Bahnstreik
Die Deutsche Bahn verliert – wer profitiert?

Die Lokführergewerkschaft GDL streikt, das merken MeinFernbus Flixbus und Co. Ihr Umsatz wächst, die Mietwagenfirma Sixt beruft sich auf das beste Montagsgeschäft aller Zeiten. Wer vom Streik profitiert und wer verliert.
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Düsseldorf+++ Zug fällt heute aus +++ Buchen Sie einen Fernbus. Letzteres stand zwar noch nie auf einer Anzeigetafel der Deutschen Bahn, der Streik selbst kommt der Werbewirkung jedoch gleich – zumindest für die Bahn-Konkurrenz. Wenn die Lokführer der GDL streiken, fahren Bus- und Taxiunternehmen auf Hochtouren. Der Fernbusgigant MeinFernbus Flixbus hatte erst Anfang Mai – als die Deutsche Bahn das letzte Mal bestreikt wurde – bekanntgegeben, dass die Buchungszahlen um 70 Prozent, teilweise sogar um 150 Prozent gestiegen sind. „Die Internetseiten halten dem Ansturm kaum stand“, hieß es von MeinFernbus Flixbus, kurz nachdem die GDL den Streik angekündigt hatte.

Der Anbieter Postbus verkaufte nach eigenen Angaben drei- bis viermal so viele Tickets wie sonst. Viermal so viele Nutzer verzeichnet heute auch das Vermittlungsportal Busliniensuche.de. „Jedes Mal, wenn die Deutsche Bahn bestreikt wird, freuen wir uns über die neuen Fernbusnutzer“, sagt Sprecher Martin Rammensee. Vor allem, weil jeder Streik immer mehr Erstnutzer in die Fernbusse treibe.

Wie bei allen Streiks bisher dürften die typischen Pendlerstrecken begehrt sein, wie etwa die von Berlin nach Hamburg, von München nach Augsburg oder von Düsseldorf und Köln nach Frankfurt am Main. Eine Fahrt mit dem Fernbus ist kostengünstiger als eine Bahnfahrt, dauert aber länger. – zum Vergleich: Zu Normalzeiten, also an streiklosen Tagen, kostet eine einfache Fahrt von Düsseldorf nach Frankfurt mit dem ICE meist 60 Euro, manchmal 80 (ohne Bahncard). Eine Busfahrt bekommt man zu solchen Zeiten für neun bis 14 Euro pro Fahrt. Der ICE fährt eineinhalb Stunden, der Bus drei.

Also steigen viele Pendler aufs Auto um. Entweder auf das eigene, einen Carsharing-Wagen oder ein Mietauto. Nicht umsonst meldete der Autovermieter Sixt Anfang Mai, den besten Montag in der Unternehmensgeschichte mit einer Auslastung von 100 Prozent geschrieben zu haben. „Da waren wir leergefegt“, sagte ein Sprecher. Der aktuell angekündigte Streik könnte für ähnliche Effekte sorgen. Für langfristige Auswirkungen auf das Konzernergebnis seien die Streikphasen jedoch zu kurz. Ebenso bei Hertz: Man rechne mit einer kurzfristig erhöhten Nachfrage. „Dies gilt vor allem an Standorten in und an Bahnhöfen“, sagt Sprecher Bastian Krampen.

Entstehende Kosten für die deutsche Industrie durch die Bahnstreiks 2014


Wer auf Mieten oder Busfahren verzichten will, dem bleiben immer noch Taxen. Uber, MyTaxi und normale Taxizentralen dürften sich ebenfalls über den Streik freuen. MyTaxi hat gerade eine dreiwöchige Rabattaktion hinter sich, um Bahnfahrer ins Taxi zu bekommen: 50 Prozent sparen, wenn man per App bezahlt. Die Aktion startete, als die GDL Anfang Mai gestreikt hatte. Tatsächlich bemerkten MyTaxi-Fahrer in Berlin zum Beispiel eine höhere Fahrtenzahl. „Das sollte es immer geben“, sagten gleich mehrere. Das Unternehmen selbst bestätigte diesen Eindruck: Die Bezahlungen per App hätten sich verdreifacht. Die Aktion endete am 17. Mai – ob MyTaxi zum neuen Streit neue Rabatte einführen will, das halte man für wahrscheinlich. Die Art der Aktion bliebe aber noch offen.

Während sich die Konkurrenten der Deutschen Bahn die Hände reiben, versucht Personalchef Ulrich Weber die unbefristete Weselsky-Vendetta gegen Rüdiger Grube und Co. zu verhindern. „Die GDL sagt immer Nein. Egal was vorgeschlagen wird, die Funktionäre wollen offensichtlich gar nicht reden oder verhandeln“, sagte er der Deutschen Presseagentur bereits am 5. Mai. Aktuell meint er, die Lokführergewerkschaft solle trotzdem langfristiger Tarifpartner der Bahn bleiben. Auch in Hinblick auf die Pläne der Bundesregierung, die mithilfe einer Tarifeinheit die Rechte kleinerer Gewerkschaften einschränken könnte.

„Die Ankündigung eines erneuten Streiks der GDL ist eine schlechte Nachricht für die deutsche Wirtschaft“, sagt Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. „Die Unternehmen arbeiten gerade mit Hochdruck daran, die Folgen des letzten Streiks zu überwinden.“ Selbst die Fernbusunternehmen, so scheint es, wären über eine baldige Einigung nicht allzu traurig. So sagt Martin Rammensee von Busliniensuche.de, jeder Streik werde „dem Vertrauen in den gesamten öffentlichen Verkehr nachhaltig“ schaden.

Annika Reinert
Laura Waßermann
Handelsblatt / Freie Mitarbeiterin

Kommentare zu " Bahnstreik: Die Deutsche Bahn verliert – wer profitiert?"

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  • Übrigens, wer hat denn die Bahn privatisiert, und damit Streiks erst ermöglicht?

  • Ist doch schön, dass Busse keine Maut zahlen. Im Gegensatz zur Bahn, die für ihr Netz selbst aufkommen muß.
    Da fragt man sich schon, welche Interessen der werte Herr Dobrint verfolgt. Die der Bahn sicher nicht, sonst würde er Chancengleichheit schaffen.

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