Außenwerber
Bei Ströer sinkt der Gewinn

Der Werbebranche geht es insgesamt nicht gut. Kein Wunder in solchen Zeiten, wo viele Firmen gerade auf ihre Marketingausgaben besonders schauen. Das bekommt natürlich auch Ströer zu spüren: Der größte deutsche Außenwerber hat 2008 bei Umsatz und Ergebnis Rückgänge verbucht.

KÖLN. Deutschlands größter Außenwerber Ströer leidet unter der anhaltenden Werbekrise. Der Konzernumsatz sank im Geschäftsjahr 2008 um drei Prozent auf 493 Mio. Euro, das um Einmaleffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank um 13 Prozent auf 103 Mio. Euro. „Gemessen an dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld sind wir aber zufrieden mit dem Ergebnis“, sagte Ströer-Vorstandschef Udo Müller gestern in Köln bei der Präsentation der Bilanz.

Es ist vor allem das Inlandsgeschäft, das der Ströer-Gruppe zu schaffen macht. Werbekunden hätten im vergangenen Jahr schnell auf die Finanzkrise reagiert und Plakatplätze storniert, sagte Müller. Vor allem die Nachfrage nach Riesenpostern sei eingebrochen. Die Folge: Der Umsatz in Deutschland sank um 4,2 Prozent. Demgegenüber steht ein erfolgreicheres Auslandsgeschäft, vor allem in Polen und in der Türkei, das inzwischen einen Anteil von 20 Prozent am Konzernumsatz hält. Im Vorjahr waren es 16 Prozent.

Ströer-Chef Müller bekräftigte sein potenzielles Interesse an Teilen des kriselnden US-Außenwerbeunternehmens Clear Channel, fügte aber hinzu: „Ich rechne nicht kurzfristig damit, dass das Unternehmen auf den Markt kommt.“ Medien hatten jüngst über eine mögliche Zerschlagung des weltgrößten Außenwerbers berichtet. Im Fall einer Aquisition müsse Ströer einen neuen Investor gewinnen, sagte Müller. 2004 hatten die Kölner bereits den Finanzinvestor Cerberus ins Boot geholt, um die Deutsche Städte Medien und ein Jahr später die Deutsche Eisenbahn-Reklame zu erwerben.

Für das laufende Geschäftsjahr zeigte sich Ströer-Chef Müller optimistisch. Das Unternehmen habe im vergangenen Jahr ein Kostensparprogramm realisiert, das dazu führe, dass das diesjährige Ergebnis höher als im Vorjahr ausfallen werde, sagte er. Stellenstreichungen habe es indes nicht gegeben, sagte er weiter. Ströer beschäftigt nach wie vor rund 1 500 Mitarbeiter, davon 1 100 in Deutschland. Bei der Umsatzentwicklung rechnet das Kölner Unternehmen mit einer Stabilisierung. Müller hob Kunden wie das Mobilfunkunternehmen E-Plus und den Autoteileanbieter ATU hervor, die ihre Werbebudgets jüngst zu Gunsten von Plakat und sonstigen Outdoor-Maßnahmen umgeschichtet hätten.

Ähnlich wie die gesamte Werbebranche steht allerdings auch der deutsche Außenwerbemarkt derzeit unter Druck. Nach Jahren des Wachstums gingen die Werbeerlöse im vergangenen Jahr um 1,8 Prozent auf 800 Mio. Euro zurück. Der Außenwerbeanteil verharrt bei vier Prozent am gesamten Werbekuchen. „In diesem Jahr werden die Außenwerber vielleicht mit einem leichten Minus davon kommen“, sagte Volker Nickel, Sprecher des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW), dem Handelsblatt. Zwar gebe es gegenwärtig viele Leerflächen auf Plakatstellen, doch diese würden in Wahljahren erfahrungsgemäß mit Politikwerbung gefüllt werden. Nickel sieht deutliche Wachstumschancen in der Außenwerbung. „Im europäischen Vergleich wird in deutschen Städten noch immer sehr wenig geworben.“ Europaweit liegt der Außenwerbeanteil bei sieben Prozent.

Ströer-Chef Müller will diesen Schnitt vor allem mit neuen digitalen Werbeflächen erreichen. „Outdoor TV“ heißt die neue Marke seines Unternehmens, hinter der sich Bewegtfilmformate in Bahnhöfen oder Haltestellen verbergen.

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