Bahnhof Zoo
Abgekoppelt

Zurückbleiben bitte: Der Bahnhof Zoo, ein Symbol des alten Westberlins, wird zur Regionalbahn-Haltestelle degradiert. Mit nur zwei Bahnsteigen war er Jahrzehnte lang der wichtigste Fernbahnhof im Westen der Stadt. Die Berliner gehen auf die Barrikaden.

BERLIN. Der Geruch früherer Jahrzehnte, jene typische Mischung aus kaltem Braunkohlen-Rauch der Dampfloks und aus scharfen Reinigungsmitteln, hat sich verzogen. Verschwunden ist auch die einstige Tristesse der von Ruß und Rost angefressenen Bahnsteighalle mit ihren erblindeten Glasscheiben. Und der abweisende, noch die Kriegsjahre lebendig machende Charme der grün gekachelten Schalterhalle, in der sich hinter den Sichtfenstern unwilliges Personal verschanzte. Verschwunden sind auch die schmuddeligen Ecken der Stricher, Fixer und der Heimatlosen.

All das ist moderner Alltäglichkeit gewichen – der Bahnhof Berlin Zoologischer Garten ist zu einem Großstadtbahnhof mit Geschäften, Espressobar und viel Leben geworden. Doch nun steigt er ab in die zweite Liga: Mit dem Fahrplanwechsel ab Sonntag ist er nur noch ein Regionalbahnhof.

Ein Monument alter Westberliner Identität wird dadurch ein Stück weit in die Bedeutungslosigkeit abgeschoben, abgekoppelt von der großen weiten Bahnwelt, denn er wird nicht mehr von ICEs und ICs angesteuert. Das löste im westlichen Berlin Aufruhr aus, eine Unterschriftensammlung mobilisierte mehr als 100 000 Menschen. „Auf den Fernhalt am Bahnhof Zoo verzichten hieße, Berlin das Herz herauszureißen“, dramatisiert gar ein Kritiker des neuen Fahrplans.

„Die Empörung über die Entscheidung ist allgemein“, heißt es beim Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf. Am 30. Mai wird es eine Demonstration geben – in der Hoffnung, dass die Fernzüge ab Mitte Dezember, wenn der nächste Fahrplanwechsel ansteht, nicht mehr vorbeirauschen, sondern wieder halten.

Die, die sich dafür einsetzen, argumentieren: Der Bahnhof Zoo könne nicht einfach als Relikt aus dem Westberliner Inseldasein betrachtet werden. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg spielte er eine wichtige Rolle in der westlichen Innenstadt, die sich vor hundert Jahren zum eleganteren Kontrapunkt des historischen Stadtzentrums in Mitte entwickelte. Gebaut wurde 1882 zunächst ein einfacher Stadtbahn-Haltepunkt, um den Berlinern, die damals überwiegend östlich des Brandenburger Tors wohnten, den Weg zu Zoo zu erleichtern.

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