Ausgliederungen versprechen Kostenvorteile
Airports wollen weg von Verdi-Verträgen

Die großen deutschen Verkehrsflughäfen suchen Wege in die Marktwirtschaft. Die Flughafenkonzerne wollen sich bei den Personalkosten nach und nach aus den Fesseln des öffentlichen Dienstes befreien. Hinzu kommt der Marktdruck: Billigflieger wie Liniencarrier fordern massive Senkungen der Flughafengebühren.

DÜSSELDORF. Die großen deutschen Verkehrsflughäfen suchen Wege in die Marktwirtschaft. Ausgelöst durch den Liberalisierungsdruck der Europäischen Union, der aus hoheitlichen Airportdiensten ein Geschäft nach den Regeln des Wettbewerbs macht, wollen sich die Flughafenkonzerne bei den Personalkosten nach und nach aus den Fesseln des öffentlichen Dienstes befreien. Hinzu kommt der Marktdruck: Billigflieger wie Liniencarrier fordern massive Senkungen der Flughafengebühren.

Michael Kerkloh, Chef des Flughafens München, formuliert das Ziel: „Wir müssen den Markt noch näher ins Unternehmen holen.“ Und Rainer Schwarz, Chef des Düsseldorfer Airports, präzisiert: „Wir sind auf dem Weg von öffentlich-rechtlichen Strukturen hin zu industriellen Standards.“ Die Fraport AG, Betreiberin des Frankfurter Rhein-Main-Flughafens, will langfristig ein Fünftel der Beschäftigten des börsennotierten, aber mehrheitlich nach wie vor staatlichen Konzerns nicht mehr nach öffentlichem Tarifrecht bezahlen.

Der Weg Airports ist prinzipiell überall gleich: Es ist die Ausgliederung der kritischen Unternehmensteile. Ein schwieriges Geschäft, denn Betriebsräte und Gewerkschaftsvertreter beharren überall auf der Wahrung der Besitzstände.

Düsseldorf setzte eine privatrechtliche Lösung bereits im letzten Jahr durch. Die Beschäftigten der Bodenverkehrs- und Gepäckdienste wurden in eine Tochtergesellschaft überführt. Die Besitzstände des öffentlichen Dienstes blieben erhalten – mit einer Ausnahme: Die Flughafen-Arbeiter machen pro Woche zwei Stunden mehr Dienst als zuvor. Die Ausgliederung fand nach schwierigen Verhandlungen die Zustimmung der Gewerkschaft Verdi.

Parallel gründeten die Düsseldorfer mit dem Dienstleistungskonzern Klüh eine weitere Abfertigungsgesellschaft, an der der Flughafen nur 49 Prozent hält. Diese deckt den Spitzenbedarf bei der Abfertigung ab. Ihre Mitarbeiter werden nicht nach öffentlichem Tarifrecht bezahlt. Nach und nach soll diese Firma die Aufgaben der 100-Prozent-Tochter übernehmen – je nach Fluktuation und altersbedingtem Ausscheiden der Mitarbeiter in der reinen Konzerngesellschaft.

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