Automaten-Verkauf: Die Apotheke als Selbstbedienungsladen

Automaten-Verkauf
Die Apotheke als Selbstbedienungsladen

Selbstbedienung bei Apotheken? Noch wehren sich Verbände und Gewerkschaften heftig gegen die Automaten. Nun muss das Bundesverwaltungsgericht entscheiden, ob Apotheker Arzneimittel über Automaten abgeben dürfen oder nicht.

KÖLN. Vor sechs Jahren erblickte der Visavia, ein Selbstbedienungsterminal für Apotheken, das Licht der Welt. Heute könnte die innovative Erfindung ein zweites Mal geboren werden oder sterben. Ab zehn Uhr verhandeln die Richter des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig nach langem Hin und Her endgültig, ob Apotheker Arzneimittel über Automaten abgeben dürfen oder nicht - und treffen mit großer Wahrscheinlichkeit ein Grundsatzurteil (Aktenzeichen 3 C 30.09 und 3 C 31.09).

Für Rudolf Wagner, Geschäftsführer der bei automatisierten Warenlagern führenden Firma Rowa, geht es nicht nur um das Überleben seines "Babys", sondern auch um viel Geld. Seine Gegner sind mächtig, sie fürchten um die Zukunft der guten, alten Apotheke und um zahlreiche Jobs in der Branche: Behörden, Verbände, die Gewerkschaft - sie alle haben sich verbündet und kämpfen in einem erbitterten Rechtsstreit gegen den 49-Jährigen.

Dabei könnte der Visavia den Apothekern und ihren Kunden das Leben sehr erleichtern, meint Wagner. Der Maschinenbauer und leidenschaftliche Tüftler träumt davon, dass sich jeder jederzeit Medikamente bei der Apotheke abholen kann - auch nachts um halb vier. Dafür hat er den Visavia entwickelt, der funktioniert wie ein Geldautomat, nur dass er anstelle von Scheinen Medikamente ausspuckt.

Doch der Pillenroboter scheint zu innovativ für einen Markt, der als überreguliert gilt und seit Jahrzehnten nach starren Regeln funktioniert. Diesen Regeln liegt noch immer das Leitbild des "Apothekers in der Apotheke" zu Grunde, so das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz, das vor etwa einem Jahr gegen den Visavia entschied. Nur Apotheker sollten Medikamente ausgeben dürfen, nicht Automaten.

Kelberg, etwa 2 000 Einwohner, ein Eifelstädtchen nahe dem Nürburgring. Mitte der Neunziger Jahre sitzt Rudolf Wagner in der Garage, er schraubt an einem Vorläufer des Visavia. Ein Automat, in dem Medikamente gelagert werden, und der sie direkt an die Ladentheke befördert, ohne dass ein Apotheker sie lange suchen und umständlich aus der Schublade kramen muss.

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