Bahn-Verhandlungen mit EVG
Streikt jetzt auch noch die große Gewerkschaft?

Die Bahn verhandelt am Freitag einzeln mit der Lokführergewerkschaft GDL und der EVG. Die Großgewerkschaft warnt die Arbeitgeber. Ein neuerlicher Bahnstreik droht – noch vor Weihnachten.
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Frankfurt/BerlinDie Deutsche Bahn und ihre beiden konkurrierenden Gewerkschaften GDL und EVG haben bei einem neuen Anlauf zur Lösung des verhärteten Tarifkonflikts noch keinen Durchbruch erzielt. Sowohl die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) als auch die Lokführer-Organisation GDL bewerteten neue Angebote des Staatskonzerns nach getrennten Verhandlungen am Freitag in Frankfurt als nicht ausreichend. Allerdings sind sich Bahn und GDL, die tagelang den Zugverkehr lahmgelegt hatte, etwas nähergekommen. Die Verhandlungen werden getrennt fortgesetzt.

"Wir haben von beiden Seiten die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass es weiter gehen kann im Verhandlungsmodus", sagte GDL-Chef Claus Weselsky nach dem Gespräch. Am Freitag nächster Woche solle deshalb in Berlin weiterverhandelt werden. Was jetzt als Ansatz bewertet worden sei, solle dann ausgebaut werden. Die GDL habe gezeigt, dass es ihr nicht um den Streik an sich gehe. Zu einzelnen Verhandlungspunkten wollte sich Weselsky nicht äußern: "Ich denke, es macht wenig Sinn über die Details einer zarten Annäherung jetzt hier zu spekulieren." Derzeit gelte das Angebot aber nur für Lokführer und Zugbegleiter. Die Bahn habe in der nächste Runde die Gelegenheit, weitere Details zu verhandeln. Es gebe noch viele Unklarheiten. Die GDL hatte vor den Gesprächen kritisiert, die Bahn habe wieder nicht alle Berufsgruppen mit GDL-Vertretung berücksichtigt. Dafür habe man nicht mehrfach gestreikt.

Am Freitagmittag hatten bereits EVG und Bahn ihre Verhandlung auf den 12. Dezember vertagt. Aus der Wirtschaft wurde vor weiteren Streiks besonders in der für den Handel wichtigen Weihnachtszeit gewarnt.

Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Lohn, 37 statt 39 Stunden Wochenarbeitszeit sowie bessere Schichtpläne. Die EVG will für ihre Mitglieder sechs Prozent mehr Lohn, mindestens aber eine Steigerung der Gehälter um 150 Euro. Kern des Konfliktes ist jedoch, dass die GDL nicht mehr wie früher allein für die rund 20.000 Lokführer, sondern auch für ihre Mitglieder unter den rund 17.000 Zugbegleitern, bei Bordrestaurant-Personal und Rangierführern eigene Verträge abschließen will. Bislang hatte die EVG für alle Berufsgruppen außer den Lokführern Abschlüsse ausgehandelt. Die EVG will nun im Gegenzug zum GDL-Vorstoß auch für die Lokführer unter ihren Mitgliedern sprechen. Die Bahn lehnt verschiedene Verträge für dieselbe Beschäftigtengruppe jedoch ab. Nach ihren Angaben sind die Angebote an beide Gewerkschaften daher materiell und inhaltlich gleich gewesen. Damit bleibe die Bahn bei ihrem Ziel, die Gespräche so zu gestalten, dass am Ende identische Regelungen für eine Berufsgruppe stehen.

Die Verhandlungsführerin der größeren EVG, Regina Rusch-Ziemba, hatte sich nach der einstündigen Gesprächsrunde enttäuscht gezeigt: "Das heute vorgelegte erste Angebot einer Tariferhöhung entspricht in keinster Weise unseren Forderungen." Statt der Erhöhung aller Gehälter um mindestens 150 Euro, was vor allem Geringverdienern zugutekommen würde, sei nur eine Einmalzahlung angeboten worden. Zudem benötige man mehr Zeit zur Prüfung der Details. Am 3. Dezember wolle sich die EVG-Tarifkommission damit befassen, sagte Rusch-Ziemba. Bis dahin werde nicht gestreikt.

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber äußerte sich trotz der kritischen Reaktionen auf sein Angebot vorsichtig optimistisch. "Wir haben sehr intensiv heute mit der GDL über unser Angebot gesprochen," sagte er. Es gebe keine Zwischenergebnisse, die jetzt berichtenswert wären. "Aber ich bin zuversichtlich insofern, als wir in einem sehr offenen Dialog die für die jeweiligen Parteien kritischen Fragen aufgeworfen haben und uns vorgenommen haben, sie am nächsten Freitag einer Lösung - wenn es denn geht - zuzuführen."

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, warnte in der "Bild"-Zeitung besonders vor Streiks in der Vorweihnachtszeit, die den Weihnachtsmarkt- und Einkaufstourismus ausbremsen würden. "Die vielen Bahnstreiks sind schon jetzt ein Bremsklotz für die Konjunktur", sagte er. "Transport und Arbeitszeit fallen aus, ausbleibende Lieferungen sorgen für Engpässe." Der Schaden durch die jüngsten Streiks betrage für die Wirtschaft um mehr als eine halbe Milliarde Euro . Die Bahn hatte ihren Schaden auf mindestens 100 Millionen Euro beziffert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Streik um des Streikes Willen
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    Erst streikte die Zwergen-Gewerkschaf GDL, jetzt will die große Gewerkschaft EVG streiken.
    Ein neuerlicher Bahnstreik droht – noch vor Weihnachten.

    Somit schaffen die Gewerkschaften die Bahn als zuverlässiges Verkehrsmittel ab.

    Hier hat Sixt mit seiner Werbung den Nagel auf den Kopf getroffen!
    Weselsky ist "Mitarbeiter des Monats"
    http://www.google.de/imgres?imgurl=http://www.merkur-online.de/bilder/2014/11/05/4392726/2067073292-claus-weselsky-gdl-sixt-3j09.jpg&imgrefurl=http://www.merkur-online.de/aktuelles/wirtschaft/sixt-ernennt-gdl-chef-weselsky-mitarbeiter-monats-zr-4392726.html&h=356&w=475&tbnid=-ktv8p3FQV9IIM:&zoom=1&tbnh=90&tbnw=120&usg=__EsutXtc91yhqUVuTnAeoyreval8=&docid=mkHTXXraUZhjXM&hl=de&sa=X&ei=SkdvVOLyOMTiO5zagYAG&ved=0CDEQ9QEwBA&dur=11444

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