Bahnstreik: Die Lokführer schaden sich selbst am meisten

Bahnstreik
Die Lokführer schaden sich selbst am meisten

Der Bahnstreik trifft nicht nur die Pendler. Auch Unternehmen sind vom ausfallenden Güterverkehr stark betroffen. Da könnte in Zukunft einige Transporte mehr zurück auf die Straße treiben.
  • 2

BerlinWer als Logistiker darüber nachgedacht haben sollte, öfter mal Waren seiner Kunden der Bahn anzuvertrauen, dürfte sich spätestens jetzt entschieden haben: Verlässlich ist allein der Lastwagen.

Der Streik der Lokführer wirft nicht nur die Frage auf, warum eine Gewerkschaft ihren Streit mit einer anderen Gewerkschaft auf dem Rücken der exportabhängigen Wirtschaft austrägt. Es geht auch darum, warum die Bahn nur unwesentlich mehr als zehn Prozent dessen an Gütern transportiert, was Lastwagen jährlich ans Ziel bringen. Woran liegt es, dass die Güterzüge im Schneckentempo ihr Ziel erreichen und auf der Langstrecke nicht führend sind? Die Antworten liegen auf dem Tisch, nur die Konsequenzen mag niemand ziehen.

Auf deutschen Schienen gilt: Vorfahrt für die Personenzüge. Das führt regelmäßig dazu, dass die Güterzüge in die Randzeiten ausweichen und mehr stehen denn fahren. Obendrein verhindern die Nationalstaaten, dass die Bahnen grenzüberschreitend durchfahren können. Die EU-Kommission fordert seit langem eine europäische Regulierungsbehörde, um diese Probleme zu beheben. Aber nicht zuletzt die Deutschen sperren sich dagegen, obwohl auch die DB AG darunter leidet. Lieber Ruhe auf dem eigenen Spielfeld als ein wenig Platz bei den anderen, lautet die Devise. Also verschicken die deutschen Bahnen zwei Drittel ihrer Güter innerhalb Deutschlands und nur ein Drittel ins Ausland. Dabei fährt die Bahn die Hälfte ihrer Transporte weiter als 300 Kilometer.

Ein weiteres Problem sind zweifelhafte Investitionen. Anstatt Güterverkehrskorridore zu schaffen, um etwa die Massen an Containern aus den deutschen und den Benelux-Seehäfen schnell in den Süden und Osten Europas zu schaffen, verbuddelt die Netztochter der Bahn Milliarden in Hochgeschwindigkeitsstrecken, auf denen Güterzüge aus Sicherheitsgründen gar nicht erst fahren dürfen. Eine wirtschaftsorientierte Verkehrspolitik (samt abgestimmter Investitionsplanung des Bundesunternehmens DB AG) sieht anders aus. Wie sollen Logistiker so die Schiene schätzen lernen?

Anstatt aber die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Güterverkehr zu fordern, poltern die Bahn-Lobbyisten, organisiert in der Allianz pro Schiene, seit Wochen lieber gegen die Bundesregierung. Sie will Feldversuche mit 25 Meter langen Lkws starten und schauen, ob der Lastwagen so mehr Güter sparsamer über die Straßen befördern kann. Kritische Fragen gibt es zuhauf. Aber solange die Bahn keine Alternative darstellt, müssen neben dem Binnenschiff vor allem Lastwagen den Warenaustausch garantieren – Umweltprobleme und verstopfte Straßen hin oder her.

Eine zuverlässige und preiswerte Bahn wäre eine Alternative für jeden Transporteur. Den Bahnen entstünde mehr Geschäft, was Jobs schafft – auch für Lokführer. Indem sie aber den Verkehr lahmlegen und Löhne in die Höhe schrauben, bewirken sie das Gegenteil.

Dr. Daniel Delhaes
Daniel Delhaes
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Bahnstreik: Die Lokführer schaden sich selbst am meisten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • An all die Ellbogen-Gewerkschafter !
    Die großen Gewerkschaften haben es (übrigens zusammen mit den Arbeitgebern) geschafft über Jahrzehnte dieses Land aufzubauen, mit stabilen Arbeitsplätzen und einem Lohnniveau, das zu den höchsten Weltweit zählt. Das ging nur durch gegenseitigen Respekt und zusammenhalt. Auch durch eine Geschlossenheit auf der Arbeiitnehmerseite. Wo die "Starken" die "Schwachen" mitnehmen.
    Genau diese Solidarität kündigen die SpartenKampfEinheiten auf. Sie bereichern sich auf Kosten der Anderen.
    Deswegen sage ich: Grenzt aus was euch ausgrenzt !
    Wir können diese Asozialen auswüchse nicht verhindern, aber jedem EInzelnen ganz genau zeigen, was wir davon halten.
    Nicht die GDL ist das Problem, sondern ihre Mitglieder!

  • Die Frage ist, darf man jedes Mittel einsetzen um seine persönlichen Ziele durchzusetzen ?
    Die privaten Bahngesellschaften trifft der Streik kaum. Sie erhalten ihr Geld größtenteils durch die Zuwendungen der Kommunen und über Zeitkarten. Sie sind also abgesichert. Bei einem Streik sparen sie Betriebskosten bei ähnlichen Einnahmen (Streik=höhere Gewalt -> Kommunen zahlen). Nur wenn die Bevölkerung blutet und schreit wird Druck erzeugt.
    Rechtlich darf die Gewerkschaft das, wenn man aber den Ursprung der Gewerkschaft sieht muss man sich fragen, wo kommt sie her und wo will sie hin ?
    Sie verkommt gerade von einer Solidargemeinschaft zu einer Vertretung von isolierten Gruppeninteressen.
    Da Gewerkschaften nur durch die Mitglieder leben frage ich mich, welche Moralvorstellungen haben diese ?
    Darf ich meine Rechte um jeden (diesen) Preis durchsetzen ?
    Ich stelle an meine Freunde und Kollegen andere Ansprüche !

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%