Bahn-Umzug
Hansestadt schielt auf mehr Steuern

Den Coup hatte Ole von Beust diskret eingefädelt. Drei Monate lang verhandelte Hamburgs Bürgermeister mit dem Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hinter den Kulissen. Die Geheimhaltung ist verständlich. Denn der Senat will die Hamburger Hafen- und Logistik AG (HHLA) und die Hamburger Hochbahn an die Deutsche Bahn verkaufen, um den Staatsbetrieb aus Berlin zu einem Wechsel des Firmensitzes nach Hamburg zu bewegen.

lip HAMBURG. Damit hofft Hamburg unter anderem, einen weiteren Rückgang der Steuereinnahmen zu verhindern. Der ist zum Teil durch die Abwanderung von Konzernzentralen in andere Bundesländer entstanden, heißt es in Senatskreisen. „Die Stadt veräußert nicht wichtige Firmenbeteiligungen, wenn sie nicht dafür etwas im Gegenzug erhält“, sagte ein Sprecher der Hamburger Wirtschaftsbehörde. Eine Entscheidung über eine Verlagerung des Firmensitzes ist aber nicht gefallen.

Hamburg hofft offenbar, dass die Bahn durch den Einstieg bei HHLA und Hochbahn Synergien heben kann, um den Ertrag zu steigern. Dies würde Hamburgs Steuersäckel weiter füllen. Nach der Schätzung vom November 2005 gingen die Steuereinnahmen der Hansestadt im Vergleich zur letzten Schätzung um knapp 100 Mill. Euro weiter zurück. „Die Einnahmen sind rückläufig“, bestätigte ein Sprecher der Finanzbehörde.

Auch strukturpolitisch wäre der Umzug der Bahn-Zentrale für Hamburg von Bedeutung: Mehrfach hatte die Hansestadt in den vergangenen Jahren umsatzstarke Firmen verloren – vor allem an Berlin. So übernahm der schwedische Energiekonzern Vattenfall die stadteigenen Hamburger Electricitäts-Werke AG und verlagerte den Firmensitz an die Spree. Auch der Musikkonzern Universal ging nach Berlin, weil die Bundeshauptstadt mit Subventionen lockte. Zudem wechselten viele Firmen aus strategischen Gründen ihren Firmensitz. So verlagerte BP Deutschland nach der Fusion mit Aral die Firmenzentrale von der Alster nach Bochum. Ein weiteres Beispiel ist die Münchner Hypo-Vereinsbank (HVB). Der Bankriese schluckte die Hamburger Vereins- und Westbank und gliederte die Tochter in den Konzern ein.

Den Verkauf der Beiersdorf AG an den US-Konzern Procter & Gamble konnte der Senat vor zwei Jahren verhindern, indem sich Hamburg mit knapp zehn Prozent an dem Nivea-Hersteller beteiligte.

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