Ausstieg des Staates
Austrian Airlines prüft Privatisierung

Die österreichische Fluglinie Austrian Airlines (AUA) soll möglicherweise privatisiert werden. Als wahrscheinlichster Käufer gilt die Lufthansa. Aber auch eine Beteiligung der Emirates oder der Aeroflot will die AUA aus heutiger Sicht nicht ausschließen.

ZÜRICH/DÜSSELDORF. Die teilstaatliche österreichische Fluggesellschaft Austrian Airlines (AUA) macht sich auf den Weg zur Privatisierung. Nach Informationen des Handelsblatts hat die Staatsholding ÖIAG, die derzeit 42,75 Prozent an der AUA hält, den Vorstand erstmals offiziell mit einer dahingehenden Prüfung beauftragt. Als wahrscheinlichster strategischer Käufer einer voll privatisierten AUA gilt der Allianzpartner Lufthansa. Aber auch eine Beteiligung der Emirates oder der Aeroflot will die AUA aus heutiger Sicht nicht ausschließen, hieß es in Aufsichtsratskreisen.

Die österreichische Fluggesellschaft hat im ersten Quartal 2008 rund 60 Mill. Euro Nettoverlust eingeflogen. In dem Ergebnis stecken allerdings deutlich höhere außerordentliche Belastungen als im Startquartal des Vorjahres. Das zweite Quartal soll nach Einschätzung aus Unternehmenskreisen besser laufen. Dennoch steckt die im internationalen Vergleich kleine AUA in Schwierigkeiten, auch weil ihr in der vergangenen Woche mit dem saudi-arabischen Milliardär Mohammed al Jaber ein weiterer möglicher Geldgeber abgesprungen ist. Der Aktienkurs des Unternehmens hat mit 3,45 Euro einen Tiefstand erreicht, der weniger als einem Drittel des Börsenwertes von vor zwölf Monaten entspricht.

Vor diesem Hintergrund ist in Österreich eine heftige Debatte um die Zukunft der AUA entbrannt. Während der konservative Finanzminister Wilhelm Molterer, der auch Vizekanzler und Dienstherr der ÖIAG ist, eine Privatisierung nicht mehr ausschließt, hält der sozialdemokratische Kanzler Alfred Gusenbauer zumindest offiziell noch an einer österreichischen Lösung fest: Die Bundesregierung in Wien gehe davon aus, dass die AUA ein österreichisches Unternehmen bleibe, sagte er. Österreich wird derzeit von einer großen Koalition aus Sozialdemokraten und Konservativen regiert. Gusenbauer geht es um den Erhalt des Flughafens Wien als Drehkreuz und um Arbeitsplätze, von denen die AUA bereits hunderte gestrichen hat.

Im AUA-Vorstand dürfte der Prüfauftrag zu einer Privatisierung auf fruchtbaren Boden fallen. Dort hat die ÖIAG zu Jahresbeginn mit Peter Malanik als operativen Chef und Andreas Bierwirth als Vertriebsvorstand zwei Manager installiert, die einen sehr engen Draht zur Lufthansa haben. Malanik ist Chairman des Aufsichtsrats des von der Lufthansa angeführten Airline-Bündnisses Star Alliance. Bierwirth, Mitgründer des Lufthansa-Billigfliegers Germanwings, leitete zuletzt das Marketing des Kranich-Konzerns in Frankfurt. Auch AUA-Chef Alfred Ötsch betont neuerdings, dass er nicht länger auf einer „Stand-Alone“-Lösung beharre. Er war aber vor rund zwei Jahren genau mit dem Ziel angetreten, die Selbstständigkeit der AUA zu erhalten. In Branchenkreisen wird damit gerechnet, dass Ötsch in absehbarer Zeit seinen Posten aufgeben wird.

Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber, gebürtiger Österreicher, hatte in der Vorwoche Interesse an der AUA signalisiert. „Wir wären bereit, sie uns anzugucken“, sagte er. Das aktive Interesse der Lufthansa ist allerdings nicht sehr groß: Über die Star Alliance stimmt Lufthansa bereits Flugrouten mit der AUA ab, die Meilenprogramme sind kombiniert, und im technischen Bereich gibt es ein Joint Venture mit den Österreichern. Eine AUA in ihrem jetzigen Zustand drücke nur den Lufthansa-Aktienkurs, meinen Analysten. Zafer Rüzgar von Independent Research sieht Lufthansa aber dann unter Zugzwang kommen, wenn Österreich die Privatisierung der AUA beschließt. Konkurrenten wie Air France-KLM oder Aeroflot könnten Austrian Airlines dann ebenfalls als Kaufkandidaten entdecken und den treuen Partner aus der Star Alliance weglotsen.

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