Bahn-Privatisierung
Investoren lassen sich nicht abschrecken

Finanzinvestoren und Investmentbanken zeigen sich trotz der rechtlichen Komplexität und des langatmigen Gezerres um die Bahn-Privatisierung durchaus offen für einen Einstieg. Im Ausland sind Finanzinvestoren bereits mit Minderheiten bei Staatsunternehmen engagiert.

dhi/jkn/pk/str FRANKFURT / LONDON. Hans Martin Bury, Managing Director bei Lehman Brothers, sprach von einer „positiven Entwicklung“. Die Politik habe schließlich das wichtige Signal gegeben, dass in dieser Legislaturperiode mit einer Privatisierung zu rechnen sei. An dieser Festlegung komme man nun nicht mehr vorbei. Dadurch entstehe der erforderliche Handlungsdruck. Allerdings gebe es eine Reihe offener Fragen. „Es kommt darauf an, wie das Parlament den Rahmen, den es sich jetzt selbst gesetzt hat, mit konkretem Inhalt ausfüllt“, sagte der frühere Staatsminister im Bundeskanzleramt.

Auch Finanzinvestoren halten eine Minderheitsbeteiligung für grundsätzlich machbar. „Ich könnte mir vorstellen, dass viele von uns an einer solchen Transaktion großes Interesse hätten“, sagte der Manager eines großen Private-Equity-Hauses. Daran ändert nach Einschätzung von Branchenvertretern auch die Ausgliederung des Schienennetzes an den Bund nichts. „Der direkte Zugriff auf das Netz ist natürlich enorm wichtig, und ein Verbleib bei der Bahn wäre sinnvoll. Aber auch andere Konstruktionen sind denkbar“, sagte ein Finanzinvestor. Allerdings hänge das von den rechtlichen Details der Ausgliederung ab, die derzeit noch völlig unklar seien.

Im Ausland sind Finanzinvestoren bereits mit Minderheiten bei Staatsunternehmen engagiert. So besitzt CVC 25 Prozent an der dänischen Post. „Die Deutsche Bahn ist allerdings ein weitaus sensibleres Thema als die Post, denn hier redet mittlerweile jeder mit. Ich kann mir nicht denken, dass das so richtig Spaß machen würde“, warnte der Manager einer anderen Privat-Equity-Gesellschaft.

Verlockend könnte dagegen für die Investoren die Vorstellung sein, über eine Beteiligung an der Deutschen Bahn Zugang zum inneren Zirkel der deutschen Politik zu erhalten. „Ich halte den Preis dafür allerdings zu hoch“, sagte ein Finanzinvestor mit Blick auf die zahlreichen Nachteile eines solchen Engagements. Finanziell könnte sich ein solches Engagement dagegen durchaus rechnen, je nachdem, welches Ausstiegsszenario es geben wird. So könne ein späterer Börsengang sehr lukrativ sein.

John Snow, der Chairman des US-Private-Equity-Hauses Cerberus, hatte in dieser Woche in Frankfurt erklärt, die Privatisierung von Bundesvermögen biete große Chancen in Europa. Dabei nannte er die Bahn, Autobahnen und Häfen als lukrative Gelegenheiten. Snow war Finanzminister in der Bush-Regierung, bevor er in diesem Oktober zu dem Finanzinvestor wechselte. Vor seiner politischen Karriere war Snow viele Jahre CEO der CSX Corporation in Richmond, eines führenden Schienentransport- und Logistikkonzerns in den USA. Er gilt als exzellenter Kenner der Branche. Snow ist derzeit in Europa unterwegs, um Cerberus vorzustellen. Ihm werden beste Kontakte in die Politik und Wirtschaft nachgesagt, unter anderem zu Ex-Bahnchef Heinz Dürr.

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