Bahn-Liberalisierung
Volle Fahrt mit dem Kanzler

An Hartmut Mehdorn scheiden sich die Geister. Mit seiner kompromisslosen Art polarisiert der Bahn-Chef Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Dass seine Managementaufgabe zu den härtesten Jobs in der Republik zählt, ist aber unumstritten.

HB DÜSSELDORF. Ende 1999 kletterte der heute 63-Jährige in den Führerstand der Deutschen Bahn, um den eingeschlagenen Sanierungskurs fortzuführen und die bundeseigene Aktiengesellschaft fit für den Kapitalmarkt zu machen – bislang mit voller Unterstützung der Bundesregierung.

Mehdorns direkter Draht zu Bundeskanzler Gerhard Schröder ist so stark, dass in der ersten rot-grünen Legislaturperiode sogar ein Bundesverkehrsminister gehen musste. Der glücklose Kurt Bodewig hatte sich auf die Seite jener gestellt, die seit Jahren eine Herauslösung des Netzes aus dem Bahn-Konzern fordern. Eine solche Trennung würde den Wettbewerb auf der Schiene endlich voranbringen, lautete und lautet das Argument noch heute.

Mehdorn aber ist strikt dagegen. Netz und Betrieb seien nicht auseinander zu dividierende Produktionsgrundlagen des Systems Bahn. Der Dissens mit Bodewig hatte Konsequenzen – aber nicht für Mehdorn. Ob die Trennung gleichwohl sinnvoll ist, soll nach vielen Expertisen und Erörterungen nun noch ein Gutachten im Auftrag des Bundestags klären. Es soll nach der Wahl noch im September vorliegen.

„Wer sagt, es gebe keinen intramodalen Wettbewerb, der liegt schlicht falsch“, sagt indes der Gießener Verkehrwissenschaftler Gerd Aberle schon jetzt. Als Mitglied der Regierungskommission Bahn, die in den 90er-Jahren den Wandel der Behörden-Bundesbahn in die Bahn AG vorbereitet hatte, ist Aberle ein kritischer Wegbegleiter der Bahn-Reform geblieben. Lange war auch er für die Trennung von Netz und Betrieb. Doch künftig hat die neue Bundesnetzagentur, die ehemalige „Regulierungsbehörde“, die Kontrolle über den Netzzugang bei der Bahn. Damit sei, so der Professor, „ein Regulierungsdesign gefunden worden, das man ausprobieren sollte“. Dazu komme der technologische Aspekt: Die dynamische Weiterentwicklung der Bahntechnik hänge sehr stark am wichtigsten Nutzer des Netzes.

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