Bangen um Anschlussfinanzierung Bank blockiert Arcandor-Kredit

Der Essener Arcandor-Konzern muss um seine dringend benötigte Anschlussfinanzierung bangen. Innerhalb des Konsortiums stellt sich die Royal Bank of Scotland (RBS) quer. Warum die vermeintliche Routineangelegenheit für den angeschlagenen Handelskonzern zur Zerreißprobe werden könnte.
Eine Einigung mit den Banken ist für Arcandor existenziell. Anderenfalls drohen ausgerechnet im ertragskräftigen Weihnachtsgeschäft Einbußen. Foto: ap Quelle: ap

Eine Einigung mit den Banken ist für Arcandor existenziell. Anderenfalls drohen ausgerechnet im ertragskräftigen Weihnachtsgeschäft Einbußen. Foto: ap

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DÜSSELDORF. Wie das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen erfuhr, Das britische Finanzinstitut sei nicht bereit, weiter Geld für den angeschlagenen Warenhaus- und Versandhandelskonzern zur Verfügung zu stellen, der früher unter dem Namen Karstadt-Quelle firmierte.

Dabei hätten sich die übrigen Konsortialbanken wie die Bayerische Landesbank, Dresdner Bank und nachgeordnet auch die Commerzbank grundsätzlich bereit erklärt, den Essener MDax-Konzern weiter zu unterstützen. RBS aber ist nicht nur durch die teuere Übernahme von ABN Amro vor einem Jahr unter Druck geraten. Gerade die Finanzkrise macht dem Kreditinstitut aus dem schottischen Edinburgh schwer zu schaffen.

Ihr Kunde, die ehemalige Karstadt-Quelle, ist trotz einer vier Jahre dauernden Sanierung unter Konzernchef Thomas Middelhoff noch immer mit 1,5 Mrd. Euro verschuldet. Eine Tranche dieses Kredits muss nun neu finanziert werden. An sich wäre das eine Routineangelegenheit.

Doch die Finanzkrise hat die ohnehin angespannte Stimmung unter den Banken weiter verschlechtert. Das bekommt Arcandor nun zu spüren. Die nächste Gesprächsrunde sei daher von den Banken auf den kommenden Montag vertagt worden, hieß es in Finanzkreisen. Zudem sehe sich Konzernchef Middelhoff mit der Forderung konfrontiert, Aktien der Touristiktochter Thomas Cook zu verkaufen, um damit den Schuldenstand zu reduzieren. Thomas Cook aber ist die Perle im Konzern, abzüglich der Reisetochter besäße Arcandor derzeit an der Börse - rechnerisch - einen Wert von minus 700 Mill. Euro. Denn alle Immobilien hat Middelhoff verkauft, und im Handel verliert er Geld.

Offiziell wollten sich Sprecher der vier Kreditgeber zu den Verhandlungen nicht äußern. Ein Arcandor-Sprecher sagte lediglich, man sei zuversichtlich, die Kredit-Gespräche erfolgreich abschließen zu können.

Auf den ersten Blick geht es in den Verhandlungen mit den Banken nur um einen relativ geringen Kreditbetrag, nämlich um 150 Mill. Euro. Doch verweigert das Konsortium seine Unterschrift, wird es trotz des überschaubaren Betrags für den einstigen Karstadt-Quelle-Konzern ernst.

Schon in der vergangenen Woche gab der Kreditversicherer Euler Hermes einen Warnschuss ab. Er teilte den Lieferanten von Karstadt, Quelle und dem Spezialversender Peter Hahn mit, dass man bis auf Weiteres Warenlieferungen nur noch in einem begrenzten Umfang finanziell absichere.

Seither herrscht Alarmstimmung. "Schon jetzt klemmt es bei der Nachschub-Versorgung", berichtet ein Modehersteller auf Anfrage. Biner Bähr, Anwalt von White & Case und Insolvenzverwalter der ehemaligen Karstadt-Quelle-Tochter Hertie, bestätigt den Ernst der Lage: "Lieferanten werden durch Einschränkungen bei der Warenkreditversicherung regelmäßig sehr nervös." Auch bei Hertie hatte Euler Hermes vor der Pleite die Garantien zurückgefahren.

Eine Einigung mit den Banken ist für Arcandor existenziell. Andernfalls drohten ausgerechnet im entscheidenden Weihnachtsgeschäft Lücken in den Karstadt-Regalen und Quelle-Auslieferungslägern. Für den ertragsschwachen Handelskonzern wären mögliche Umsatzrückgänge fatal. Üblicherweise ist das letzte Quartal des Jahres der einzige Zeitraum, in dem die Einzelhandelssparten Geld verdienen.

Arcandor ist auf eine Belebung in seinen Einzelhandelssparten dringend angewiesen. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres hatte der Konzern bei schrumpfenden Umsätzen 82 Mill. Euro Cash-Flow aus der laufenden Geschäftstätigkeit verloren. Zudem schraubte Middelhoff seine Ertragsziele für das kommende Jahr zurück. Seit Jahresanfang ist der Wert der Aktie um 79 Prozent gefallen.

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