Autovermieter verbucht Quartalsgewinn
Sixt geht unter die Discounter

Deutschlands größter Autovermieter Sixt will unter der Marke Sixti Billigangebote einführen und sich damit neue Kundengruppen erschließen. Eine Prognose für das Gesamtjahr gab das im SDax gelistete Unternehmen aus Pullach bei München auf seiner Bilanzpressekonferenz erneut nicht.

Reuters MÜNCHEN. „Discount ist eben in und ich glaube, da können wir uns nicht verschließen“, sagte Unternehmenschef Erich Sixt am Dienstag. Ab Mittwoch könnten an zunächst 22 Stationen in Europa Fahrzeuge ab fünf Euro pro Tag gemietet werden. Anvisiert würden vor allem Touristen und Stadtbewohner, die über kein eigenes Auto verfügen. Bereits 2004 solle Sixti bei einem Umsatz von zehn bis 15 Mill. € in die Gewinnzone eintreten. In den Folgejahren würden „deutlich zweistellige Wachstumsraten“ erwartet. Im traditionell schwachen ersten Quartal verbuchte der Autovermieter vor Steuern sogar einen kleinen Gewinn.

Sixt will mit Billgangeboten nicht draufzahlen

Sixt versicherte, man werde mit dem Einstieg ins Billig-Segment nicht draufzahlen und erwarte Margen wie im konventionellen Vermietgeschäft. „Ein Kunde ist nur so lange interessant, wie wir Ertrag mit ihm machen“, sagte der Firmenchef, der selbst über die Hälfte der Stammaktien hält. Für Sixti werde man auf den bestehenden Vertrieb und die vorhandene IT-Infrastruktur setzen. Sixt hatte erst 2002 seine Vermietflotte deutlich reduziert und angekündigt, auf unrentable Geschäfte verzichten zu wollen, um so die Profitabilität zu steigern.

Sixti-Chef Lars-Eric Peters räumte ein, dass auf den Kunden im Regelfall Zusatzkosten zu kommen werden. So schlage beispielsweise die Vollkasko-Versicherung mit sechs Euro zu Buche, weitere 15 € werden fällig, wenn der Kunde das Auto nicht selbst reinigt.

Erich Sixt weigerte sich erneut, eine Prognose für 2003 zu wagen. „Ein Ausblick für das Jahr ist angesichts der desolaten Situation der deutschen Wirtschaft unmöglich“, sagte er und verwies auf Risiken durch die Lungenkrankheit SARS und mögliche weitere Anschläge. „Wir befürchten aber keinen deutlichen Ergebnisrückgang.“ Ursprünglich hatte der MDax-Absteiger ein Umsatzplus von fünf Prozent und einen Anstieg des Vorsteuergewinns von über zehn Prozent in Aussicht gestellt, dies aber Ende März ausgesetzt. Sixt wies Interpretationen zurück, seine Aussagen seien nichts anderes als eine indirekte Gewinnwarnung.

2002 hatte der Konzern bei einem Umsatzrückgang um fünf Prozent auf 2,22 Mrd. € einen Gewinnanstieg auf 15,4 (2001: 13,3) Mill. € verbucht.

Offen für Zukäufe

Vor Steuern verbuchte Sixt in den ersten drei Monaten 2003 einen Gewinn von 0,3 Mill. € nach einem Verlust im Vorjahreszeitraum von 0,5 Mill. €. Unter dem Strich blieb der Konzern mit 2,9 (Vorjahr 3,7) Mill. € allerdings in den roten Zahlen. Der Konzernumsatz kletterte vor allem wegen höherer Erlöse aus dem Verkauf von Teilen der Fahrzeugflotte im Vorjahresvergleich um 18,3 % auf 559,1 Mill. €.

Sixt hält Übernahmen - vor allem im europäischen Ausland - angesichts des hohen Wettbewerbs in der Branche durchaus für möglich. „Zukäufe schließe ich nicht aus“, sagte er. „Wir gucken uns um.“ Sixt ließ aber offen, ob schon konkrete Gespräche geführt werden.

Heftig dementierte Erich Sixt Berichte, wonach der Konzern - ähnlich wie derzeit etwa bei Infineon diskutiert wird - seinen Firmensitz in die Schweiz verlagern will. Er stehe zu Deutschland als Standort. Es handele sich um „eine lausige Berichterstattung“, sagte Sixt und fügte sichtlich erregt hinzu: „Auf Bayerisch würde ich fast sagen: eine Sauerei."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%