Bargeldlos Einkaufen
Unser Apple heißt Aldi

Bei Aldi kann man künftig bargeldlos und auch mit dem Handy bezahlen. Bei der Konkurrenz geht das längst. Trotzdem könnte das den Durchbruch für die Technologie in Deutschland bedeuten. Dafür sorgt der Apple-Effekt.
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HamburgEs war 2005, als in Frankfurt ein neuer Musikdienst live ging. Napster verteilte auf einer Pressekonferenz Aufkleber und Basecaps, um den Start seines Streamingdienstes zu feiern: unbegrenzt Musik per PC, Mac oder Handy hören für einen Pauschalbetrag im Monat. „Wir sind davon überzeugt, dass der Kunde seine Musik kaufen und besitzen will, ein Leben lang“, sagte damals ein Apple-Sprecher dem Handelsblatt.

Tempi passati – inzwischen verkauft Apple das zehn Jahre alte Modell als Innovation. Mit großer Geste erklärt der Anbieter seinen staunenden Kunden das Streaming: unbegrenzt Musik per PC, Mac oder Handy hören für einen Pauschalbetrag im Monat. Obwohl das vertraut klingt, springen alle darauf an. Online-Portale schreiben über die „Musik-Revolution“, Zeitungen drucken ganze Seiten.

Denn: Es ist allein die starke Marke Apple, die dem bezahlten Streaming nun tatsächlich zu einem Massenmarkt verhelfen könnten.

Was das mit Aldi zu tun hat? Der Discounter teilt mit, dass er künftig auch solche Debit-Karten akzeptiert, die mit NFC-Technik ausgerüstet sind. Das bedeutet: Sie müssen nicht in das Gerät gesteckt, sondern nur in die Nähe gehalten werden. Anbieter sind Maestro und Visa. Viele solcher Karten sind bereits seit vielen Monaten unterwegs, unter anderem ausgegeben von den Sparkassen. Und weil Visa und Maestro modern sein wollen, kann man auch sein NFC-fähigen Smartphone so einstellen, dass es an der Kasse so tut, als wäre es eine Bankkarte. Und nein, das ist nicht Apple Pay, das ist eine aufgehübschte EC-Karte.

All das funktioniert schon lange, etwa bei Rewe oder Kaiser’s, bei Real oder Obi – und etlichen Kassen mehr. Der große Vorteil liegt beim Händler: Wenn die Karte nicht eingesteckt werden muss, geht das Bezahlen schneller. Insbesondere, wenn kein Magnetstreifen da ist, der gern mal streikt. Denn daran müssen sich die Kartenanbieter messen lassen: Die Händler bestehen darauf, dass ihr System nicht länger dauert als die durchschnittliche Barzahlung. Lieber noch schneller. Das spart Personal.

Jetzt führt, nicht gerade als erster, auch Aldi Nord das System ein. Und gleich jubelt es wieder auf allen Kanälen: Revolution an der Kasse. Bislang hatte das System eigentlich nur Leute interessiert, die in der Handels-EDV arbeiten. Jetzt könnte Aldi das berührungslose Bezahlen populär machen. So wie Apple das Streaming. Dann geht es schneller an der Kasse, und es bleibt mehr Zeit für Musik. Eine Win-win-Situation.

Kommentare zu " Bargeldlos Einkaufen: Unser Apple heißt Aldi"

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  • Wieder so ein "Weg mit Bargeld"-Artikel.

    Langsam glaube ich die These einer gelenkten Systempresse. Das HB gehört jedenfalls sicher dazu.

  • Gäääääääääähn!

    Erstens: der MAgnetstreifen ist schon lange ein Anachronismus, der nur beibehalten wird, weil im nichteuropäischen Ausland (immer) noch nicht der Chip ausgelesen wird (http://de.wikipedia.org/wiki/Electronic_Cash#Chip_gegen_Magnetstreifen).

    Zweitens: Bei ALDI kann man schon lange bargeldlos bezahlen.

    Drittens: NFC bringt mehr Nachteile als Vorteile (http://de.wikipedia.org/wiki/Near_Field_Communication#Kritik: "Es gilt die einfache Sachlage: Handy weg – Geld weg – Schlüssel weg. (....)"

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