Bahnstreik
Weselsky legt sich mit Gabriel an

Der neue Bahnstreik erzürnt die Bundesregierung. Die Minister Gabriel und Dobrindt stellen die Verhältnismäßigkeit infrage. GDL-Chef Weselsky ficht das nicht an – obwohl der Streik eine halbe Milliarde kosten könnte.
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MünchenFür den längsten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn ist aus Sicht der Lokführergewerkschaft das Bundesunternehmen selbst verantwortlich. „Die Eskalation verursacht die Deutsche Bahn AG“, sagte der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, Claus Weselsky, am Montag in Berlin. In dem monatelangen Tarifkonflikt verhandele der Arbeitgeber, ohne ein Ergebnis zu wollen.

„Einen Schritt vor, zwei zurück“, das sei die Strategie der Bahn. Forderungen nach einer Schlichtung wies Weselsky zurück. „Wir lassen nicht über Grundrechte schlichten.“ Eine Schlichtung sei nur bei Fragen wie Entgelt und Arbeitszeiten möglich. In den Tarifverhandlungen ging es bislang aber vor allem um Strukturfragen.

Weselsky wies Kritik aus der Bundesregierung an dem Ausstand zurück, der im Personenverkehr in der Nacht zu Dienstag beginnen und sechs Tage dauern soll. Der Gewerkschafter sprach von einem Eingriff in die Tarifautonomie und dem Versuch, Streiks als etwas Unanständiges hinzustellen. Weselsky sagte, der Bund solle auf den Vorstand einwirken und so sein Eigentum schützen. Die Bundesregierung sei es gewesen, die sich gegen eine Bundesbahn und für ein privatrechtliches Unternehmen entschieden habe, in dem es nun nur noch wenige nicht streikberechtigte Beamte gebe.

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte der „Bild“ gesagt, dass der angekündigte Streik Pendler und Reisende, aber auch die Deutsche Bahn und die gesamte deutsche Wirtschaft insgesamt schwer treffen werde. „Alle Beteiligten müssen sich fragen, ob der Schaden, den dieser Ausstand anrichten könnte, noch in einem vernünftigen Verhältnis zur eigentlichen Auseinandersetzung steht.“

Auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) kritisierte den Streik. „Ich habe Verständnis dafür, dass viele Bürger über das Ausmaß des Streiks verärgert sind“, sagte Dobrindt der „Bild“-Zeitung. „Die Grenze der Akzeptanz dieser Tarifauseinandersetzung in der Bevölkerung ist zunehmend erreicht. Das sollten auch die Verhandlungsführer erkennen.“

Der GDL-Streik kostet nicht nur Nerven, sondern auch viel Geld. DIHK-Präsident Eric Schweitzer hat die Kosten auf eine halbe Milliarde Euro beziffert: „Lager laufen leer, die Produktion stottert, es kann sogar zu Produktionsausfällen kommen. Alles in allem drohen Streikkosten von einer halben Milliarde Euro“, sagte Schweitzer dem Handelsblatt (Dienstagausgabe). „Wenn der Streik wie angekündigt sechs Tage dauert, kommt die Lieferkette ins Stocken“, befürchtet Schweitzer.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) geht ebenfalls von einem dreistelligen Millionenschaden aus. „„Die erneute Eskalation im Tarifstreit bei der Deutschen Bahn schadet dem Industriestandort Deutschland massiv“, sagte Dieter Schweer, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung. „Durch einen einwöchigen Streik kann ein Schaden von mehreren 100 Millionen Euro entstehen.“ Eine solche Streikwelle sei Gift für ein hochentwickeltes Industrieland wie Deutschland.

Ökonomen zufolge kann der Ausstand das Bruttoinlandsprodukt drücken. „Das könnte die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um 0,1 Prozentpunkte senken“, sagte der Deutschland-Chefvolkswirt von Unicredit, Andreas Rees. Er rechnet für April bis Juni bislang mit einem Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent. „Je länger der Streik dauert, umso größer die Gefahr, dass auch mal Aufträge storniert werden“, sagte Rees.

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Beamtenbund für Schlichtung

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  • Ich finde es äußerst richtig und wichtig, dass in Deutschland gestreikt werden kann. Die tatsächliche Umsetzung der Streiks steht hierbei jedoch auf einem anderen Blatt. Grundsätzlich ist der GDL Streik nicht zu verachten, 6 Tage sind jedoch eine Zeit, die nicht spurlos am Bürger vorbei geht. Dass hier Gegenwind aufkommt, ist verständlich - die Art und Weise jedoch nicht immer. Ich bin sowieso auch kein Freund von "fingerzeig" und Schuldsuche bei einzelnen Personen, viel mehr finde ich es beachtlich, welche Energie in solchen Situationen von manchen Personen ausgeht, um den Betroffenen Unterstützung zu bieten. Seien es Mitfahrzentralen wie Blablacar und flinc, Fernbusanbieter wie Flixbus und MeinFernbus oder auch lokal Anbieter wie SHÄRE-a-Taxi - all dies sind Alternativen, um sich in Situationen des Streiks zu helfen. Streiken ja, Alternativen nutzen ja.

  • Weselsky kann nur streiken, weil 91% der Gewerkschaftsmitglieder FÜR einen Streik gestimmt haben. Woher im übrigen wissen Sie, was Herr Weselsky verdient, spricht da vielleicht ein wenig Neid aus ihren Vermutungen?

    Bei dem, was er im Augenblick auszuhalten hat, indem er standhaft die Interessen seiner GDL-Mitglieder öffentlich vertritt, hätte er 20.000 im Monat jedenfalls eher verdient, als die Herren des DB-Vorstands, die für 20 Mille im Monat morgens noch nicht mal aufstehen würden.

  • Die Angst Weselskys vor dem Tarifeinheits-Gesetzt
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    Deshalb will er vor dessen inkrafttreten noch einmal richtig streiken.
    Und dazu ist ihm jedes Mittel recht.
    Das er damit den Kunden und der Wirtschaft schadet, ist ihm egal.

    Er gibt natürlich der Bahn die Schuld an den Streiks und lehnt eine Schlichtung ab.

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