf 2006
Post dämpft Hoffnungen

Die Post scheint sich dieses Jahr eine Verschnaufpause gönnen zu wollen. Operativ wird das Unternehmen nach eigener Einschätzung den Vorjahresgewinn von knapp 3,8 Mrd. Euro nur knapp übertreffen. Langfristig hat das ehemalige Staatsunternehmen ein deutlich höheres Ziel. Wenn da nur zwei Problemsparten nicht wären.

HB BONN. Der Konzern erwarte bei einem Umsatz von mehr als 60 Mrd. Euro einen operativen Gewinn (Ebit) von „mindestens 3,7 Mrd. Euro“, teilte die Post am Dienstag in Bonn mit. Die Expresssparte, die in den USA mit Problemen kämpft, solle dazu 445 Mill. Euro beisteuern, der Bereich Finanzdienstleistungen mit der Postbank mindestens 900 Mill. Euro. In ihrer durch den milliardenschweren Zukauf des britischen Unternehmens Exel gestärkten Logistik-Sparte erwartet die Post ein Ebit von rund 500 Mill. Euro. Bis 2009 wolle der Konzern die Marke von 5 Mrd. Euro knacken, bekräftigte die Post.

Beim wichtigen Brief-Bereich, der 2005 ein Ebit von 2 Mrd. Euro einfuhr, rechnen die Post-Manager für 2006 mit Blick auf die anstehende Liberalisierung des deutschen Briefmarkts mit einem Ebit-Rückgang von 10 bis 20 Prozent, wie das Unternehmen bereits vor einem Monat mitgeteilt hatte.

Ihre Zahlen für das abgelaufene Jahr hatte die Post Mitte Februar vorgelegt: Der operative Gewinn war 2005 von 2,98 auf 3,76 Mrd. Euro geklettert. Unter dem Strich verdiente der Bonner Konzern 2005 mit gut 2,2 Mrd. Euro 40 Prozent mehr als im Jahr davor. Die Aktionäre sollen daran mit einer von 0,50 auf 0,70 Euro erhöhten Dividende beteiligt werden. Der Umsatz war um auf 3,3 Prozent auf 44,6 Mrd. Euro gestiegen.

Gewinnsteigerungen hatte die Post vor allem in den Bereichen Logistik sowie Finanzdienstleistungen mit der Postbank verbucht. Im Unternehmensbereich Express hatte indes eine Abschreibung auf den Firmenwert in der Region Americas von 434 Mill. Euro das Bild getrübt. Der operative Gewinn der Sparte war von 117 Mill. Euro in 2004 auf nun 11 Mill. Euro eingebrochen. Vom bisherigen Ziel, in der Region Ende 2006 die Gewinnzone zu erreichen, war die Post abgerückt: Das Express-Geschäft in Nordamerika solle sich „in den kommenden Jahren“ in Richtung Gewinnzone entwickeln, hatte es lediglich geheißen. Die Post versucht im riesigen US-Markt den Konkurrenten FedEx und UPS die Stirn zu bieten.

Zur genauen Entwicklung in der Amerika-Region will die Post keine Auskunft mehr erteilen. Aus Wettbewerbsgründen sehe man von einer gesonderten Berichterstattung ab, hatte ein Konzernsprecher in Anschluss an die schlechten 2005-er Zahlen gesagt. Deutsche-Post-Chef Klaus Zumwinkel sagte auf der Bilanzpressekonferenz lediglich, er erwarte auch für das Jahr 2007 nicht das Erreichen der Gewinnschwelle. Ab 2007 wolle die Post die Verluste „kontinuierlich abbauen“. Spätestens 2009 will die Deutsche Post ihr defizitäres US-Expressgeschäft nach Angaben des zuständigen Vorstandsmitglieds John Mullen wieder in die Gewinnzone führen.

Mit einem neuen, „First Choice“ genannten Qualitätsprogramm will der Konzern seine Kunden besser an sich binden und den Wettbewerbern Marktanteile abjagen. „Kein Logistikkonzern ist im globalen Wettbewerb besser aufgestellt“, erklärte Konzernchef Klaus Zumwinkel. Die Post wolle nun „die weltweite Nummer 1 bei Qualität und Kundenzufriedenheit“ werden. Das Programm, das unter anderem Verbesserungen bei der Flugnetzplanung, dem Beschwerdemanagement sowie Abholung von Sendungen, Transport und Zustellung vorsieht, solle ab 2007 weltweit eingesetzt werden.

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