Bahn-Regionalverkehr
Im Osten rollt kaum ein Rad

Weil Bahn und Lokführergewerkschaften GDL keine Anstalten machen, ihren Tarifkonflikt wieder am Verhandlungstisch auszutragen, ist der Weg zur Arbeit oder Schule für Millionen Pendler zur Geduldsprobe geworden. In Ostdeutschland fuhren mancherorts gar keine Regionalzüge, weil die Bahn streikwillige Lokführer nicht mehr zur Arbeit verdonnern darf.

HB BERLIN. „Aber auch in Westdeutschland fährt nur die Hälfte der Züge“ sagte Bahn-Vorstandsmitglied Karl-Friedrich Rausch am Morgen in Berlin. Nachdem die Anordnung von Notdiensten gerichtlich untersagt worden sei, könnten deutlich weniger Lokführer eingesetzt werden. In Leipzig und Dresden fuhren nach Worten Rauschs am Morgen keine S-Bahnen. In Rostock sei ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Im Osten sind besonders viele Lokführer in der GDL und nur wenige verbeamtet; deswegen hat die Bahn dort Mühe, gengend arbeitswillige Kräfte zu finden.

Die Züge der Berliner S-Bahn fahren den Angeben zufolge in der Innenstadt alle zehn Minuten, auf den Außenstrecken alle 20 bis 40 Minuten. Bei der Hamburger S-Bahn würden alle Strecken im 20 Minuten- Takt bedient. Bei den S-Bahnen in München und Frankfurt am Main führen die Züge lediglich im Abstand von einer Stunde. Die S-Bahn Rhein-Ruhr sowie die S-Bahn Stuttgart fahren im 30-Minuten-Takt.

Die Lokführergewerkschaft GDL hat ihre Mitglieder zu einem 30-stündigen Streik im Nahverkehr aufgerufen, der in der Nacht zum Donnerstag um 2 Uhr begonnen hat. Der Güter- und Fernverkehr wird nicht bestreikt. Dies ist der Lokführergewerkschaft durch eine Einstweilige Verfügung des Arbeitsgerichts Chemnitz untersagt.

Da in den Ballungszentren viele Pendler auf das Auto umstiegen, bildeten sich noch größere Staus als sonst mit entsprechend längeren Fahrzeiten. Wegen des Streiks fährt die Bahn im Regionalverkehr nach einem Ersatzfahrplan. Die GDL hatte angekündigt, sie wolle bei diesem bislang längsten Streik im Tarifkonflikt, der bis Freitag 08 Uhr dauert, Zugausfälle von 80 Prozent erreichen.

Im festgefahrenen Tarifkonflikt setzt die GDL darauf, dass das sächsische Landesarbeitsgericht in der kommenden Woche das Streikverbot für den Fern- und Güterverkehr aufhebt. Wenn nach einem solchen Spruch die Gewerkschaft einen Streik im Güterverkehr ankündigen würde, werde die Bahn umgehend „mit einem echtem Angebot kommen“, gab die GDL-Vize Kinscher überzeugt. Erst dann machten neue Gespräche Sinn, das bisherige Angebot sei keine Verhandlungsgrundlage. Die GDL beharrt auf einem eigenständigen Tarifvertrag und deutlichen Lohnsteigerungen.

Bahn-Vorstand Rausch gab sich unnachgiebig. Die Bahn könne über das vorliegende Angebot nicht hinausgehen, weil sonst viele Gruppierungen ihre eigenen Interessen auf dem Rücken der anderen austragen würden, sagte der Manager. Er forderte die GDL zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf.

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