Barry-Callebaut-Chef
„Bei Schokolade wird um jeden Cent gefeilscht“

Barry Callebaut ist der größte Kakaoverarbeiter der Welt. Jürgen Steinemann führt ihn mit einiger Härte. Er spricht über Kinderarbeit, Parallelen zum Geschäft mit Tierfutter und einen Konkurrenten: die Reifenindustrie.
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KölnJürgen Steinemann ist ein harter Hund. „Die Leute, die Spaß haben am sportlichen und intensiven Arbeiten, die sind richtig bei uns“, sagt der deutsche Chef des größten Kakaoverarbeiters der Welt, Barry Callebaut mit Sitz in der Schweiz. Und es schwingt mit: Wer das anders sieht, wird es schwer haben in der Firma.

Er selbst arbeite an Wochenenden und auch öfter nachts und suche Personal, das für die Arbeit brenne. Natürlich finde man auch Lösungen für Schwangere oder junge Eltern. Doch: „Ich persönlich bin gegen die 35-Stunden-Woche“, so der 55-Jährige. „Work-Life-Balance möchte ich nicht diskutieren.“

Seit bald fünf Jahren führt der ehemalige Chef eines Herstellers von Fisch- und Tierfutter für Großabnehmer den Konzern mit solcher Entschlossenheit. Das Geschäft läuft zur Freude der deutschen Jacobs-Familie, deren Holding die Mehrheit an Barry Callebaut hält. 23 Prozent der weltweiten Kakaoernte wird mittlerweile von dem Unternehmen verarbeitet, zuletzt übernahm der Konzern den asiatischen Konkurrenten Petra Foods und weitete so sein Geschäft deutlich aus. Im Geschäftsjahr 2013/14 soll der Umsatz bei sechs Milliarden Franken (4,9 Milliarden Euro) landen.

Ob Tiermehl oder Schokolade – im Grunde sei das doch dasselbe, sagt Steinemann. Denn auch Barry Callebaut richte sich nicht an Privatkunden. Und als Lieferant von Geschäftskunden seien die Abläufe und Fragestellungen eben ähnlich, egal ob man Tierfutter oder Kakaobutter liefere. Das Tafelschokoladen-Geschäft hat er längst verkauft. Barry Callebaut ist bei vielen Dingen dabei, aber in der Öffentlichkeit wenig präsent. Der Konzern beliefert etwa den Nahrungsmittelkonzern Unilever mit der Schokolade, die Magnum-Eis umschließt.

Die Mehrheit der Kakaoverarbeitung erfolge in den Erzeugerländern und der Konzern lege großen Wert darauf, die nachhaltige Versorgung mit Kakao zu sichern, so Steinemann. „Wir müssen das gemeinsam mit den Partnern in der Versorgungskette lösen.“ Daher schulte das Unternehmen im vergangenen Jahr tausende Farmer etwa an der Elfenbeinküste, dem größten Kakaoproduzenten der Welt.

Das Ziel: Mehr Kakaobohnen pro Hektar ernten. „Dann hat der Farmer ein besseres Leben und wir mehr Kakao“, so Steinemann. Denn die Kakaobranche fürchtet, auf einen immensen Versorgungsengpass zuzusteuern. Etwa eine Million Tonnen könnte die Angebotslücke im Jahr 2020 betragen, denn in Schwellenländern wächst der Schokoladenkonsum rasant. Eine zu geringe Kakaoproduktion könnte für den Endverbraucher einen großen Preisanstieg bei Schokolade zur Folge haben und „daran ist niemand interessiert“, sagt Steinemann. Der Entwicklung mit Investitionen in den Anbau und in Schulungen vorzubeugen, sei aber nicht leicht, denn „am Ende wird um jeden Cent pro Tafel Schokolade gefeilscht.“

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„Wir sind eine der coolsten Firmen der Welt“

Kommentare zu " Barry-Callebaut-Chef: „Bei Schokolade wird um jeden Cent gefeilscht“"

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  • Sie haben aufgehört Schokolade zu essen?

    Und wann hören Sie auf, überhaupt etwas zu essen?

    Ist Ihnen eigentlich klar, wie sehr der Hafer leiden muss, bevor er als Flocke auf Ihrem Teller landet?

    Ist Ihnen eigentlich klar, wieviel besser die Welt wäre, wenn Sie künftig als Mönch leben, und das Gute in der Welt befördern.

    Ja, opfern Sie sich auf. Fasten Sie für den Weltfrieden und für eine gerechte Gesellschaft.

  • Klar. Ich bin auch dafür aus den Entwicklungsländern nichts mehr zu kaufen. Sollen Sie halt Kakao, Kaffee und Bananen selbst trinken und essen. Wer braucht schon Geld wenn es warm und feucht ist. Und Kinderarbeit liebe Heuchler? Das vielerorts genau die Kinderarbeit wenigstens soviel Geld in die Kassen bringt, dass genau diese Kinder wenigstens einen halben Tag in die Schule gehen können wird gerne negiert.

    Und wie gessagt: Kakao trinken und Bananen essen ist doch viel gesünder als sich ein Telefon leisten zu können und ständig daran rumzudödeln. Konzerne raus aus Afrika!

    Afrikaner, besetzt eure Plantagen und esst viel Kakao. Gesund und Arm!

    Yep und im Westen keine Schokolade essen ist sowieso echt viel cooler als im Maßanzug Geld zu verbrennen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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