Azubis gefesselt
Ermittlungen nach Misshandlungsvorwürfen bei Aldi

Beim Discounter Aldi Süd sollen Azubis mit Frischhaltefolie gefesselt und angemalt worden sein. Der Vorwurf beschäftigt nun auch die Staatsanwaltschaft. Aldi soll sich bereits von den Verantwortlichen getrennt haben.
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FreiburgNach den mutmaßlichen Misshandlungen von Auszubildenden beim Lebensmittel-Discounter Aldi-Süd hat die Staatsanwaltschaft Freiburg ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung eingeleitet. „Wir ermitteln seit Freitag zunächst gegen Unbekannt und prüfen, was bei Aldi in Mahlberg stattgefunden hat“, sagte Behördensprecher Wolfgang Maier am Montag auf Anfrage.

Meldungen wonach auch in der Zentrale von Aldi-Süd in Müllheim an der Ruhr ermittelt werde, wies Maier zurück. Zuständig für die Ermittlungen sei die Polizeidirektion Offenburg. Ihr wurden bereits Unterlagen zur Verfügung gestellt worden, die nun ausgewertet würden. Auch sollen Zeugen vernommen werden. Ob es zu einer Anklage kommen werde, sei noch unklar.

Bei den von der Aldi-Zentrale in Mülheim an der Ruhr im Kern bestätigten Misshandlungen waren missliebige Azubis gefesselt und ihre Gesichter dann mit wasserfesten Filzstiften beschmiert worden. Beim Fesseln sei die Frischhaltefolie derart stark gespannt gewesen, „dass ich kaum mehr atmen konnte“, hatte der „Spiegel“ einen der betroffenen Auszubildenden zitiert. Vorgesetzte hätten diese Schikane geduldet. Sie sei sogar auf Foto und Video festgehalten und teils auf Facebook zu sehen gewesen sein.

Mit den sieben mutmaßlichen Verantwortlichen handelte Aldi einem Bericht von „Spiegel Online“ vom Montag zufolge bereits die Aufhebung der Arbeitsverträge aus. Dabei seien auch Abfindungen geflossen.

Betroffen sind dem Bericht zufolge der Prokurist der Regionalgesellschaft, der Bereichsleiter und seine beiden Stellvertreter sowie drei beteiligte Lagerarbeiter. Aldi habe zunächst über fristlose Kündigungen nachgedacht, doch schließlich habe sich das Management für Aufhebungsverträge entschieden. Mit Abfindungen erkauft sich das Handelsunternehmen nämlich üblicherweise Stillschweigen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Azubis gefesselt: Ermittlungen nach Misshandlungsvorwürfen bei Aldi"

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  • Ich selbst bin Auszubildende bei Aldi Süd und kann dieses übertreiben der Tatsachen einfach nicht mehr hören und sehen. Kaum ist der Discounter mal wieder in den Medien hat man keinen Tag mehr auf der Arbeit an dem man Kunden erklären muss das es einem selbst ziemlich gut geht und man auch nicht misshandelt wird. Für uns Mitarbeiter ist es einfach immer wieder anstrengend wenn sowas in den Medien auftaucht und einfach nur hochgepusht wird. Überall gibt es schwarze Schafe aber alle spezielisieren sich nur auf Aldi und Lidl. Unglaublich.

  • @wolfshund

    Ihren ersten Satz kann man voll unterschreiben. Der Rest
    zeugt von Paranoia. Als moralische Instanz sind Sie wohl
    eher deplatziert.

  • Eine aus dem Ruder gelaufenen Überheblichkeit und ein paar Mitläufer. Völlig aufgebauschte Verfehlung einzelner Personen, könnte auch in anderen Branchen passiert sein. Schlechte Arbeitsbedingungen gibt es auch bei unseren Premium-Supermarktketten: Eine Billiglohn-Einsortierkraft wurde vor uns Kunden abgewertet und beschimpft. Und die Supermarktkette zahlt noch mieser als Aldi. Also immer schön die Branche ankreiden, nicht nur einzelne Unternehmen!

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