Baselworld Schweizer Uhrenmesse schrumpft

Die Schweizer Uhrenexporte sind schon seit über eineinhalb Jahren rückläufig. Auch die weltgrößte Branchenmesse Baselworld speckt nun ab. Die Zahl der Aussteller geht um rund 200 zurück.
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So tief steckt die Uhrenindustrie in der Krise

So tief steckt die Uhrenindustrie in der Krise

BaselDie Konjunktur-Probleme der Uhrenindustrie schlagen auf die weltgrößte Branchenmesse Baselworld durch. Die Zahl der Aussteller fiel binnen eines Jahres von 1500 auf 1300, wie Baselworld-Chefin Sylvie Ritter vor Beginn der Ausstellung am Mittwoch sagte. Einige Unternehmen seien in dem schwierigen Markt nicht zurückgekehrt, sagte Ritter.

Zugleich ließ sie offen, auf wie viele frühere Teilnehmer genau das zutrifft: Denn auch die Veranstalter selber hätten Aussteller abgewiesen, die „nicht zum Konzept der Messe passten und nicht die Kriterien der Baselworld erfüllten“. Sie betonte mit Nachdruck: „Das war unsere Entscheidung.“ Ritter wollte auch auf Anfrage nicht sagen, um welche Kriterien es dabei geht. Die Baselworld, die am Donnerstag offiziell öffnet, solle stärker auf Qualität statt Quantität ausgerichtet werden, erklärte sie.

Bereits seit Herbst war bekannt, dass die Luxus-Sparte der Timex-Gruppe mit Uhren-Marken wie Versace oder Salvatore Ferragamo der diesjährigen Baselworld fernbleiben wird. Die Messe lohne sich für das Unternehmen nicht genug, sagte damals Spartenchef Paolo Marai dem Magazin „Forbes“. Der Vorsitzende des Ausstellergremiums der Baselworld, Eric Bertrand, konterte am Mittwoch mit einer Spitze: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten schwächelten als erste die Marken, für die Uhren nur ein Mode-Accessoire wie Sonnenbrillen seien. Die Smartwatches meine er damit nicht, stellte Betrand klar. Am Donnerstag gibt es - ungewöhnlich für die Baselworld – eine Pressekonferenz von Samsung, eines neuen Rivalen der etablierten Uhrenhersteller.

Die Baselworld hatte nach einer Erneuerung der Messe-Anlage die Preise für die Aussteller erhöht. Danach wechselten einige Marken wie Ulysse Nardin zur Konkurrenzmesse SIHH nach Genf, die früher nur ein Event für Marken der Richemont-Gruppe war. In diesem Jahr fehlt in Basel auch eine etablierte Marke wie Bremont.

Das sind die neuen Luxusuhren-Trends
Uhr aus Käse
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Das Gehäuse dieser Uhr scheint aus Marmor hergestellt zu sein – es ist aber Käse, genau gesagt Vacherin Mont d'Or. Der Käse wurde pasteurisiert und dann mit Kunststoff gemischt und in Form gebracht. Ausgestellt wurde die Kreation der Marke H. Moser & Cie. in Genf auf dem SIHH. Das erst 2002 gegründete Unternehmen machte von Beginn an mit außergewöhnlichen Ideen von sich reden. Die Uhr trägt deswegen nicht umsonst den Namen „Swiss Mad Watch“. Der Preis des Unikats liegt bei 1.081.291 Franken.

Automatikuhr
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Das zum Richemont-Konzern gehörende Unternehmen Baume & Mercier deckt in der Gruppe das Einstiegssegment der Luxusuhren ab. Diese Automatikuhr mit Stahlband soll die sportlich maskuline Kundschaft ansprechen. Der Preis liegt je nach Ausführung des Armbandes bei rund 2000 Euro

Tourbograph
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Der Namensgeber, Unternehmensgründer nach der Wende und Mit-Inhaber, Walter Lange, verstarb am 16. Januar. Die Entwicklung des Tourbograph pour le Mérite hat Lange, der bis zum Schluss im Unternehmen präsent war, noch verfolgen können. Der Tourbograph erhält seinen Namen aus zwei seiner Komplikationen, die verbaut wurden: Dem Tourbillon und dem Chronograph. Dazu kommt noch ein ewiger Kalender. 684 Teile sind im Uhrwerk verbaut. Der Preis für eines der 50 Modelle, die gefertigt werden: 480.000 Euro.

