Autobranche
Autohändler brauchen das Internet

Jeden Tag gehen drei Autohändler in Deutschland pleite. Wer Käuferstreik und Preiskampf überleben will, muss ins Internet. Doch davor schrecken viele Händler zurück.

MOORREGE. Sanft schimmert der Tau in der Morgensonne auf dem filigran gesponnenen Netz. Seine achtbeinige Erbauerin hat es sich zwischen Seitenspiegel und Fenster eines Ford Fiesta gemütlich gemacht, eine Brise wiegt sie leicht hin und her. In aller Ruhe kann sie auf ihre Beute warten.

Was die Spinne freut, ärgert Peter Reese maßlos. Für den Autohändler zeigt das friedliche Bild, dass der Wagen schon viel zu lange auf dem Hof seines Autohauses steht, hier in Moorrege, 40 Kilometer nordwestlich von Hamburg, einem Ort, in dem die Hecken der Vorgärten so akkurat gestutzt sind, als würden dafür Nagelscheren verwendet.

„Wir sind schon zufrieden“, sagt Reese, „wenn wir über die Runden kommen.“ Er sitzt an seinem Schreibtisch mitten im Ausstellungsraum neben einem schwarzen, fabrikneuen Ford Focus und malt mit der Hand eine Linie in seinen Kalender. Sein Schwung beginnt oben links und saust dann steil nach unten rechts: Das ist sie, die Lage der deutschen Autohändler, sagt Reese.

11000 von ihnen gibt es noch im Land, aber pro Tag gehen drei pleite – statistisch gesehen. 2008 ist ein Horrorjahr für Autohändler: erst Mehrwertsteuererhöhung und Klimadebatte, dann Finanzkrise und Käuferstreik. Um über acht Prozent ist die Zahl der Neuzulassungen im Jahresvergleich gesunken: Mercedes, Volkswagen oder Ford drosseln ihre Produktion. Die Werkstattumsätze dümpeln seit Jahren vor sich hin, und das Gebrauchtwagengeschäft läuft mau.

Schmucke Showrooms und Hochglanzpolitur verfangen nicht mehr. Für Autohändler gibt es nur noch einen Weg, um zu überleben – eine Allianz mit dem Erzfeind namens Internet. Aber damit tun sich viele Automittelständler sehr schwer. Keilriemen sind ihnen oft lieber als Klickstatistiken.

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