Bahn-Hauptversammlung
Dobrindt macht Grube klare Ansagen

Die Hauptversammlung der Bahn ist eine angenehme Veranstaltung – normalerweise. In diesem Jahr aber wurde es für das Management unter Führung von Rüdiger Grube ungemütlich – es setzte klare Worte vom Minister.

BerlinWie harmonisch war das noch vor wenigen Jahren. Peter Ramsauer, damals Verkehrsminister, war in bester Stimmung: „Die Bilanz ist gut, die Bilanz ist sehr gut“, frohlockte der CSU-Politiker noch 2012 im 21. Stockwerk des Bahntowers. Die Berliner Zentrale des größten Staatsunternehmens Deutsche Bahn war gerade Schauplatz einer der kürzesten Hauptversammlungen der Republik. Keine halbe Stunde dauerte der Termin. Die Stimmung: bestens.

Vier Jahre später sieht die Bahnwelt ganz anders aus. Die Frühlingssonne kämpft sich nur mühsam durch den Dunst der Großstadt, passend zur Atmosphäre im Sitzungsaal. Ernste Mienen. Erst beim abschließenden Fotoshooting lächelt Bahnchef Rüdiger Grube. Ramsauers Nachfolger Alexander Dobrindt (CSU) trat vor die Kameras, als gelte es, eine Katastrophe zu verkünden.

Dabei ist die längst bekannt. Die Deutsche Bahn kämpft gegen Unpünktlichkeit, Verspätungen, schlechtes Image, produziert 1,3 Milliarden Verlust. Die Worte des Ministers sind klar: „Das entspricht nicht den Erwartungen, die wir als Eigentümer haben.“ Und, ohne den Blick auf dem links nehmen ihm stehenden Vorstandsvorsitzenden zu richten: „Das darf keine Fortsetzung haben.“

Das saß. Dobrindt, sonst Meister im Formulieren gedrechselter Sätze, drückt sich für seine Verhältnisse ungewöhnlich deutlich aus. Die Ansage auf der zuvor beendeten Hauptversammlung der Bahn an den Vorstand war offensichtlich eindeutig. Eine Wiederholung darf es nicht geben. Jetzt platziert der Minister seine Botschaft noch einmal ungefragt der Öffentlichkeit, assistiert von Grube und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Utz-Hellmuth Felcht. Dieser Pressetermin war ohnehin Dobrindts Wunsch. Der CSU-Politiker wollte ein paar Dinge zurechtrücken.

Normalerweise tagt die Hauptversammlung der Bahn im Stillen. Es nehmen nicht einmal alle Aufsichtsräte daran teil. Warum auch? Es ist ja auch nichts Spektakuläres zu erwarten. Der Minister als Repräsentant des Eigentümers legt seine 430 Millionen stimmberechtigten Aktien auf den Tisch und lässt das Jahr kurz Revue passieren. Dann die eine oder andere Regularie, vielleicht die Wahl eines neuen Aufsichtsrates, die Tagesordnung ist binnen kürzester Zeit abgehakt. Wer sollte auch Widerspruch einlegen und Gegenrede halten?

Den Ernst der aktuellen Lage dokumentiert aber die Verspätung des Trios. 22 Minuten mussten Journalisten auf Dobrindt, Grube und Felcht warten. Eine Zeitverzug der – gefühlt – dem typischen Muster im Fernverkehr der Deutschen Bahn entspricht. Dabei lag es natürlich an der Hauptversammlung, die sich diesmal länger hinzog als erwartet.

Bleibt noch die Vertrauensfrage: Rüdiger Grubes Vertrag endet am 31. Dezember 2017. Und schon jetzt wird spekuliert, ob der ehemalige Daimler-Manager länger machen darf. Auch, ob er überhaupt länger machen will. In diesem Punkt zumindest schaffte der 64-Jährige am Mittwoch Klarheit: „Ich bin noch nie hinter meinem Vertrag hergelaufen.“ Will heißen: Entweder dient mir der Minister eine Verlängerung an, oder ich verabschiede mich.

Doch der eigentlich Gefragte, Alexander Dobrindt, ließ sich nicht aufs Glatteis führen. Die Regierung stütze voll und ganz das Konzept „Zukunft Bahn“, mit dem Grube das Staatsunternehmen wieder flott machen will. Das sei der „richtige Weg“. Alle anderen Fragen würden zu ihrer Zeit beantwortet.

Immerhin: In der Kleiderordnung demonstrierte das Trio aus Vorstandsvorsitzendem, Aufsichtsratschef und Minister vollkommene Harmonie. „Mann“ trug blaue Krawatten. Blau steht übrigens für Treue. Die Wahl des Binders war übrigens nicht abgesprochen. Heißt es.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
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