Autofahrer steigen um
Die Bahn holt auf

Einer im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums erstellten Mittelfrist-Prognose zufolge reagieren die deutschen Autofahrer verstärkt auf die hohen Spritpreise und steigen auf die Bahn um. Auch ihren Güterverkehr kann die Bahn demnach derzeit stärker ausbauen als Lastwagen auf deutschen Straßen und Autobahnen.

HB BERLIN. „Die Verlagerung von Fahrten auf Bus und Bahn als Reaktion auf die Kraftstoffpreise, weitere Angebotsverbesserungen, in begrenztem Umfang auch die Fußball-Weltmeisterschaft, bewirken einen weiteren Anstieg des Öffentlichen Verkehrs“, heißt es in der dpa vorliegenden Studie. Erstellt wurde sie von der BVU Beratergruppe Verkehr + Umwelt GmbH, dem DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) und dem ISL (Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik).

Im Jahr 2005 sei die gesamte Personenverkehrsleistung - bei stagnierendem Verbrauch und mehr als zehnprozentigem Anstieg der Spritpreise - um 1 Prozent zurückgegangen. Diese Entwicklung sei vom schrumpfenden motorisierten Individualverkehr (minus 1,5 Prozent) bestimmt. „Die leichte Steigerung des Fahrzeugbestandes wird vom Rückgang der jährlichen Fahrleistungen pro Pkw mehr als ausgeglichen.“ Der öffentliche Personenverkehr nahm 2005 indessen um 1,6 Prozent zu, der Fernverkehr etwas stärker als der Nahverkehr. Bei den Autofahrern wird 2006 ein weiterer Rückgang des Individualverkehrs um 0,5 Prozent im Vergleich zu 2005 erwartet und 2007 eine leichte Zunahme. Im Luftverkehr gab es 2005 ein Passagierwachstum von 7,6 Prozent (2004: plus 12,1 Prozent), für 2006 wird mit plus 4,9 Prozent und für 2007 mit plus 3,7 Prozent gerechnet.

Die gesamte Güterverkehrsleistung stieg der Studie zufolge 2005 um 3,0 Prozent. Daran war der weiterhin überlegene Straßengüterverkehr mit 3,2 Prozent beteiligt, während die Bahn mit plus 3,8 Prozent etwas mehr zulegen konnte. Ihr werden auch für 2006 und 2007 Zuwächse von 7,7 (Lkw: 4,8) Prozent beziehungsweise 3,6 (Lkw: 3,1) Prozent zugetraut. Das nach jahrelangen Marktanteilsverlusten der Bahn jetzt erwartete Güterverkehrswachstum wird auf „Steigerungen der Wettbewerbsfähigkeit, wieder anziehende Stahlproduktion und Freigabe der grenzüberschreitenden Eisenbahnverkehre in der EU“ zurückgeführt.

Die der Bahn nahestehende „Allianz pro Schiene“ sprach von einer „Trendwende hin zu den umweltverträglichen und zunehmend auch preislich attraktiven Bahnen“. Allianz-Geschäftsführer Dirk Flege forderte, die eindeutigen Wachstumsprognosen für den Schienengüterverkehr müssten „nun Eingang in den Masterplan“ des Verkehrsministeriums finden. „Auf keinen Fall darf dem Schienengüterverkehr durch fehlende oder unzureichende staatliche Investitionen in das Gleisnetz eine Wachstumsbremse angelegt werden.“ Bei der BVU-Beratergruppe in Freiburg hieß es auf dpa-Anfrage, es handele sich um eine gleitende Prognose, die fortgeschrieben werde. Es sei nicht auszuschließen, das sich von 2008 an wieder Vorteile für Straßentransporte im Vergleich zur Bahn ergeben könnten. Klar sei zumindest: „Der Abwärtstrend der Schiene ist gestoppt.“

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