Bahn und GDL streiten weiter
„Unsere Mitglieder stehen Gewehr bei Fuß“

Im festgefahrenen Tarifkonflikt bei der Bahn könnte es in Kürze wieder offizielle Verhandlungen zwischen dem Konzernvorstand und der Gewerkschaftsführung geben. Bahn-Personalvorstand Margret Suckale und der GDL-Chef Manfred Schell zeigten sich in der ARD gesprächsbereit. Doch ob das für eine Einigung reicht, ist fraglich – und das Thema unbefristeter Streik noch lange nicht vom Tisch.

HB BERLIN. Schell, lehnte am Sonntagabend zwar ein von Suckale in der Talkshow „Anne Will“ unterbreitetes Gesprächsangebot für den heutigen Montag ab. Jedoch schlug er ein Treffen am Dienstag vor: „Dienstag wäre es dem gesamten Geschäftsführenden Vorstand der GDL möglich“, sagte Schell im Internet-Chat im Anschluss an die Sendung.

Suckale hatte Schell in der Sendung neue Verhandlungen auf Grundlage des bestehenden Angebots vom Oktober vorgeschlagen. „Es ist nicht möglich. Wir werden morgen der Einladung des Bahnvorstandes nicht Folge leisten können“, sagte Schell wenig später im Chat. Als Grund nannte er mehrere Termine, die einem Treffen mit der Bahn-Führung entgegenstünden.

Die GDL fordert von der Bahn ein neues Angebot bis Montag um 24.00 Uhr. Suckale machte in der ARD-Sendung jedoch deutlich, dass die Bahn zunächst kein neues Angebot vorlegen werde. „Es liegt ein gutes Angebot vor“, sagte Suckale. Auf Grundlage des bestehenden Angebots könne man verhandeln. Der Konzernvorstand stehe dafür bereit. „Wir müssen versuchen, aus der Sackgasse wieder herauszukommen.“

Vor der Sendung hatte Schell in einem RTL-Interview ein zumindest zweistelliges Tarifangebot als Voraussetzung für eine Rückkehr an den Verhandlungstisch genannt. Später sagte er bei „Anne Will“, die GDL-Tarifkommission könne etwa ein Angebot von 15 Prozent mehr Lohn sicherlich bejahen. Bei zehn Prozent werde es „schon etwas schwieriger“.

Das jüngste Angebot der Bahn von Mitte Oktober enthält außer einer Einkommenserhöhung von 4,5 Prozent und 600 Euro Einmalzahlung zusätzliche Verdienstmöglichkeiten durch Mehrarbeit und günstigere Dienstpläne. Zusammen bedeute das ein Angebot in Höhe von zehn Prozent, sagte Suckale. Die GDL hat dies mehrfach als unzureichend abgelehnt und fordert zudem einen eigenständigen Tarifvertrag.

Sollte die Bahn kein neues Angebot vorlegen, könnte die GDL bereits am Dienstag zu einem unbefristeten Streik aufrufen. „Unsere Mitglieder stehen Gewehr bei Fuß“, sagte eine GDL-Sprecherin am Sonntag der dpa. Der bisher längste Streik der Gewerkschaft in dem seit Monaten schwelenden Tarifkonflikt war in der Nacht zum Samstag nach insgesamt 62 Stunden beendet worden.

Der Vorsitzende der größten Bahngewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, rief die GDL in der ARD zur Zusammenarbeit auf, um die Einkommen aller Beschäftigten zu verbessern. Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, mahnte eine Verständigung zwischen Bahn und GDL an. Sollte weitergestreikt werden, dürften bald erste Betriebe Kurzarbeit anmelden müssen.

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