Lufthansa

Streik kostet zweistellige Millionensumme

Acht Stunden streikten die Flugbegleiter der Lufthansa am Frankfurter Flughafen. Die Gewerkschaft Ufo feiert den ersten Streiktag als „Riesenerfolg“. Die Folge: Chaos im Flughafen und Millionen-Kosten für die Airline.
Update: 31.08.2012 - 14:51 Uhr 11 Kommentare
Der Streik der Flugbegleiter geht für die Lufthansa ins Geld. Quelle: dpa

Der Streik der Flugbegleiter geht für die Lufthansa ins Geld.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Gewerkschaft Ufo hat den ersten Streiktag der Flugbegleiter der Lufthansa wie angekündigt um 13 Uhr beendet. Der achtstündige Arbeitskampf kurz vor dem Wochenende stürzte Deutschlands größten Flughafen ins Chaos. Ein Ufo-Sprecher sagte: „Das war ein Riesenerfolg, auch wenn es uns für die Passagiere und die Kollegen am Boden leidtut. Aber das muss jetzt sein.“

Bei der Lufthansa fielen nach Unternehmensangaben ein Großteil der Kurz- und Mittelstrecken sowie vereinzelt Langstreckenflüge aus. Der Flughafenbetreiber Fraport musste auf die Bremse treten und für gut 90 Minuten alle Starts von einem deutschen oder einem europäischen Flughafen mit Zielort Frankfurt stoppen. Ab Mittag entspannte sich die Lage etwas, sagte ein Fraport-Sprecher. Das Chaos an deutschen Flughäfen dürfte sich aber schon bald fortsetzen: „Der nächste Streik wird schnell kommen“, sagte der Ufo-Sprecher.

Der heutige Streiktag könnte die Lufthansa rund zehn Millionen Euro gekostet haben. Das schätzt Hans-Peter Wodniok, Analyst von Fairesearch. Am Frankfurter Flughafen mussten rund 200 Flüge gestrichen werden, auch einige Langstreckenverbindungen. Verbindungen nach Seattle und New York wurden auf der Anzeigetafel als annulliert geführt. „Wenn Langstrecken-Flüge ausfallen, ist das eine Katastrophe", sagt Wodniok Handelsblatt Online, „das sind die profitablen Verbindungen für die Fluggesellschaften“.

Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler, schätzt die Auswirkungen dagegen deutlich geringer ein. Einen finanziellen Schaden von über zehn Millionen Euro sieht er nicht. Maximal eine Million Euro hält er für wahrscheinlicher. „Das war heute ja ein relativ überschaubarer Streik, der nicht den ganzen Flugbetrieb lahmgelegt hat“, sagt Pieper.

Der Service für Lufthansa-Kunden, auf Züge der Deutschen Bahn umzusteigen, sollte die Fluggesellschaft dabei nicht groß belasten. Wodniok rechnet mit rund 300.000 Euro für die Ersatz-Zugtickets. Und ein Streiktag spart der Lufthansa sogar einige Kosten – beispielsweise das Kerosin für die Flüge und Gebühren für Starts und Landung. Hinzu kämen dafür Parkgebühren für die Flugzeuge am Boden. Diese würden aber geringer ausfallen als die Kosteneinsparungen, prognostiziert Wodniok. Wenn weltweit alle Lufthansa-Flüge ausfielen, müsste die Airline mit 20 Millionen Euro Kosten pro Tag rechnen, schätzt der Analyst.

Der Flughafenbetreiber Fraport kann momentan noch nicht abschätzen, was die acht Stunden Arbeitsausstand gekostet haben und werden. Dies hinge davon ab, wie viele Passagiere den Flughafen heute noch verlassen könnten, heißt es vom Fraport.

Beim Streik von Lufthansa-Technikern vor zwei Jahren hatten Analysten die Kosten für die Fluggesellschaft für einen Streiktag auf rund fünf Millionen Euro geschätzt. Damals mussten rund 70 Flüge gestrichen werden. Ein Bruchteil von dem, was heute in Frankfurt an Verbindungen ausfiel.

Für viele Passagiere war am Freitag am Frankfurter Flughafen Endstation: Um 50 Uhr morgens hatten die Flugbegleiter der Lufthansa ihren ersten Streiktag begonnen. An den Schaltern bildeten sich lange Schlangen, die Gates waren voll, und der Flughafenbetreiber stoppte bis auf weiteres den Start aller Maschinen aus Europa mit Zielort Frankfurt. An Deutschlands größten Drehkreuz blieben reihenweise Maschinen am Boden.

„Hier herrscht Chaos“
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11 Kommentare zu "Ausstand der Flugbegleiter: Streik kostet Lufthansa Millionen"

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  • Ich hoffe das ist ironisch gemeint ... ??

  • Moeglicherweise ist das eine oder andere Cabin-Crew Mitglied der LH ueberbezahlt, und findet sich demnaechst als Kassierer bei einem Discounter ein.
    Vielleicht sollte die LH besser Mitarbeiter in Asien rekrutieren, wie das die Cruise-Lines schon laenger erfolgreich praktizieren.

