Bahnstreik
„Die trauen sich wenigstens was“

Etliche Überstunden, schlechte Vergütung: Wer sich unter den Bahn-Mitarbeitern umhört, stößt allenthalben auf Verständnis für die Warnstreiks der Kollegen vom Fahrpersonal. Mit widerwilliger Faszination blicken viele vor dem Gewerkschaftstag der Transnet auf das Muskelspiel der Lokomotivführer. Ein Handelsblatt-Report.

DÜSSELDORF/KÖLN. Alles war durchgeplant, bis ins Detail. Um die Struktur der Gewerkschaft sollte es gehen. Und auch Satzungsfragen standen auf der Tagesordnung. Trocken, sachlich, ohne Emotion. So weit der Plan. Doch der gilt nicht mehr. Der Tarifabschluss mit der Deutschen Bahn droht der Dramaturgie beim Gewerkschaftstag der Transnet einen Strich durch die Rechnung zu machen. Wenn sich die 300 Delegierten am heutigen Mittwoch im Fuldaer Hotel Esperanto treffen, könnte es hoch hergehen.

„Die Veranstaltung hat durch die Einkommensrunde eine neue Dynamik bekommen“, räumte ein Sprecher der größten Eisenbahner-Gewerkschaft ein. So kamen die Organisatoren nicht umhin, das Thema, das den Eisenbahnerpuls derzeit schneller schlagen lässt, auf die Tagesordnung zu setzen. Nun wird die Gewerkschaftsspitze um den Vorsitzenden Norbert Hansen wohl ein deutliches Feedback erhalten, wie die am Montag vereinbarten 4,5 Prozent Lohnzuwachs plus 600 Euro Einmalzahlung an der Basis ankommen.

Erste Reaktionen bei den Transnet-Mitgliedern waren gespalten. „Sie reichten von Glückwünschen bis zu Enttäuschung bei Kollegen, die mehr erwartet hatten“, sagte ein an den Tarifverhandlungen Beteiligter. Die Gewerkschaft GDBA, die mit Transnet in einer Tarifgemeinschaft den Abschluss gut geheißen hat, mag sich offiziell nicht äußern. Hinter den Kulissen heißt es aber, die Erwartungen seien größer gewesen. Da nützten auch Hinweise wenig, dass sich der Abschluss für die Eisenbahner im Vergleich der bisherigen Vereinbarungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sehen lassen kann. So bilanzierte das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung in den abgeschlossenen Tarifverträgen des ersten Halbjahrs 2007 durchschnittliche Einkommenserhöhungen um 3,7 Prozent – getragen durch die hohen Abschlüsse in der Chemie- und Metallindustrie

Gleichwohl: „Es ist immer schwierig, die Basis mitzunehmen“, heißt es aus der Gewerkschaftsspitze. In der Tat: „4,5 Prozent, das reicht mir eigentlich nicht, da hätte mehr drin sein müssen“, klagt ein Service-Mitarbeiter am Düsseldorfer Hauptbahnhof, der anonym bleiben will. Kollegen sehen das ähnlich. Ist also das Muskelspiel der Lokführer richtig, die sich ohne einen eigenen Tarifvertrag nicht zufrieden geben und bis zu 31 Prozent Lohnaufschlag fordern? „Ich sag mal so“, verhehlt der Mann vom Service seine Sympathie nicht, „sollen sie ihr Glück versuchen.“

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