Auswirkung der Russland-Sanktionen
„Russland schießt mit Kanonen auf Spatzen“

Die deutsche Landwirtschaft leidet unter Putins Sanktionen. Unternehmen verurteilen, dass die Krim-Krise auf ihrem Rücken ausgetragen werde. Die einen stöhnen. Doch längst nicht alle.
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DüsseldorfDie Meinung von Egbert Klokkers zu den russischen Sanktionen gegen den Westen ist deutlich. „Man schießt mit Kanonen auf Spatzen“, sagt der Exportleiter des viertgrößten deutschen Fleischlieferanten Westfleisch im nordrhein-westfälischen Münster Handelsblatt Online. Das Importverbot träfe vor allem die einzelnen Betriebe, weniger die ganze Wirtschaft. Westfleisch zählt zu einem dieser Unternehmen. Die Firma ist damit ein weiteres Opfer der Krim-Krise geworden.

Am Donnerstag hatte der russische Regierungschef  Dmitri Medwedew verkündet, dass die EU und die USA, Australien, Kanada und Norwegen künftig kein Fleisch, keine Milch und kein Obst und Gemüse mehr nach Russland liefern dürften. Das Verbot gilt vorerst für ein Jahr. Damit reagierte der Kreml auf die Sanktionen, die der Westen zuvor verhängt hatten.

Russland zählt zu den größten Lebensmittelimporteuren der Welt. Die EU führte 2013 landwirtschaftliche Waren im Wert von 11,8 Milliarden Euro nach Russland aus. Die USA exportierten nach Angaben ihres Landwirtschafsministeriums während dieser Zeit Agrarprodukte im Wert von 1,3 Milliarden Dollar (knapp eine Milliarde Euro) nach Russland. Doch nun ist für die Händler des Westens der Markt gesperrt.

Für Westfleisch seien die Sanktionen zwar nicht existenzbedrohend, so der Exportleiter. Der Markt würde sich verschieben. Doch: „Umsatzmäßig wird sich das bei uns sicherlich auswirken.“

Auch die Milchindustrie wird das Importverbot zu spüren bekommen – allerdings nicht so schlimm, wie es noch vor ein paar Jahren gewesen wäre. Damals hätten 140 Molkereien ihre Produkte nach Russland importiert, sagte ein Sprecher des Milchindustrieverbands zu Handelsblatt Online. Heute sind es weniger als zehn. Daher sei man nur mittelbar betroffen.

Für die einzelnen Betriebe sei dies jedoch „bedauerlich“. „Es ist tragisch, dass die Auswirkungen der Ukraine-Krise auf dem Rücken der deutschen Landwirtschaft ausgetragen werden“, sagte der Sprecher weiter. Der Milchindustrieverband vertritt die Verarbeiter der Branche.

Treffen wird es aber vor allem die Viehzüchter und Bauern. Die Bauern würden dies ohne Frage zu spüren bekommen, so der Verband. Westfleisch-Mitarbeiter Klokkers sagte unumwunden, die eigenen Verluste werde man bei den Landwirten einpreisen müssen.

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  • Fortsetzung
    Wissen Sie, ein lügender Putin interessiert mich einen Scheißdreck, - ich will aber wissen warum meine Regierung mich auf derart dreiste, unverschämte und kriminelle Art und Weise belügt. Warum hält meine Regierung aktiv ihre schützende Hand über mittlerweile fünf Großverbrechen und deren Verursacher in der Ukraine?!!!
    Warum haben deutsche etablierte Medien flächendeckend kein Interesse investigativ in diesen Großverbrechen aufklären zu wollen, im Gegenteil warum schützen sie ebenfalls die wahren Verbrecher und beschuldigen Dritte?!!
    Es reicht schon lange, ich dulde kein blödes und menschenverachtendes Dummgeschwätz mehr, die Wahrheit auf den Tisch, SOFORT!!!!!

  • Interessant ist, dass Japan und die Schweiz nicht betroffen sind obwohl diese Länder Sanktionen gegen Russland verhängt haben. Norwegen wird wiederum bestraft. Was die sanktionierten Produkte angeh; lebende Tiere können anscheinend eingeführt werden. Eine genaue Liste von den sanktionierten Produkten mit Zolltarifnummer gibt es hier: http://gus-expert.de/faq.html
    Klar ist eins: Die Preise für Lebensmittel werden in Russland steigen und bei uns wahrscheinlich fallen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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