  • Schön, dass Sie direkt zugeben, wie egal es Ihnen ist, wie Mitarbeiter einer Firma behandelt werden, solange Sie als Kunde dabei gut und billig wegkommen. Genau das ist die Mentalität, die Deutschland dahin führt, wo andere Länder längst sind: immer billiger, immer mehr, immer länger arbeiten. Hauptsache die Vorstände und Gesellschafter verdienen sich einen goldenen A... Wenn es denn der Lufthansa so schlecht geht, wieso fängt das Management dann nicht an bei seinen eigenen Gehälter zu sparen? Oder haben Sie schon mal gehört, dass sich aus der dortigen Chefetage jemand bereit erklärt hat, auf einen Teil seines Gehalts zu verzichten? Stattdessen sollen die, die eh nicht viel verdienen, weitere Einbußen hinnehmen. Ein Einstiegsgehalt von 1500 Euro brutto ist ein Witz! Allein schon vor dem Hintergrund, was die Mieten heutzutage allein verschlingen. In diesem Sinne, machen Sie weiter so, schön egoistisch bleiben. Irgendwann kommt auch Ihre Firma auf den Trichter sparen zu müssen. Mal schauen, ob Sie es dann vorziehen nicht zu streiken und alles über sich ergehen lassen.

  • Welch schwaches Bild eines CEO der ohne Charisma und Geschick diese Krise angeht. Da muss ein Herr Weber her, der die AG vertritt. Die Frage muss gestattet sein, wie kann ein CEO mit seinem höchsten Gut mit den Gesichtern die für den Kundenkontakt stehen, so sträflich umgehen? Personal für Sie " Human Capital" wird immer wichtiger in der Demographie Frage. Also warum bei den Kabinenleuten sparen und Kapitänen immer alle zu billigen. Das Wohl der Airline hängt an der Kabine, deswegen keine Billigbegleiter, denn das erlebt man bei Air Berlin und Co den sieht man den Nichtspass an....lieber Ticketpreise erhöhen und Prämiumanbieter sein...wer sich auf Billig einlässt und damit seine Qualität verliert, wird am Ende alleine dasstehen...Hardliner wie Mehdorn stehen am Abgrund, Führungskräfte von Morgen nehmen Ihre Mitarbeiter ernst und gehen in einen gemeinsamen ehrlichen Dialog!!, ein Vielreisender der sich gut überlegt , wenn es in Europa keine LH mehr gibt , dann auch andere Airlines zu fliegen.

  • Zweifel sind bezüglich der Wettbewerbsfähigkeit erlaubt! Andere Gesellschaft, besonders auf der Langstrecke bieten besser Leistungen (moderneres Fluggerät, weitere Sitzabstände)und günstigere Preise. Siehe SIA oder Emirates.Dieses gilt besonders für die Businessclass. Bei der Entlohnung mag die Lufthansa Spitze sein; für mich als Kunde zählt aber nur die Leistung (auch wenn diese subventioniert sein mag).

  • Jedoch habe ich noch nie erlebt, dass ein Streik massiv gegen den Kunden geführt wird. Durch gezielte Desinformation hat die Gewerkschaft heute in Frankfurt dafür gesorgt, dass möglichst viele Fluggäste in den Sicherheitsbereich gelangten, um dort auszuharren. Ich kam gegen 8:00h aus Singapur. Meinen Anschluss nach Münster hatte ich verpasst. Kein Problem, ich wäre gerne mit dem Zug gefahren. Jedoch wurde mir eine Bordkarte für die nächste Maschine der Cityline, die ja angeblich nicht bestreikt wird, gegeben. 10 min vor Boarding wurde auch der Flug annulliert. Man versuchte dann sogar, mich noch mal über den Tisch zu ziehen und auf die nächste Maschine zu setzen. Ich traf auch andere Fluggäste, die schon 2 mal reingelegt wurden und nahm daher den Zug. Bin mal gespannt, wann mein Gepäck kommt. Anfang Oktober geht es für mich wieder nach Asien. Sicherlich nicht mehr mit der Lufthansa. Und als Zubringer nehme ich den Zug oder das Auto.

  • Ob es Ihnen gefällt oder nicht, so ist es doch der Streik als ultima ratio das vom Bundesarbeitsgericht den Arbeitnehmern in einem Tarifstreit rechtlich zugesicherte Mittel, um Tarifforderungen durchzusetzen. Inwiefern dies eine "absurde Denkweise" sein mag, liegt sicher im Auge des Betrachters. Ich persönlich bin froh, dass Arbeitnehmern deutscher Unternehmen diese Möglichkeit zusteht, sich Gehör zu verschaffen und so den Druck in - zuvor gescheiterten - Tarifverhadnlungen zu erhöhen. Fälle wie Schlecker zeigen im finalen Stadium, was auch bei Lufthansa offensichtlich schon Eingang gefunden hat: immer billiger ist noch keine Unternehmensstrategie. Dass bei Schlecker für die Fehler des Managements die Mitarbeiter zahlen mussten, finde ich weit absurder. Dass sich die Mitarbeiter der Lufthansa deshalb nach dem Prinzip "wehret den Anfängen" verfahren finde ich umso verständlicher. Und ihr einziges Mittel ist nach einem Jahr erfolgloser Verhandlungen offensichtlich: der Streik.

  • ..warum ist niemand in berlin, um für weniger steuern und arbeitergeber-, arbeitnehmeranteile auf die barikaden zu gehen...? wäre für alle anwesenden ein vorteil, auch arbeitgeber...

  • Mitarbeiterbeteiligung - okay, dann aber auch Mitentscheidung. Es kann ja nicht sein, daß das Management den größten Blödsinn anstellt, wo viele "in der Fläche" genau wissen, daß etwas so nicht laufen kann, gemacht wird es trotzdem, weil irgendwelche superschlauen Führungskräfte am grünen Tisch mit viel Tamtam irgendwas "ausgerechnet" haben. Aber bezahlen dürfen diese Fehler dann die vielen nach dem Motto: "Kleinvieh macht den größten Mist".

  • Diese Meinung vertrete ich überhaupt nicht. Der Streik ist das letzte Mittel und ein wichtiges Instrument wenn ein Vorstand dabei ist den Arbeitsplatz zu zerschlagen.

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