Bahn-Aufsichtsrat will Zeit für Sanierungsplan gewinnen
Güterbahn Railion vor Schrumpfkur

Die Güterverkehrstochter der Deutschen Bahn (DB), die Railion AG, fährt mit Volldampf in eine Existenz bedrohende Schieflage. Zwar wächst das Frachtaufkommen beständig, doch schlechte Margen und hohe Produktionskosten führen zu einem dramatischen Ergebnisrückgang. Werde diese Entwicklung nicht gestoppt, „fahren wir Railion in wenigen Jahren gegen die Wand“, sagte ein hochrangiger Bahn-Manager dem Handelsblatt. Jede Tonne, die mehr befördert werde, verschlechtere die Situation.

DÜSSELDORF. Das betriebliche Ergebnis nach Zinsen, das 2003 bei knapp 3,3 Mrd. Euro Umsatz noch 186 Mill. Euro betragen hat, werde dieses Jahr trotz sieben Prozent mehr Transportaufkommen im ersten Halbjahr gegen null tendieren, sagte ein Aufsichtsrat. In der Belegschaft von Railion wächst die Furcht vor einem massiven Personalabbau, bei Großkunden und Speditionen irritieren Pläne, die Preise kräftig anzuheben.

Bei der Güterbahn, die in die Fracht- und Logistikaktivitäten der seit zwei Jahren zum Bahn-Konzern gehörenden Stinnes-Gruppe integriert ist, sei möglicherweise jeder zehnte der rund 23 000 Arbeitsplätze gefährdet, heißt es in Gewerkschaftskreisen. Daran würden auch Dementis der Bahn nichts ändern. Stinnes-Vorstandschef Bernd Malmström habe vor einigen Wochen in einer Krisensitzung „in einem Rundumschlag alles bei Railion in Frage gestellt“, hieß es weiter.

Zu den Kernforderungen habe dabei gezählt, Produktions- und Personalkosten bei der Güterbahn um wenigstens zehn Prozent zu senken. Auf dem Prüfstand stehe insbesondere das aufwendige Produktionssystem der Knoten- und Rangierbahnhöfe. Dieses wird benötigt, um das klassische Güterbahngeschäft mit einzelnen Wagen abzuwickeln – ein Bereich, in dem die DB mit ihrer flächendeckenden Präsenz weithin eine Monopolstellung hat.

Hier würden drastische Veränderungen und Einschränkungen diskutiert, die zur Stilllegung kompletter Anlagenteile und einer entsprechenden Verringerung des Personalbedarfs führen könnten, bestätigen auch unabhängige Branchenbeobachter. Selbst neuere Anlagen mit hochmoderner Technik stünden zur Disposition und drohten zu Investitionsruinen zu verkommen.

Zudem werde im Konzern „ernsthaft überlegt“, zur Verbesserung der Bilanz unrentable Güterverkehre auf der Schiene abzubauen. Das sei „irrsinnig“ und „völlig kontraproduktiv“ zu den politischen Zielen der Bahnreform, mehr Verkehr auf die Schiene zu holen, heißt es bei den Eisenbahner-Gewerkschaften.

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