Bahn-Privatisierung
Aufbruch ins Abenteuer

Der beschlossene Verkauf von Anteilen der Deutschen Bahn lockt schon jetzt private Investoren – ungeachtet der vielen ungeklärten Detailfragen. Nach Handelsblatt-Informationen haben viele bereits ihr Interesse an einer Beteiligung an der Bahn erklärt. Auch angelsächsische Finanzinvestoren wittern ein Geschäft.

BERLIN. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte nach Bekanntgabe des Kabinettsbeschlusses, er habe „durchaus Bereitschaft bei einer Reihe potenzieller Investoren erkennen können“, sich an der Bahn zu beteiligen. Einzelheiten wollte er jedoch noch nicht nennen.

Nach Informationen des Handelsblatts haben bereits verschiedene institutionelle Anleger ihr Interesse an einer Beteiligung an der Bahn erklärt. Neben privaten Geldhäusern wie der Deutschen Bank und Morgan Stanley wünschen sich auch Pensionsfonds Anteile am Staatskonzern, heißt es in Regierungskreisen. Innerhalb der Bundesregierung kann man sich den Einstieg dieser Investoren gut vorstellen. „Da die Bahn-Aktie wahrscheinlich nur geringe Kursschwankungen zeigen wird, geht es den Käufern vor allem um ein langfristiges und sicheres Investment. Das ist auch in unserem Interesse“, sagte ein mit dem Börsengang vertrauter Regierungsbeamter dem Handelsblatt. Stark renditeorientierte Geldgeber wie Private-Equity-Firmen kämen dagegen weniger in Frage.

Ähnlich stellt sich auch der Bahn-Konzern selbst eine Teilprivatisierung vor. Finanzvorstand Diethelm Sack und Vorstandschef Hartmut Mehdorn hatten mehrfach erklärt, sie könnten sich eine Bahn-Aktie als klassisches Papier für „Witwen- und Waisenkassen“ vorstellen – als solide Anlage mit einer anhaltenden, aber eben nicht spektakulären Wertsteigerung. Das Bahn-Management hatte auch schon erwogen, über Vorzugsaktien die Mitarbeiter gezielt zu beteiligen. Allerdings werden die Aussichten einer Bahn-Aktie im Hinblick auf Kurssteigerungen in Berlin eher skeptisch beurteilt. „Noch können wir keine besondere Wachstumsgeschichte hinter dem Bahn-Börsengang sehen“, heißt es in Regierungskreisen.

Aus diesem Grund sei auch noch nicht endgültig entschieden, ob der Anteil, den künftig institutionelle Anleger halten, nicht auf mehr als die bisher geplanten 25 Prozent angehoben wird. Darüber soll aber erst während der parlamentarischen Debatte über den konkreten Börsengang der Bahn entschieden werden, heißt es in Kreisen der Bundesregierung. Manager von angelsächsischen Finanzinvestoren sagten, sollte es 2008 statt eines Börsengangs zu anderen Formen der Privatisierung kommen, dann sei das sicher auch interessant für Private-Equity-Fonds. In Frage kämen aber in erster Linie Infrastrukturfonds, die einen längerfristigen Investmenthorizont haben.

In Branchenkreisen wurde auf Häuser mit entsprechenden Erfahrungen verwiesen, darunter Cerberus, Macquarie, 3i sowie Babcock & Brown. Auch die Deutsche Bank sei mit einem Spezialfonds in diesem Segment tätig. „Wichtig ist, dass ein Finanzinvestor auf die Geschäftspolitik Einfluss nehmen kann. Dazu zählt auch ein Sitz im Aufsichtsrat“, sagte ein Beteiligungsmanager in Frankfurt.

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