Autoversicherungen
ADAC bringt seine Marktmacht ins Spiel

Deutschlands größter Automobilclub wird zunehmend zum Dienstleistungskonzern: Der ADAC will ins Geschäft mit Autoversicherungen einsteigen – und hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: „Wir wollen einen ordentliches Stück vom Kuchen abhaben“, sagte ADAC-Präsident Peter Meyer. Keine einfache Angelegenheit, denn der Club tritt gegen Branchenriesen wie die Allianz an.

MÜNCHEN. Schon im September will der ADAC mit der Zürcher Beteiligungsgesellschaft sein Konzept vorstellen. „Wir wollen einen ordentliches Stück vom Kuchen abhaben“, sagte ADAC-Präsident Peter Meyer. Konkrete Zahlen nannte er aber nicht.

Der ADAC tritt im Geschäft mit Autoversicherungen gegen die Allianz, HUK-Coburg und R&V-Versicherungen an, die sich mit neuen Direktanbietern einen erbitterten Preiskampf liefern. Bislang ist der ADAC nur als Vermittler in dem Geschäft tätig gewesen.

Doch das Selbstbewusstsein des Münchener Automobilclubs wächst. Denn im Gegensatz zu anderen gesellschaftlichen Institutionen verzeichnet der ADAC immer noch stattliche Zuwächse bei den Mitgliederzahlen. Im vergangen Jahr registrierte der Club 15,76 Millionen Mitglieder, 2005 und 2006 hat der ADAC jeweils über 300 000 neue Mitglieder geworben. „In diesem Jahr werden wir über die 16 Millionen kommen“, sagt Meyer. Das ist ein Pfund für Europas größten Automobilclub, weltweit zählen nur Amerikas AAA und Japans JAF mehr Mitglieder.

Der ADAC ist nur in der Dachstruktur ein Club, der wiederum in 18 Regionalgesellschaften gegliedert ist. Zu den 600 Mill. Euro Beitragseinnahmen kommen die Umsätze der sieben Tochtergesellschaften hinzu, in denen der ADAC seine kommerziellen Aktivitäten wie Reiseveranstaltung, Luftrettung und Verlagsgeschäft gebündelt hat. Insgesamt steigerte die Gruppe 2006 ihre Erlöse um 4,3 Prozent auf 1,67 Mrd. Euro, der Gewinn stieg um 8,4 Prozent auf 123 Mill. Euro. „Man kann die finanzielle Großwetterlage durchaus als heiter bezeichnen“, sagte Meyer.

Die große Mitgliederkartei schlachtet der Club seit Jahren geschickt aus. Der ADAC hat umfangreiche Rabatt- und Vorteilsprogramme mit Hotels, Freizeitparks und Tankstellen geschlossen. So tanken bei Shell und Agip Clubmitglieder billiger. Auch im Finanzmarkt wird der Club zunehmend eine Macht. Die ADAC-Kreditkarte verzeichnete im vergangenen Jahr einen Zuwachs von 35 Prozent, mittlerweile sind 1,1 Millionen Exemplare im Umlauf.

Obwohl alle Töchter schwarze Zahlen schreiben, hat der ADAC hausinterne Baustellen. Neben der traditionell defizitären Luftrettung kommt dem Club das Geschäft mit der Pannenhilfe immer teurer zu stehen. So stiegen die Panneneinsätze im vergangenen Jahr um 136 000 auf 3,9 Millionen, der ADAC habe Fremdaufträge vergeben müssen, um alle Panneneinsätze abarbeiten zu können. „Die Autos werden immer älter und immer schlechter gewartet“, schimpft Meyer. Die Flotte der derzeit 1 700 „gelben Engel“ soll ausgebaut werden. Da der ADAC aber gleichzeitig seine Beiträge nicht erhöhen will, bleibt der Club auf den Kosten erst einmal sitzen.

Auch das Geschäft mit Straßenkarten macht den Münchenern keine Freude mehr. Nach ADAC-Angaben geht der Umsatz seit 2001 jedes Jahr um zehn Prozent zurück. Grund sei die massive Verbreitung elektronischer Navigationsgeräte und Internetroutenplaner, sagt Meyer. „Die Programmierung solcher Systeme macht aber niemand mehr in Deutschland“, fügt der ADAC-Chef hinzu und reagiert: So soll die Tochtergesellschaft Cartotravel mit 150 Beschäftigten unter heftigem Protest der Beschäftigten an den Stuttgarter Konkurrenten Mair Dumont verkauft werden.

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