Automatisierung Von Levi’s bis Adidas – Roboter erobern die Textilindustrie

Levi’s lässt seine Jeans von Robotern altern. Die Automatisierung erreicht die Modewelt und bringt die gesamte Branche durcheinander.
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Künftig sollen Roboter die Hosen künstlich altern lassen. Quelle: Bloomberg
Jeans von Levi's

Künftig sollen Roboter die Hosen künstlich altern lassen.

(Foto: Bloomberg)

New YorkDrei Jeans-Paare stehen straff gespannt nebeneinander. Eine Laserpistole brennt innerhalb von wenigen Sekunden modische Löcher in die Hosenbeine. Ein weiterer Schritt lässt den indigoblauen Stoff verwaschener aussehen – als seien die Hosen schon jahrelang getragen worden. 90 Sekunden von neu bis vintage.

Willkommen im Eureka Labor von Levi’s in San Francisco. Hier hat das Unternehmen Levi Strauss, das einst die Jeans erfunden hat, diese Woche seine neuen Lasertechnologie vorgestellt.

Bleichen, ausfransen, Löcher reinschneiden, ohne dass der Stoff einreißt: Was bisher mühselig, mit viel Wasserverbrauch und oft mit giftigen Chemikalien von Hand erledigt wurde, können in Zukunft Roboter übernehmen. Für die Umwelt ein Segen. Für Donald Trumps „Make America great again“-Ideologie auch. In den Billiglohn-Ländern wie Bangladesch oder Pakistan könnten allerdings Hunderttausende Jobs gefährdet sein.

Die Automatisierung erreicht die Textilhersteller. Die Textilbranche war zwar historisch eine der ersten, die durch Webrahmen industrialisiert wurde. Aber bis heute ist die Welt der Kleider, Hosen und Hemden beim Nähen und bei den letzten Finessen noch immer auf menschliche Handarbeit angewiesen. Die Nähmaschinen sind zwar elektrisch. Aber bisher müssen immer noch Menschen die Stoffe richtig führen. Nun bahnt sich mit Robotern eine Revolution an, die die gesamte Zulieferer-Kette durcheinanderwirbeln könnte.

Wenn man nicht mehr so viele Menschen braucht, kann man die Produktion auch wieder in die USA zurückverlagern – oder in andere Industrieländer. Levi’s wird seine Jeans in Zukunft auch in Amerika per Laser altern lassen. Der chinesische Kleidungshersteller Tinyan Garments will demnächst in Little Rock in Arkansas T-Shirts für Adidas produzieren.

Möglich ist das mit den Maschinen von Softwear Automation – einem US-Unternehmen aus Atlanta, das sich auf Nähroboter spezialisiert hat. Auch die japanische Yuho Sewing Machine Co. automatisiert den zeitraubenden und arbeitsintensiven Nähprozess.

Die automatisierte Fertigung in den USA hat auch einen weiteren Vorteil: Die Produkte kommen schneller zum Kunden. In Zeiten, in denen ein bestimmtes Kleidungsstück an einem Tag ein Hit ist, weil ein Influencer es auf Instagram präsentiert, aber wenige Monate später schon vergessen ist, ist Schnelligkeit ein entscheidender Faktor.

Nach Angaben von Levi’s dauert es von der Konzeption einer Jeans bis zum Ladentisch bisher sechs Monate. Die neuen Roboter könnten das um mehrere Monate verkürzen.

Ganz nebenher kann Levi’s damit auch bei der Nachhaltigkeit punkten: „Wir designen eine sauberere Jeans für den Planeten und die Menschen, die Levi-Jeans herstellen, und wir tun das in einer Größenordnung, die niemand anderes bisher erreicht hat“, kommentierte Bart Sights, zuständig für technische Innovation bei dem Jeans-Hersteller.

Für die Billiglohnländer wie Kambodscha oder Vietnam ist das Resultat wahrscheinlich weniger erfreulich. Laut der Internationalen Arbeitsorganisation sind allein in den asiatischen Entwicklungsländern mehr als 43 Millionen Menschen in der Textilindustrie beschäftigt. Ihre Arbeitsplätze könnten bedroht sein.

Trotz aller Befürchtungen wird es wohl auch in der fernen Zukunft immer noch Bereiche geben, in denen Roboter den Menschen nicht ersetzen können. Oder wie es der Chef des Nähroboter-Spezialisten Softwear Automation, Palaniswamy Rajan, ausdrückt: „Wir werden niemals ein Brautkleid nähen“.

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