Bahn-Umzug
Berlin ruft die Kanzlerin zu Hilfe

Die hochverschuldete Bundeshauptstadt Berlin tut sich nicht leicht damit, sich als Wirtschaftsstandort mit Zukunft zu präsentieren. Entsprechend deutlich reagierten die Spitzen des rot-roten Senats auf die Umzugspläne der Deutschen Bahn.

BERLIN. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sprach von einem „schwer wiegenden Schlag für die ganze Region“ und rief Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu Hilfe. „Es kann nicht hingenommen werden, dass das bundeseigene Unternehmen den Standort Berlin im Stich lässt“, schimpfte Wowereit.

PDS-Wirtschaftssenator Harald Wolf erhob das Thema gar zum Prüfstein für politische Glaubwürdigkeit schlechthin. Daran würden „die Menschen in Ostdeutschland erkennen können, ob es die Bundesregierung mit ihrem Bekenntnis zum Aufbau Ost ernst meint“, sagte Wolf.

Mit dem möglichen Abzug der Bahn würde ein weiterer Schatten auf die Hauptstadt als Wirtschaftsstandort fallen. Dabei sorgen bereits der Elektronikkonzern Samsung und der Videogerätehersteller JVC mit der geplanten Schließung ihrer Berliner Werke für negative Schlagzeilen. Dabei ist Berlin mit einem im Bundesvergleich – trotz harter Sparbemühungen – stark überdimensionierten öffentlichen Dienst und einer traditionell schwachen industriellen Basis ohnehin kein Musterbeispiel für einen blühenden Wirtschaftsstandort.

Trotzdem ist die Entwicklung der Berliner Wirtschaft nicht durchweg negativ. Die Zahl der Erwerbstätigen ist 2004 erstmals seit dem New-Economy-Boom wieder gestiegen. Zwar hält der Stellenabbau im produzierenden Gewerbe an – seit 1991 hat sich die Zahl der Beschäftigten in diesem Sektor halbiert. Dem stehen aber Zuwächse im Dienstleistungsbereich gegenüber – selbst wenn man den nicht zuletzt vom Regierungsumzug gestärkten öffentlichen Sektor weglässt. Nach einer Statistik des Senats arbeiten inzwischen knapp 340 000 Menschen in den Bereichen Finanzen, Vermietung und Unternehmensdienstleistungen, das sind 80 000 mehr als noch vor zehn Jahren.

Das Verhältnis der Berliner zur Deutschen Bahn AG ist indes schon lange ambivalent. Der künftige Hauptbahnhof am Regierungsviertel soll zwar ein imposantes Zeichen für die Hauptstadt setzen. Doch für heftige Empörung sorgt, dass im gleichen Zuge der traditionsreiche Bahnhof Zoo zum Regionalhalt zurückgestuft werden soll.

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