Bahn-Einkaufschef Stefan Garber erhofft sich Milliardeneinsparungen
Bahn spart bei Loks und Technik

Die Deutsche Bahn will in den nächsten fünf Jahren Milliarden einsparen, indem sie weniger Fahrzeuge und Stellwerke als geplant kauft. Schienen sollen künftig in Osteuropa beschafft werden.

HB BERLIN. Bahn-Einkaufschef Stefan Garber kündigte am Freitag in einem Reuters-Interview an, dass allein bei den geplanten Käufen von Stellwerken in fünf Jahren rund 1,5 Milliarden Euro weniger ausgegeben würde. Ein geplanter Milliarden-Auftrag für Dieselloks wird Garber zufolge möglicherweise auch in kleinerem Umfang in den nächsten Jahren nicht zu Stande kommen. „Es ist durchaus denkbar, dass in den nächsten zwei Jahren keine Ausschreibung kommt.“ Auch der mittelfristige Bedarf könne nun unter 100 Loks liegen. Ursprünglich sollten 523 Stück gekauft werden, was einer der größten Aufträge der Bahn-Geschichte gewesen wäre.

Mit Blick auf die schwächelnde Schienen-Güterverkehrssparte Railion sagte Garber, zunächst müssten die bestehende Fahrzeuge dort besser eingesetzt werden. Die Ausschreibung für den Auftrag war zunächst abgebrochen worden und sollte dann in diesem Herbst stattfinden. Beworben um den Auftrag hatten sich Vossloh, Siemens und der kanadische Bombardier-Konzern.

Garber will weiter etwa bei Stahlprodukten weniger auf Lieferanten wie Thyssen-Krupp und die österreichische Voest Alpine zu setzen. „Wir gehen da verstärkt nach Osteuropa und nutzen die niedrigeren Lohnkosten“, sagte er. Schienen kauft die Bahn für jährlich mehr als 100 Millionen Euro.

„Wir können nur das Geld ausgeben, was wir haben“, sagte Garber unter Hinweis auf die angespannte Finanzlage der Bahn. „Bei der Verschuldung sind wir an der Obergrenze, da können wir nicht viel weiter erhöhen.“ Das Unternehmen wolle nun auf neue Lieferanten etwa in Osteuropa und vereinfachte Produkte setzen. Im Vergleich zu den Vorjahren werde vor allem bei Loks und Waggons deutlich weniger geordert. „Wir rechnen damit, in den nächsten drei, vier Jahren insgesamt etwa eine Milliarde Euro für Fahrzeuge auszugeben.“ Etwa 60 Prozent davon werde auf Züge für den Nahverkehr entfallen.

Die Bahn gilt mit einem jährlichen Auftragsvolumen von etwa neun Milliarden Euro als größter Investor in Deutschland. Die Bahnindustrie hatte zuletzt geklagt, aufgrund des scharfen Sparkurses des Unternehmen seien die Aufträge aus dem Inland massiv eingebrochen. Dies wurde auch in Zusammenhang mit dem geplanten Börsengang-Termin 2006 gebracht, der inzwischen nicht mehr angepeilt wird. Garber machte dagegen deutlich, ein Börsengang könne eine neue Finanzquelle für Investitionen sein.

In den nächsten fünf Jahren will die Bahn zudem bei ihrem Programm für elektronische Stellwerke rund 1,5 Milliarden Euro einsparen. Dies wird Siemens und die französische Alcatel treffen, die bisher einzige Lieferanten waren. Ursprünglich wollte die Bahn in diesem Zeitraum zwischen vier Milliarden und 4,5 Milliarden Euro in neue Stellwerke investieren. „Insgesamt werden wir deutlich weniger Stellwerke ordern“, sagte der Einkaufschef. Er wies daraufhin, dass man statt neuer Werke auch auf andere Signal- und Leittechnik ausweichen werde. Dies bedeute, dass weit mehr Unternehmen als Siemens und Alcatel als Lieferanten in Frage kommen würden.

Der bei der Bahn geplante Stellenabbau wird dadurch offenbar nicht beeinflusst. Elektronische Stellwerke galten als wichtigstes Stellschraube, um Personal zu sparen. „Die Einspareffekte werden bei den Personalkosten etwa gleich gegenüber den ursprünglichen Planungen sein.“

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