Bahnstreik ab Montag
Lokführer legen Deutschland lahm

Deutschland droht der längste Eisenbahnstreik seit Jahren. Für eine Woche wollen die Lokführer ihre Arbeit niederlegen. Ab Montag stehen die Güterzüge, ab Dienstag die Personenzüge. Minister Gabriel warnt vor den Folgen.
  • 35

DüsseldorfDie Lokführer wollen fast eine ganze Woche lang streiken. Bahnkunden müssen sich wegen des bisher längsten Arbeitskampfes in dem Tarifkonflikt in den nächsten Tagen auf starke Einschränkungen im Zugverkehr einstellen. Der Streik soll im Personenverkehr knapp sechs Tage dauern und am Dienstag um 2.00 Uhr morgens beginnen, teilte die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) am Sonntag in Frankfurt am Main mit. Im Güterverkehr geht es bereits am Montag um 15 Uhr los. Beendet werden soll der Ausstand am Sonntag um 9 Uhr. Es wäre bereits der achte Streik in der seit Monaten laufenden Auseinandersetzung.

Die Deutsche Bahn arbeitete am Sonntag an einem Ersatzfahrplan. Das Unternehmen bezeichnete den geplanten Streik als „maßlos und unangemessen“. Er werde zu schweren Beeinträchtigungen im Zugverkehr führen. „Damit schadet die GDL nicht nur massiv den Bahnkunden, der DB und ihren Mitarbeitern, sondern auch der deutschen Wirtschaft und der Sozialpartnerschaft“, erklärte die DB.

Der angekündigte Streik werde Pendler und Reisende, aber auch die Deutsche Bahn und die gesamte deutsche Wirtschaft insgesamt schwer treffen, sagte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel der „Bild“. „Alle Beteiligten müssen sich fragen, ob der Schaden, den dieser Ausstand anrichten könnte, noch in einem vernünftigen Verhältnis zur eigentlichen Auseinandersetzung steht.“

Auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) kritisierte den Streik. „Ich habe Verständnis dafür, dass viele Bürger über das Ausmaß des Streiks verärgert sind“, sagte Dobrindt der „Bild“-Zeitung. „Die Grenze der Akzeptanz dieser Tarifauseinandersetzung in der Bevölkerung ist zunehmend erreicht. Das sollten auch die Verhandlungsführer erkennen.“ „Das Zugpersonal streike für „seine Grundrechte“ wetterte GDL-Chef Claus Weselsky. Erneut „zwinge“ die Deutsche Bahn das Zugpersonal zum Arbeitskampf.

Angesichts des bevorstehenden neuen Streiks macht sich der Vorsitzende des Dachverbands dbb-Beamtenbund, dem die GDL angehört, für eine Schlichtung stark. „Wenn dieser Streik nicht zu einem Verhandlungsergebnis führt, wird es sinnvoll sein, auf einen unabhängigen Dritten zurückzugreifen“, sagte ddb-Chef Klaus Dauderstädt der „Süddeutschen Zeitung“. Auch Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber hatte am Sonntag erneut eine Schlichtung ins Spiel gebracht. Dies lehnt die GDL ab.

Seite 1:

Lokführer legen Deutschland lahm

Seite 2:

GDL ringt um Einfluss im Konzern

Kommentare zu " Bahnstreik ab Montag: Lokführer legen Deutschland lahm"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Hier in Mainz hat Schenker Rail, die Transporttochter der DB AG, ca. 800 Mitarbeiter.
    Die erwirtschaften immer weniger Wagenladungen. Das Transportaufkommen sinkt.
    Auf der Schiene fahren aber nicht nur DB-Güterzüge, wie viele meinen. Von welchem Mitbewerber der DB AG wird Weselsky gesponsert?`Er lässt die DB Lokführer für u.a. weniger Wochenarbeitsstunden streiken. Schenker-Rail dürfte bald Mitarbiter "freisetzen". Die DB-Lokführer werden wohl bald wirklich weniger zu tun haben.
    Solidarität sieht anders aus!

  • @Herr J. Schwarz

    Der Mensch ist schon ein seltsames Tier!
    Dieses “Tier“ tritt mit Vorliebe aufgrund seiner Anatomie nach unten, obwohl die Schmerzen eindeutig in aller Regel von oben verursacht werden. Der Sozialneid nach unten ist wesentlich ausgeprägter als der nach oben, weil der natürliche und geringere Sozialneid nach oben öffentlich medial von OBEN als ungut und krank bezeichnet wird, während der Sozialneid nach unten noch nicht einmal ignoriert wird, zumeist sogar auf hetzerische Art und Weise befördert wird.
    Die GDL bzw. die Lokführer, und nicht der Herr Weselsky, erlauben sich etwas ungeheuerliches, sie tanzen aus der Reihe und legen sich mit der Wirtschaft, Politik und dem beauftragten unfähigen Management an. Das alleine reicht schon aus die unterprivilegierten und armseligen Trottel dieser Republik auf den Plan zu rufen und gegen die Bahnmitarbeiter zu Felde zu ziehen. Diesen armseligen Trotteln und erbärmlichen Feiglingen käme es gar nicht in den Sinn sich mit denen da OBEN anzulegen, - egal wie sehr sie malträtiert werden.

    Oh, wie ich mich nach künstlicher Intelligenz sehne, ich ließe mich lieber von tatsächlicher Intelligenz auf evolutionäre Weise ausrotten, als mich weiterhin von verkommenen Vollpfosten verarschen!!!
    Ja, der Herr wird mich erhören und künstliches Hirn vom Himmel schmeißen und die menschliche Seuche hinwegraffen.

  • "Die Tragweite der Insdustrie 4.0 "

    Lokführer sind ganz oben auf der Liste der durch intelligentere Maschinen zu ersetzenden Berufe. Die Züge machen das meiste sowieso schon allein, der Rest wird durch Leitstellen erledigt. Wenn der Rechtliche Rahmen für autonome Züge stimmt, dann kann die GDL schnell zum Bittsteller mutieren.

    Und nur, weil die träge Bahn AG vor Innovationen zurückschreckt: Die Konkurrenz wird der Bahn AG Marktanteile wegnehmen, denn autonome Züge können sogar mit bedarfsgesteuerten ad hoc Fahrplänen 24/7 klar kommen ohne wieder nach hause fahren zu müssen. Etwas, was die GDL nicht bieten kann. Ihre Fahrer sind anscheinend mit weniger als 40 Stunden chronisch überlastet und überfordert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%