Bahn-Vorstand Wiesheu
Mehdorns Mann für die Politik

Bahnchef Hartmut Mehdorn stärkt seine Drähte in die neue Bundesregierung. Der Aufsichtsrat billigte am Wochenende die Berufung des bayerischen Wirtschafts- und Verkehrsministers Otto Wiesheu (CSU) zum neuen Vorstand für Marketing und politische Beziehungen. Eine delikate Entscheidung.

ek/ms/HB DÜSSELDORF/BERLIN. In der Bahnbranche gilt der 61-Jährige als exzellenter Kenner der Materie, der den Kurs der Bahnreform stets mitgetragen und sich stets für den Ausbau der Bahninfrastruktur eingesetzt hat. Seinen künftigen Chef Mehdorn kritisierte er scharf, als die Bahn Preiserhöhungen ankündigte.

„Otto Wiesheu hätte als zukünftiger DB-Vorstand wegen Befangenheit nicht an den Koalitionsverhandlungen zum Thema Verkehr teilnehmen dürfen“, kritisierte Stefan Gerwens, Geschäftsführer von „Pro Mobilität“, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Pro Mobilität bündelt die Interessen von Automobil- und Bauindustrie in der Verkehrsinfrastrukturpolitik. Im Koalitionsvertrag wird die Bedeutung einer leistungsfähigen und modernen Schieneninfrastruktur hervorgehoben.

Wiesheu will nach seinem Wechsel in den Vorstand der Deutschen Bahn eine Zerschlagung des Staatsunternehmens verhindern. Aus seiner Sicht sei es sinnvoll, die Bahn bei dem in den kommenden Jahren geplanten Börsengang als „integrierten Konzern“ zu erhalten, sagte er der „Süddeutsche Zeitung“ (Montagsausgabe). Das insgesamt rund 35 000 Kilometer lange Schienennetz solle in der DB verbleiben und nicht herausgelöst werden.

Im Bundestag und unter den 16 Bundesländern ist bislang strittig, in welchem Umfang das Staatsunternehmen nach und nach privatisiert werden soll. Verkehrspolitiker von CDU, FDP und Grünen plädieren dafür, den Unternehmensbereich Netz zuvor abzutrennen und nicht mit an die Börse zu bringen. Andere Eisenbahnen hätten dann größere Chancen, ihre Züge auf den bislang von der Bahn betriebenen Strecken fahren zu lassen. Das könne den Wettbewerb auf der Schiene fördern.

Wiesheu wechselt zum 1. Januar 2006 in den Vorstand der Bahn. Er löst im achtköpfigen Bahn-Vorstand den 62-jährigen Klaus Daubertshäuser ab. Daubertshäuser ist ehemaliger SPD-Bundestagsabgeordneter und war ab 1983 Vorstandsmitglied seiner Partei in der Bundestagsfraktion.

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