„Baltic Airport“
Regionalflughafen Parchim rüstet sich für China-Jets

Vor acht Jahren kaufte ein chinesischer Investor den Flughafen Parchim. Einst landeten hier sowjetische Militärflieger, schon bald sollen Touristen aus China einfliegen. Doch noch geht es beschaulich zu.
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Parchim/SchwerinEin roter Pfeil weist den Weg zum Klingelknopf „Terminal“ am Flughafengebäude von Parchim. Drinnen eine Baustelle, durch die Schwalben schwirren. Plastikpflanzen begrünen den einzigen Info-Tresen („C“ wie „Cash-Desk“). Dahinter steht „Operator“ Rolf Eichhorn. Er soll Landegebühren von Privatpiloten und Geschäftsreisenden kassieren – was aber nur alle paar Tage passiert.

Seit ein chinesischer Investor 2007 den ehemaligen Militärflugplatz in der mecklenburgischen Provinz kaufte, wird der „Baltic Airport“ für den regulären Linienverkehr aufgerüstet. Im nächsten Frühjahr solle es so weit sein, kündigt Betriebsleiter Eugen Arnstadt an. Bis zum Herbst werde nun das Terminal vergrößert, mit Gepäckbändern, neuem Wartebereich und Sicherheitscheck ausgestattet. Statt bisher 100 könnten dann 300 Reisende gleichzeitig abgefertigt werden.

So viele Touristen sollen künftig mit jedem Flugzeug aus China in Parchim landen und dort ihre Deutschland- oder Europa-Tour beginnen, hofft der Betreiber. Mit den China-Jets könnte 2016 der reguläre Flugbetrieb starten und Parchim so aus der Verlustzone steuern.

Noch aber geht es auf dem Gelände recht beschaulich zu – wenn nicht gerade Piloten-Trainings auf dem riesigen Landeplatz stattfinden. Flugschüler der türkischen Corendon Airlines proben das Aufsetzen und Abheben mit einer Boeing 737-800. 35 Mal kreist der Jet über Parchim.

Lotse Thomas Karnatz sitzt in dem für vier Millionen Euro neugebauten Tower und zeigt in die Luft. Kurz vor dem Anflug der Türken segelt ein Turmfalke an seinem von Technik strotzenden Ausguck vorbei. „Die brüten da drüben im Wald“, meint der Fluglotse. Wenig später setzt die Boeing hart auf: „Seitenwind, der macht es Newcomern schwer.“

Hochfliegende Pläne für Parchim als künftiges internationales Drehkreuz für den Fracht- und Passagierverkehr hatte der Investor einst verkündet. Vor acht Jahren übernahm der Chef des chinesischen Logistik-Unternehmens Link Global, Jonathan Pang, den defizitären Flugplatz inklusive einer Nachtflugerlaubnis vom Landkreis.

2010 wurden ihm gut 12 Millionen Euro des ursprünglichen Kaufpreises von 30 Millionen erlassen. Im Gegenzug verpflichtete sich Pang zu Investitionen in einen Industriepark oder ein Hotel – konkrete Pläne hierzu gibt es allerdings bis heute nicht. Die Frachthalle mit Zollstelle ist seit drei Jahren verwaist.

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