Bahnstreik
Lokführer bremsen Deutschland aus

Seit 8 Uhr sitzen bundesweit Tausende Bahnreisende fest: Die Lokführergewerkschaft GDL bestreikt den Nahverkehr, also die rotlackierten Züge der Deutschen Bahn. Doch auch die ICEs und ICs rollen nur eingeschränkt, weil beim Staatskonzern ein Notfahrplan gilt. Verbal legen die Kontrahenten unterdessen das Florett aus der Hand und greifen zur Keule.

HB BERLIN/CHEMNITZ. In der Nacht zum Freitag hatte das Arbeitsgericht Chemnitz der GDL grünes Licht für einen Streik im Nahverkehr gegeben. Ein Arbeitskampf im Fern- und Güterverkehr erlaubten die Richter nicht, weil dies unverhältnismäßig wäre. Die Bahn hatte versucht, den Ausstand komplett verbieten zu lassen.

Das Chemnitzer Gericht verkündete seine Entscheidung nach gut elfstündiger Verhandlung mit zahlreichen Unterbrechungen. Es sei darum gegangen, zu erwartende größere Schadenswirkungen zu vermeiden, aber auch das Streikrecht zu berücksichtigen, betonten die Richter. Eine offensichtliche Rechtswidrigkeit sei insgesamt nicht gesehen worden, weshalb der Streik im Nahverkehr erlaubt werden müsse.

Wegen der späten Gerichtsentscheidung blieb die Bahn bei ihrem Notfahrplan, durch den im Fernverkehr spürbar weniger Züge verkehren. Für eine Rückkehr zum Normalfahrplan habe die Zeit nicht gereicht, hieß es vom Unternehmen. Es gibt ab, dass rundf zwei Drittel der täglich 750 Fernzüge führen, vor allem die ICEs. Im Nahverkehr hoffe man, die Hälfte der normalen Zugverbindungen aufrechterhalten zu können.

Behinderungen und Zugausfälle wurden nach Beginn des Streiks aus dem ganzen Bundesgebiet gemeldet. So hieß es aus Stuttgart, zwei S-Bahn-Linien seien komplett ausgefallen. Dies habe der entsprechende Notfallfahrplan vorgesehen. Von den Einschränkungen seien aber auch die ICE-Verbindungen von Stuttgart in Richtung Karlsruhe und nach München betroffen gewesen. An normalen Werktagen benützen den Angaben zufolge rund 330 000 Pendler die S-Bahn im Großraum Stuttgart.

In Bayern fielen am Freitag jeder dritte Fernzug und jede zweite Regional- und S-Bahn aus. Jede Strecke werde weiterhin bedient, sagte ein Bahnsprecher in München. Die S-Bahnen verkehrten aber nur alle 40 oder 60 Minuten, die Regionalzüge nur alle zwei Stunden. Im Fernverkehr könne der eine oder andere ICE von München zum Beispiel nur bis Hannover statt nach Hamburg fahren, viele EC- und IC-Züge fallen aus.

Auch Hamburg war stark betroffen. Dort fielen zahlreiche Züge des Regionalverkehrs aus. Viele Menschen stiegen auf dem Weg zur Arbeit auf Busse um. Von den Ausfällen betroffen waren auch dort mehrere Züge des S-Bahnverkehrs, der nur sehr eingeschränkt lief. Es bildeten sich lange Schlangen an den S-Bahn-Haltestellen.

In Nordrhein-Westfalen gab es ebenfalls starke Beeinträchtigungen. Auf dem Düsseldorfer Hauptbahnhof standen viele Reisende vor den Anzeigetafeln, die zahlreiche Ausfälle und Verspätungen avisierten.

Im Berliner S-Bahnnetz gilt der Notfahrplan seit vier Uhr morgens. Der reguläre Betrieb konnte laut Bahn nach 8.00 Uhr zu weniger als 60 Prozent aufrecht erhalten werden. Auf den meisten Strecken fuhren die Züge im 20-Minutentakt, auf wenigen auch nur im Stundentakt. Einzelne Bahnhöfe wurden am Morgen gar nicht angefahren.

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