Bacardi gegen Kuba
Der Kampf um den „Havana Club“

Kuba nähert sich den USA an. Doch zwischen beiden Ländern gibt es in Wirtschaftsfragen noch Reibungspunkte. So wird jetzt der Jahrzehnte alte Streit mit der Familie Bacardi um die Rum-Marke „Havana Club“ wieder heiß.

WashingtonAm 12. Januar 2016 erhält das US-Patentamt eine Nachricht: Die Firma Cubaexport ist berechtigt, ausstehende Gebühren an die Behörde zu zahlen. Nur 48 Stunden später ist das Geld angenommen und die betreffende Akte erneuert: Damit ist die kultige Rum-Marke „Havana Club“, laut Hersteller Nummer drei weltweit, in den USA geschützt. Hinter der überraschend zügigen Behördenentscheidung scheint ein Deal der beiden Lieblingsfeinde USA und Kuba zu stehen.

Auf den ersten Blick lässt die Patentfrage für „Havana Club“ nur einen langjährigen Rechtsstreit um die Marke wieder aufflammen. Bei genauerem Hinsehen birgt das Thema aber noch viel mehr: Es geht um Politik, Macht und Geld.

Gegenüber stehen sich der kubanische Staatskonzern Cubaexport und das Familienunternehmen Bacardi, in Kuba gegründet und nun ansässig auf der Atlantik-Insel Bermuda. Beide Firmen behaupten, rechtmäßiger Eigentümer von „Havana Club“ zu sein. Und beide kämpfen um ihre Markenrechte in den USA.

Die USA sind der größte Markt für den traditionsreichen kubanischen Zuckerrohr-Schnaps. Auf sie entfallen fast 20 Prozent der weltweiten Rum-Verkäufe im Wert von etwa 35 Milliarden US-Dollar (rund 31,4 Milliarden Euro). Bacardi hält allein mit der gleichnamigen Hauptmarke einen Marktanteil von etwa 34 Prozent, gefolgt vom britischen Konzern Diageo (rund 22 Prozent) sowie Pernod Ricard (etwa sieben Prozent).

Und die Franzosen sind im „Havana Club“-Streit mittendrin: Mit ihrem Partner Cubaexport werben sie mit dem auch in Deutschland vertrauten roten Kreis auf brauner Flasche. Der Bacardi-Rum kommt hingegen aus einer weißen Flasche mit der Aufschrift „Havana Club“ und dem Zusatz „puerto-rican Rum“ - in den Vereinigten Staaten wird derzeit nur dieser in Puerto Rico gebrannte „Havana Club“ vertrieben. Denn das Handelsembargo gegen Kuba schließt den Rum von dort aus.

Doch das könnte sich im Tauwetter der amerikanisch-kubanischen Beziehungen ändern: Seit Mitte Januar 2016 mehrere US-Ministerien dem kubanischen Staat in Form seiner Exportfirma eine Markenregistrierung in den USA genehmigt haben, liegen die beiden Spirituosenhersteller erneut im Clinch. Der Fall „Havana Club“ betrifft längst nicht mehr nur zwei konkurrierende Schnapsbrenner. Denn bei der Marke handelt es sich um beschlagnahmtes Eigentum.

Schließlich haben weder Cubaexport noch Bacardi „Havana Club“ erfunden. Es war der Kubaner José Arechabala, der 1934 den Zuckerrohr-Schnaps erstmals unter dem Namen verkaufte. Sein Familienbetrieb wurde 1960 nach der kommunistischen Machtübernahme auf Kuba verstaatlicht. Die Arechabala-Familie verschwand aus dem Rum-Geschäft – der Streit um das Familienerbe begann.

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