Bahn-Großbaustelle
Stuttgart 21 wird wohl eine Milliarde Euro teurer

Das seit langem umstrittene Bauprojekt Stuttgart 21 wird noch einmal teurer. Das hat eine neue Kalkulation der Deutschen Bahn ergeben. Noch ist offen, wie und von wem das nötige Geld aufgebracht wird.
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BerlinDas umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 wird nach neuesten Schätzungen eine weitere Milliarde Euro teurer werden. Die Deutsche Bahn rechnet jetzt mit einem Kostenrahmen von 7,6 Milliarden Euro.

Das brisante Thema steht auf der Tagesordnung des Bahn-Aufsichtsrates am 13. Dezember. Zwei Tage zuvor wird es noch eine Sondersitzung der Bahnkontrolleure speziell zu Stuttgart 21 geben, erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen des Aufsichtsrates.

Letzte Schätzungen gingen von Gesamtkosten über 6,5 Milliarden Euro aus. Der darin enthaltene sogenannte Kostenpuffer von 1,3 Milliarden Euro, der vor fünf Jahren beschlossen worden war, ist bereits weitgehend ausgeschöpft.

Dass es noch teurer werden würde, zeichnete sich im Laufe der letzten Monate bei den laufenden Ausschreibungen für einzelne Baumaßnahmen ab. Die Baufirmen verlangten deutlich höhere Preise als kalkuliert, heißt es im Unternehmen.

Ende Oktober zeichnete sich bereits der nächste Kostenschub ab. Die Bahn beauftragte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC und die Ingenieurgruppe Emch+Berger zu untersuchen, ob der bisherige Termin- und Kostenplan noch realistisch ist. Auch ein Hinweis auf Baukostensteigerungen ließ nichts Gutes erahnen. 

Klar ist schon länger, dass auch die anfangs einmal geplante Fertigstellung im Jahr 2021 nicht mehr zu halten ist. Schon vor fünf Jahren bei der letzten umfassenden Revision der Kostenkalkulation wiesen die Planer darauf hin, dass etwa zwei Jahre Verzögerung zu erwarten seien. Und der Bundesrechnungshof hatte bis zu neun Milliarden Euro Kosten vorausgesagt.

Die SPD fordert von der Bahn Aufklärung. Konzernchef Richard Lutz müsse nun erklären, „woher plötzlich die neuen Kostensteigerungen und die Verzögerung beim Bau kommen und ob dadurch andere Projekte in Deutschland später gebaut werden“, sagte der SPD-Verkehrsexperte Sören Bartol am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Dies dürfe jetzt nicht einfach durchgewunken werden. Bartol fügte mit Blick auf die nur geschäftsführende Regierung hinzu: „Ich hoffe, es ist ein Zufall, dass die Kostensteigerungen bei Stuttgart 21 gerade jetzt bekannt werden, wo das Bundesverkehrsministerium ohne starke politische Führung ist.“

Das Land Baden-Württemberg kündigte an, sich nicht an Mehrkosten zu beteiligen. „Die dem Land bis heute bekannten Mehrkosten entstammen dem alleinigen Verantwortungsbereich der DB (Deutsche Bahn)“, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) am Mittwoch. Daher seien Bund und Bahn in der Pflicht, die weiteren Mehrkosten zu tragen.

Im Zuge des Projekts Stuttgart 21 soll aus dem Stuttgarter Kopfbahnhof ein Tiefbahnhof werden. An dem Bahnhof wird seit Februar 2010 gebaut, der Grundstein für den Neubau wurde im September 2016 gelegt. Das Projekt hatte im Jahr 2010 für große Proteste gesorgt, Zehntausende Menschen waren dagegen auf die Straße gegangen. Der frühere und inzwischen verstorbene CDU-Generalsekretär Heiner Geißler hatte in dem Konflikt als Schlichter vermittelt.

Mit Material von dpa.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent

Kommentare zu " Bahn-Großbaustelle: Stuttgart 21 wird wohl eine Milliarde Euro teurer"

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  • Sehr geehrte Redaktion, liebe Leser,
    Umstieg 21 ein Konzept für eine Lösung des Problems Stuttgart 21. Von Fachleuten erarbeitet, einfach so weil denen die Bahn, die Bürger und ihre Stadt am Herzen liegen. Hochinteressant:

    http://www.umstieg-21.de/
    Bitte an die Redaktion, recherchieren Sie mal in dieser Richtung...

  • In der mafiösen EU ist es doch normal, daß die Baukosten ein Vielfaches vom Voranschlag betragen. Sofern das Gebäude überhaupt fertig wird.
    Rechtssicherheit gibt es eben anderen Ländern und darum hauen die Firmen auch ab.

  • Eigentlich ist so etwas typisch, wenne s um Bestechung geht.

    so ein Bau wird --öffentlich-- ausgeschrieben und wer am günstigsten ist, bekommt den Zuschlag. Meist sind es die "Bekannten" der Politiker, die dann den Zuschlag bekommen.

    Und wenn sieden Auftrag haben, erhöhen sie so lange die Preise, bis es sich rechnet. Am Ende sind sie dann 50-100% teurer, als der Anbieter aus Süd-Korea, der seine Preise nicht erhöht hätte, aber dafür ne super-Qualität liefert.

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