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Valovis, das Zünglein bei den Arcandor-Renten

Nach dem Zusammenbruch des Handels- und Tourismuskonzerns Arcandor hat das Tauziehen um das Betriebsrentenvermögen des Unternehmens begonnnen. Auf der großen Bühne drängt dadurch auch eine kleine Bank: Valovis macht fast ein Fünftel des Pensionsvermögens für Karstadt Quelle aus.

FRANKFURT. Bisher war die Valovis Bank nur sehr wenigen in der Finanzbranche ein Begriff. Doch in diesen Tagen spielt das Institut, das mit gerade einmal 5,8 Mrd. Euro Bilanzsumme kleiner ist als etwa die Kreissparkasse Böblingen, gleich doppelt eine zentrale Rolle auf der deutschen Bühne. Zum einen verhandelt die frühere Karstadt Hypothekenbank gerade in Berlin darüber, ob und unter welchen Bedingungen sie dem Versandhaus Quelle wieder seine Kundenforderungen abkauft. Mit der Arcandor-Insolvenz hatte die Bank den Ankauf zunächst eingestellt.

Zum anderen aber spielt der Immobilienfinanzierer und Factoringanbieter eine zentrale Rolle für die Betriebsrenten der Arcandor-Beschäftigten. Denn sie gehört der Pensions-Treuhandgesellschaft (Contractual Trust Arrangement, CTA) zur Zahlung der Karstadt-Betriebsrenten und macht knapp ein Fünftel von deren gesamten Vermögenswerten aus. Ulrich Mix, Vorstand der Arcandor Pensionstreuhandgesellschaft Karstadt Quelle Mitarbeiter Trust e.V. und Aufsichtsratschef der Valovis Bank, sagte dem Handelsblatt, die Bank sei aktuell mit 240 Mio. Euro bewertet, nachdem sie im Jahr 2005 für 250 Mio. Euro an die Pensions-Treuhandgesellschaft übertragen worden sei – vom damaligen Besitzer Arcandor.

Am Markt gilt eine solche Bewertung für die Bank als ausgesprochen hoch. Am freien Markt sei ein Wert von 240 Mio Euro sicherlich nicht mehr zu erzielen, sagte ein Investmentbanker gestern. Das Interesse für Hypothekenbanken sei derzeit enorm schwach, wie auch der stockende Verkauf der Düsseldorfer Hypothekenbank zeige. Zudem würden die Probleme bei Aufkäufern von Konsumentenforderungen mit der Konjunkturlage größer werden.

Wirklich rosig sieht es nicht aus bei der Valovis Bank. Im vergangenen Jahr machte das Institut nach Steuern mehr als 42 Mio. Euro Verlust – und fraß damit die Gewinne der Vorjahre auf. Aktuell, betont das Essener Institut aber, schreibe man Gewinne. Für eine Immobilien- und Factoringbank, die sich zu einem großen Teil über den Kapitalmarkt refinanziert, ist die Mittelbeschaffung aber derzeit zentral. Pfandbriefe, Schuldverschreibungen und Termingelder seien die Mittel, heißt es in der Bank.

Beim Bankenrettungsfonds Soffin hat die Valovis Bank nach Handelsblatt-Informationen eine Vor-anfrage nach Garantien für Anleihen zur Refinanzierung gestellt. Eine Sprecherin der Bank sagte, aktuell habe das Institut keine Garantien bei der Soffin beantragt. Es sei auch derzeit nicht abzusehen, ob die Bank eine Garantie beantragen werde. „In der Vergangenheit hat es lediglich – wie von vielen Wettbewerbern auch – ein Informationsgespräch gegeben.“

Mix betont, die Pensionsgesellschaft Karstadt Quelle Mitarbeiter Trust betrachte die Valovis Bank als Kapitalanlage. Ende März aber schoss die Pensions-Treuhandgesellschaft der Valovis Bank erst einmal 30 Mio. Euro frisches Kapital zu. „Zur Ausweitung der Geschäftsaktivitäten“, hieß es zur Begründung.

Just zum 1. April kaufte die Valovis Bank dann dem eigenen Besitzer, der Pensions-Treuhandgesellschaft, den Konsumentenfinanzierer und Kreditkartenanbieter Karstadt Quelle Bank ab. Drei Monate zuvor hatte die Treuhandgesellschaft selbst die Karstadt Quelle Bank erst für 22,5 Mio. Euro übernommen – von einem Gemeinschaftsunternehmen Arcandors und dem Versicherungskonzern Ergo. Valovis-Aufsichtsratschef Mix spricht von „strategischen Gründen“ für die Eigentümerwechsel.

Valovis Bank

Die Valovis Bank AG – die ehemalige Karstadt Hypothekenbank – wechselte 2005 den Besitzer. Sie wurde von der Pensionstreuhandgesellschaft Karstadt Quelle Mitarbeiter Trust e.V. gegen Forderungen eingetauscht. Der Wert der Transaktion: 250 Mio. Euro.

Karstadt Quelle Bank

Die Karstadt Quelle Bank gehörte zunächst der KarstadtQuelle Finanz Service GmbH, die wieder je zur Hälfte dem mittlerweile insolventen Handelskonzern Arcandor und der Ergo Versicherungsgruppe gehörte.

Zum 30. Dezember übernahm die Karstadt Quelle Kundenservice GmbH 100 Prozent an der Bank, die Kreditkarten und Konsumkredite vergibt. Einen Tag später wechselte die Bank dann erneut den Besitzer und ging an die Pensions-Treuhandgesellschaft Karstadt Quelle Mitarbeiter Trust e.V. Wieder drei Monate später übernahm dann die Valovis Bank die Karstadt Quelle Bank von ihrer eigenen Mutter.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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