Australien
Minimalist Aldi wird immer größer

Der deutsche Einzelhandelskonzern Aldi breitet sich in Australien aus. In nur sechs Jahren hat der Lebensmittelhändler 150 Läden eröffnet, das Konzept des minimalistischen Angebotes ist auch Down Under erfolgreich. Doch das ist nur der Anfang.

SYDNEY. Er gebe keine Interviews, sagt Michael Kloeters, jedenfalls nicht Vertretern deutschsprachiger Medien. Der Managing Director von Aldi Australia gibt sich am Telefon derart freundlich und bescheiden, dass man ihm den Korb fast verzeihen möchte. Er wolle bei seinen Kollegen in Deutschland nicht als „Macher“ dastehen, der ihnen sage, wie Dinge zu tun seien, sagt er mit sanfter, aber unnachgiebiger Stimme.

Dabei ist Kloeters genau das: ein Macher. Eigenhändig hat er mit seinem Team von Führungskräften den australischen Einzelhandelsmarkt aufgewühlt. In nur sechs Jahren ist es Aldi gelungen, 6,5 Prozent des rund 60 Mrd. australische Dollar (rund 38 Mrd. Euro) starken Marktes mit verpackten Lebensmitteln zu kontrollieren. Vor kurzem eröffnete Aldi in der Stadt Melbourne den 150. australischen Laden.

Wer ein australisches Aldi-Geschäft betritt, wähnt sich in Deutschland. Die ganze Aufmachung ist der in Nürnberg oder München angeglichen – dem Aldi-Format eben. Sogar die Produkte sind oft deutsch. Wer Haribo-Gummibärchen sucht, findet sie in jedem Laden im ersten Gestell, links unten, gleich neben der Schokolade aus Deutschland.

Das Aldi-Konzept des minimalistischen Angebotes ist auch in Australien erfolgreich: Der Anbieter offeriert nicht eine umfassende Palette an fast identischen Produkten, sondern konzentriert sich aufs Notwendige: eine Sorte scharfer Senf – nicht fünf –, eine Art gehackte Tomaten – nicht sieben. Ergänzt wird das Angebot mit wöchentlichen Spezialartikeln wie Staubsaugern, Skijacken und Pfannensets. Alles in Markenqualität, aber zu einem wesentlich niedrigeren Preis als bei der Konkurrenz.

Bis vor kurzem bot Aldi 600 verschiedene Produktlinien an, jetzt hat sie Kloeters um 300 weitere ergänzt. Viele der neuen Angebote sind Bio-Lebensmittel. Mit der Ausweitung habe er auf einen Wunsch der Kunden reagiert, denen es langweilig geworden sei, jede Woche das Gleiche zu kaufen, sagte Kloeters einer australischen Zeitung.

900 Produkte sind noch immer deutlich weniger als die 25 000, die die Konkurrenten Woolworths und Coles in ihrem Sortiment führen. Die beiden dominanten Kräfte des australischen Einzelhandels spüren den Erfolg von Aldi immer stärker. Nicht zuletzt, weil sie um einiges teurer sind als der deutsche Anbieter. Ein Vergleich des australischen Konsumentenmagazins „Choice“ hat ergeben, dass Kunden für einen bei Aldi gefüllten Warenkorb rund die Hälfte dessen bezahlen, was sie an einer Kasse von Woolworths oder Coles hinlegen müssen. So kaufen immer mehr Australier bei Aldi ein und gehen erst danach zur Konkurrenz, um das zu holen, was der deutsche Anbieter nicht offeriert.

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