Banken suchen Alternativen
Wer kann, flüchtet vor Heros

Auch nach ihrer Insolvenz bestückt Heros weiter die Geldautomaten vieler deutscher Banken. Doch immer mehr Kunden kehren der größten deutschen Geldtransport-Firma den Rücken und wandern zur Konkurrenz ab. Doch so einfach, wie sich das anhört, ist es nicht.

HB HANNOVER/FRANKFURT. „Die Gespräche mit den Konkurrenten von Heros laufen unter Hochdruck, und es gibt auch schon erste Abschlüsse“, sagte ein Sprecher der Commerzbank am Mittwoch. Das insolvente Geldtransportunternehmen Heros, das auch in eine Betrugsaffäre verwickelt ist, bestückt knapp die Hälfte der Geldautomaten des Instituts. „Ich kann nicht ausschließen, dass es kurzfristig zu einzelnen Ausfällen kommt, gemeldet wirden aber noch keine“, ergänzte der Sprecher.

Die Dresdner Bank ist einen ähnlichen Weg gegangen, allerdings hatte sie nur im Großraum Hamburg und in Bayern mit Heros zusammengearbeitet. „Wir sind zu anderen Dienstleistern gewechselt“, sagte ein Sprecher. Damit bestehe keine Beziehung mehr zu dem hannoverschen Familienunternehmen. Die Versorgung mit Bargeld in den Filialen sei gesichert.

Die Deutsche Bank sieht dagegen keinen Handlungsbedarf. „Es gibt keine Engpässe in der Bargeldversorgung“, sagte ein Sprecher. Für Deutschlands größtes Kreditinstitut wäre es am schwierigsten, Alternativen zu finden. Schließlich wird die Mehrzahl ihrer Geldautomaten von Heros bestückt. Und auch die HVB kooperiert weiter mit Heros. Sie wickelt rund die Hälfte ihrer Geldtransporte mit Heros oder Töchtern ab.

Bei den im Privatkundengeschäft starken Sparkassen läuft der Betrieb einem Sprecher zufolge reibungslos. Ohnehin würden nur 60 der insgesamt fast 500 Sparkassen mit Heros oder Töchtern zusammenzuarbeiten. Es gebe genügend Konkurrenten, die über Kapazitäten verfügten und signalisiert hätten, diese bei Bedarf zur Verfügung zu stellen, sagte ein Sparkassenverbands-Sprecher.

Branchenkenner bezweifeln, dass die Konkurrenten von Heros über ausreichende Kapazitäten verfügen, sollte Heros den Betrieb einstellen. „Wie soll das gehen? Heros hat etwa die Hälfte der Autos, die in Deutschland für Geldtransporte unterwegs sind“, sagte ein Banker. Erst Ende 2005 hatte Heros den Konkurrenten Securitas geschluckt – finanziert wohl nicht zuletzt durch ergaunertes Geld. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Mönchengladbach dürfte die Heros-Führung rund 300 Mill. Euro veruntreut haben.

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