Balance zwischen mega-hip und altbacken
Kaufrausch in mollig

Mit der Kette "Forth & Towne" richtet sich der Gap-Konzern an eine wachsende Zielgruppe: alternde Baby-Boomer. Der Markt ist riesig und wächst rasant, denn jeder zweite Dollar, den Frauen in den USA für Bekleidung ausgeben, stammt von den 40- bis 60-Jährigen.

HB WEST NYACK. Sie weiß es nicht mehr so genau, wann sie ihrem Lieblingsgeschäft den Rücken kehrte. Vielleicht nach dem ersten Kind, möglicherweise auch früher. „Irgendwann passte einfach gar nichts mehr“, erzählt Milly Yeboah. Und einkaufen bei der US-Bekleidungskette Gap war stets mit Frust verbunden.

Jetzt hat die kleine, untersetzte Hausfrau aus einem New Yorker Vorort aber die Läden des Moderiesen wieder für sich entdeckt. Heute zieht es die inzwischen 45-Jährige zu „Forth & Towne“. Unter diesem Namen eröffnete der Gap-Konzern vor wenigen Wochen die ersten Läden, die sich an eine wachsende Zielgruppe richten: alternde Baby-Boomer. Im West Nyack, eine knappe Autostunde von New York entfernt, und in der Nähe von Chicago umgarnt Gaps Forth & Towne reife Frauen, die sich zu alt für enge Tops und zu jung für wallende Röcke fühlen.

Weitere Forth-&-Towne-Geschäfte sollen folgen, denn der Markt ist riesig, und er wächst rasant. Baby-Boomer gaben 2003 rund 66 Milliarden Dollar für Damenmode aus, sagt Gap-Chef Paul Pressler. Das bedeutet: Von den 40- bis 60-Jährigen stammt fast jeder zweite Dollar, den Frauen in den USA für Kleider, Hosen und Blusen ausgaben.

„Trotz ihrer enormen Kaufkraft findet diese Kundengruppe bislang kaum überzeugende Angebote“, sagt Analystin Dana Telsey von der Investmentbank Bear Stearns. Denn die meisten Modeketten seien noch vom Jugendwahn besessen. Frauen reiferen Alters interessieren sich laut Telsey für ähnliche Trends wie jüngere Kundinnen. „Aber sie brauchen weitere Schnitte und bevorzugen höherwertige Stoffe.“

Nach mehr als zwei Jahren Marktforschung und Entwicklung hofft Gap, die Balance zwischen mega-hip und altbacken gefunden zu haben. Im Forth-&-Towne-Geschäft in West Nyack heißt das: französische Kaffeehausmusik statt Hip-Hop-Beats, warmes Licht vieler kleiner Lampen statt greller Scheinwerfer. Und die Verkäuferinnen hier heißen Style Consultants, die zwischen den Kleidungsständern und den gemütlichen Ledersesseln hin- und herhuschen.

Auf einem sitzt geduldig Milly Yeboahs Mann mit einem Baby im Arm. Seine Frau streift schon seit einer halben Stunde zwischen dunklen Kostümen fürs Büro, bequemen Stretchhosen und Strick-Ponchos. „Die Kleidung wirkt klassisch, aber nicht altmodisch“, freut sie sich, prüft die Qualität einer roséfarbenen Bluse. „Zum Glück sehe ich hier keine Blümchenmuster, die wirken so alt“, sagt die 45-Jährige.

Seite 1:

Kaufrausch in mollig

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%