Bahn-Umzug
Berlin dürfte auf der Strecke bleiben

Alle wussten davon - nur das Berliner Rathaus nicht: Der geplante Umzug der Bahn-Konzernzentrale nach Hamburg ist offenbar auch politisch generalstabmäßig vorbereitet worden. Berlins Chancen, die Abwanderung zu verhindern, sinken mit jedem Detail, das bekannt wird.

HB HAMBURG/BERLIN. Nach Informationen des "Hamburger Abendblatts" waren Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) seit Wochen in die Pläne eingeweiht. Der Bahnvorstand habe den Vorschlag von Konzernchef Hartmut Mehdorn ohne Gegenstimmen abgenickt. Bahn-Aufsichtsratschef Werner Müller sei ebenfalls informiert worden.

Offiziell wurden die Informationen der Zeitung zunächst nicht bestätigt. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte dazu, die Kanzlerin habe Tiefensee beauftragt, dem Kabinett am Dienstag einen Bericht vorzulegen. Mehdorn sei von Tiefensee noch für Montagnachmittag zu einem Informationsgespräch gebeten worden. Der Sprecher des Verkehrsministeriums, Dirk Inger, sagte, Tiefensee habe von den Umzugsplänen Mitte der vergangenen Woche erstmals erfahren.

Sind Merkel und Tiefensee jedoch schon informiert, dürfte der Versuch von Berlins Regierendem Bürgermeister ins Leere laufen, Merkel im Kampf um die prestigeträchtige Bahnzentrale einzuspannen. Wowereit hatte am Wochenende erklärt, Merkel dürfe sich Mehdorns Pläne nicht gefallen lassen. "Es kann nicht sein, dass sich der Bund als Eigentümer so auf der Nase herumtanzen lässt", sagte der SPD-Politiker. Er hatte sich kampfbereit gegeben: "Wenn Herr Mehdorn die Koffer gepackt haben will, dann sollten wir ihn davon nicht abhalten. Aber die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bleiben in Berlin."

Hamburgs CDU-Bürgermeister Ole von Beust beantwortete den hitzigen Kommentar seines Berliner Kollegen hanseatisch-kühl: "Ich rate da zur Mäßigung. Hamburg ist auch nicht Amok gelaufen, als der HEW-Eigner Vattenfall mit seiner Zentrale nach Berlin ging und als uns Berlin Universal abgezogen hat. Im Gegenteil: Hamburg hat sich da ausgesprochen fair verhalten, und ich denke, das können wir auch erwarten."

Rückendeckung bekam Hamburg vom verkehrspolitischen Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Dirk Fischer. "Wo die Bahn ihre Zentrale hat und ihre Mitarbeiter einsetzt, ist allein Sache des Unternehmens“, sagte Fischer der "Berliner Zeitung". Fischer ist Landesvorsitzender der CDU in der Hansestadt.

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