Bahn kämpft gegen Fernbusse
19 Euro Tickets bleiben

Fernbusse und Privatbahnen machen der Deutschen Bahn heftig Konkurrenz. Nun schwenkt der Konzern mit seiner Preispolitik um: 19-Euro-Einstiegstickets sind keine Einmalaktion, sondern neuer Standard bei Sonderangeboten.

BerlinDie Deutsche Bahn wird auch in diesem Jahr die Preise für Zugfahrten in der zweiten Klasse nicht erhöhen. Auch in der ersten Klasse bleiben die Ticketpreise stabil. Im vergangenen Jahr waren sie noch um durchschnittlich 2,9 Prozent angehoben worden. Das Unternehmen reagiert damit auch auf die wachsende Konkurrenz durch Fernbusse und die niedrigen Kraftstoffpreise, die viele Fernreisende veranlassen, statt mit der Bahn mit dem Pkw zu fahren.
„Wir verzichten in diesem Jahr auf eine Preiserhöhung“, sagt Bahnchef Rüdiger Grübe, „trotz erheblich gestiegener Kosten. Kurzum, wir setzen unsere angekündigte Kundenoffensive im Fernverkehr konsequent Schritt für Schritt um.“

In der Vergangenheit hatte die Bahn regelmäßig die Preise erhöht. Seit 2003, dem Jahr der großen Preisreform, waren die Tickets in beiden Zugklassen fast in jedem Jahr teurer geworden. Wenn man eine Fahrkarte aus dem Jahr 2000 mit einer aktuellen für dieselbe Strecke vergleicht, dann liegt der Preis um durchschnittlich 20 Prozent höher. Begründet hatte die Bahn die Anhebungen immer mit steigenden Kosten.

Doch die Zeiten sind vorbei. Bahnchef Rüdiger Grube hat eine Reform in Gang gesetzt, die vor allem die Kosten des Konzerns drücken soll. „Das Unternehmen hat Kostenstrukturen, die im Markt zunehmend nicht mehr zu verdienen sind“, sagte der Bahnchef kürzlich bei Vorstellung des Projekts. Allein in der Holding sollen kurzfristig 720 Millionen Euro eingespart werden. Weitere Sparmöglichkeiten werden gerade gesucht.

Zum Beispiel in der Technik: Auch durch Einsatz neuer Züge will die Bahn rentabler werden ohne Preiserhöhungen. Ab Dezember werden die neuen Doppelstock-ICs von Bombardier erwartet. Die verursachen je Zugkilometer Kosten von 18 Euro, bei einem ICE sind das 25 Euro.

Die Zeiten, in denen einfach nur steigende Kosten umgelegt werden, sind also vorbei. Zumal die Bahn zunehmend die Erfahrung machen muss, dass die Fahrgäste steigende Ticketpreise nicht mehr mitmachen. Mit einem Prozent Preiserhöhung, so die Erfahrung der Bahn, geht ein Prozent der Fahrgäste inzwischen verloren. Das liegt vor allem am stark veränderten Verhalten der Reisenden. Schüler, Studenten und Fahrgäste mit großem Zeitbudget nutzen zunehmend Niedrigpreisangebote wie Fernbusse oder Mitfahrgelegenheiten. Allein die Fernbuskonkurrenz hatte die Bahn 2014 rund 60 Millionen Euro Umsatz gekostet. Digitale Plattformen machen zudem Preisvergleiche sehr einfach. Und da sah die Bahn zuweilen mit ihrem Angebot nicht gut aus.

Nach dem Fahrgastrekord 2012 mit 132 Millionen Kunden im Fernverkehr bröckelten die Zahlen ab, was auch, aber nicht nur an Störungen infolge von Streiks und Unwetter lag. Die Bahn musste gegensteuern. Seit einiger Zeit beträgt der Einstiegspreis für verbilligte Fahrkarten im Fernverkehr 19 Euro statt wie früher 29 Euro. Es gibt eine Drei-Monats-Bahncard, und Sonderpreise können jetzt bis kurz vor Abfahrt der Züge gebucht werden. Das Ergebnis diese neuen Preiswert-Strategie kann sich sehen lassen: Seit Januar zählt die Deutsche Bahn 600.000 mehr Kunden in ihren Fernzügen.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
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