Bahn und Germanwings
Und der nächste Streik folgt sogleich

Seit dem Morgen arbeiten die Lokführer wieder. Der Verkehr läuft bereits fast wieder normal, Verspätungen gibt es laut der Deutschen Bahn nur noch vereinzelt. Doch schon am Mittag bekommen Reisende neue Probleme.
  • 2

BerlinNach dem Ende des 14-stündigen Lokführerstreiks bei der Deutschen Bahn um vier Uhr hat sich der Zugverkehr nach Angaben des Unternehmens weitgehend stabilisiert. Es sei alles dafür getan worden, um die Züge an den Startbahnhöfen bereitzustellen, teilte die Bahn am frühen Donnerstagmorgen mit. Fahrgäste müssten lediglich vereinzelt mit Verspätungen und Ausfällen rechnen. Lokführer hätten teilweise erst noch zu ihren Einsatzorten gebracht werden müssen.

Der Ersatzfahrplan im Fernverkehr habe sich dabei ausgezahlt, ebenso wie die ausgedünnten Zugverkehre im Regionalverkehr, erklärte die Bahn. Während des Streiks sei so sichergestellt worden, dass trotz massiver Einschränkungen weiterhin etwa ein Drittel der IC-, EC- und ICE-Züge gefahren seien.

Die Lokführergewerkschaft GDL hatte am Mittwoch einen 14-stündigen Ausstand begonnen - ihren längsten Streik im diesjährigen Tarifkonflikt. Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Lohn sowie die Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf 37 von 39 Stunden.

Kern des Konflikts ist aber, dass sie dies nicht mehr allein für die 20.000 Lokführer fordert, sondern auch für rund 17.000 Zugbegleiter und Rangierführer. Diese will jedoch die größere EVG weiter vertreten. Die Bahn lehnt konkurrierende Abschlüsse für die gleiche Berufsgruppe ab.

Auf Reisende und Pendler kommt direkt eine neue Geduldsprobe zu. Die Piloten bei Germanwings lassen von Donnerstagmittag an die Arbeit ruhen. Bei der Lufthansa-Tochter werden 100 von 500 Flügen gestrichen. Politiker rufen die zerstrittenen Tarifparteien zu einer schnellen Rückkehr an den Verhandlungstisch auf.

Der Ausstand bei Germanwings soll zwölf Stunden dauern. In dem Tarifkonflikt mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) geht es um die Übergangsrente und Vorruhestands-Konditionen für Flugkapitäne. Germanwings fliegt in Deutschland die meisten Flughäfen außer Frankfurt und München an. Die Gesellschaft veröffentlichte einen Ersatzflugplan im Internet.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) rief die Tarifparteien zu einer schnellen Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Zur Tarifautonomie gehöre auch das Mittel des Streiks, sagte Dobrindt in Berlin. Damit sei aber besonders verantwortungsvoll umzugehen, um die Zahl der betroffenen Dritten gering zu halten.

Wer am Donnerstag mit Germanwings fliegen will, kann sich über die Webseite der Airline informieren. Germanwings hat auch eine Hotline geschaltet: 0180/6320320

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bahn und Germanwings: Und der nächste Streik folgt sogleich"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Nach den Lokführern streiken jetzt die Piloten
    --------
    Beide "Zwergengewerkschaften" nehmen ihre "Kunden" in Geiselhaft.
    Es wird zeit, dass diese Spartengewerkschaften verboten werden. Es kann nicht sein, dass ein paar "Anlernlinge" (Lokführer) Deutschland lahmlegen. Denn woraus besteht denn ihre "Arbeit"? Sie müssen nur alle paar Minuten auf die "Hallo wach Taste" drücken, alles Andere erledigt die Elektronik.
    Das Gleiche gilt auch für die Piloten der "Lusthansa".
    Sie werden nur beim Start und der Landung gefordert, alles Andere erledigt der Autopilot.

  • Allgemein erweckt die Berichterstattung den Eindruck, dass die Zukunft des Landes durch ein paar Streiks gefährdet ist.
    Im wirtschaftlichen Aufschwung darf nicht gestreikt werden, um den Aufschwung nicht abzuwürgen, im Abschwung, um diesen nicht zu verstärken.
    Während sich die einzelnen Arbeitnehmer zu immer schlechteren Arbeitsbedingungen konkurrieren, schaut die Politik tatenlos zu und preist parasitäre Beschäftigungsverhältnisse wie Leiharbeit gar noch als innovativ. Wenn aber die Konkurrenz unter den Gewerkschaften endlich einmal zu besseren Arbeitsbedingungen führt, dann ist Konkurrenz plötzlich etwas ganz schlimmes und die Politik sieht sich zum Handeln aufgerufen.
    Natürlich sind diese Streiks lästig. Aber ich kann jeden verstehen, der sich einer schlagkräftigen Spartengewerkschaft anschließt, die einen ganzen Betrieb lahmlegen und dadurch ernsthafte Verhandlungen erzwingen kann.
    Nicht verstehen kann ich allerdings die Reaktion der meisten Bürger, die stetig sich verschlechternde Arbeitsbedingungen akzeptieren aber sich in ihrer Freiheit gefährdet sehen, wenn ihresgleichen den Aufstand wagt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%