Aquapod
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Das Unternehmen MB&F möchte keine Uhren, sondern Skulpturen für den Arm entwerfen, die zudem die Zeit anzeigen. Für das Modell Aquapod haben sich die Gestalter an einem der unbeliebtesten und gleichzeitig faszinierendsten Tiere orientiert: Der Qualle. Das gewölbte Gehäuse soll im Profil einer aufsteigenden Qualle ähneln. Zugleich versprechen die Entwickler eine gute Ablesbarkeit. In Höhe des weißen Dreiecks auf der Unterseite der Halbkugel ist die Zeit abzulesen - in diesem Fall 8 Uhr und 35 Minuten. Der Preis für die Uhr: sechsstellig.

Luminor
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Schwärzer als die Nacht – das ist nur eine der Besonderheiten der Luminor Panerai Lab-ID Luminor 1950 Carbotech. Das Zifferblatt ist ein extremes Tiefschwarz. Das Gehäuse besteht aus einer Carbonmischung, darin steckt auch der Clou: Die Carbonteile benötigen im Gegensatz zu herkömmlichen mechanischen Uhren keinen Schmierstoff mehr. Die Uhr ist damit wartungsfrei, da keine Fette enthalten sind. Panerai plant, für die Uhr eine Garantie von 50 Jahren auszuloben. Der Preis liegt bei 50.000 Euro.

Jaeger LeCoultre
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Drei Mitglieder einer neuen Familie. Die Schweizer Marke Jaeger LeCoultre bringt neben exorbitant teuren Preziosen dieses Jahr auch ein Friedensangebot in der Welt der Luxusuhren auf den Markt. Zwischen 6000 bis 10.000 Euro liegen diese Modelle, beginnend bei einer einfachen Dreizeiger-Uhr mit Datum über eine Weltzeituhr bis zu einem Chronographen. Nach Jahren des teurer, teurer, teurer, besinnen sich die Uhrenhersteller wieder derjenigen, die weder das Geld eines Kleinwagens, Wagenparks oder Villa in eine mechanische Luxusuhr investieren möchten.

McLaren
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Von günstig oder Friedensangebot kann bei diesem Modell des Herstellers Richard Mille keine Rede sein. Die Uhr wurde in Kooperation mit dem Rennsportstall McLaren entwickelt und kostet mehr als eine Million Euro. Sie ist dafür extrem leicht dank des Graphen-Gehäuses, eines Werkstoffs, den Richard Mille in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern anfertigen konnte. Das Ergebnis ist der Superlativ „leichteste Uhr mit Tourbillon und Schleppzeiger-Chronograph“. Der Schleppzeiger-Chronograph erlaubt die Messung von Zwischenzeiten, der Tourbillon stammt aus der Welt der Taschenuhren und soll größere Genauigkeit bringen. Dabei dreht sich die Unruh in einem Käfig einmal die Minute um die eigene Achse. Bei Taschenuhren, die meist die ganze Zeit in einer Lage aufrecht in der Tasche ruhten, glich das Tourbillon den Einfluss der Schwerkraft aus - in einer Armbanduhr soll es vor allem der Beweis großer uhrmacherischer Fähigkeiten sein, denn der Zusammenbau gilt als sehr kompliziert.

Den Herstellern klassischer Uhren machen unter anderem eine zurückgegangene Nachfrage im wichtigen Markt China und die neue Konkurrenz durch Computer-Uhren zu schaffen. Viele Marken reagieren dieses Jahr mit eigenen vernetzten Uhren. Die Exporterlöse der Schweizer Uhrenindustrie waren 2016 um fast zehn Prozent gesunken. Mit 19,4 Milliarden Franken (18 Mrd Euro) fielen die Einnahmen auf den Stand von 2011 zurück. Und auch dieses Jahr begann mit einem ähnlichen Rückgang von rund zehn Prozent im Januar.

„Wenn man sich nur die Zahlen anschaut, kann man schon Angst bekommen“, sagte Ritter. Sie sei aber zuversichtlich angesichts der Innovationen in der Branche.

Die Schweizer Uhrenindustrie hatte sich auch von einem drastischen Exporteinbruch um mehr als 22 Prozent auf gut 13 Milliarden Franken im Jahr 2009 als Folge der Finanzkrise in den USA erholt. Mit 25,4 Millionen Uhren stellte die Schweizer Branche nur rund drei Prozent der globalen Produktion. Aber dank der teuren Modelle landete bei ihr 60 Prozent der weltweiten Erlöse der Branche. Rund die Hälfte der Exporte Schweizer Hersteller geht nach Asien, mit einem Schwerpunkt auf China und Hongkong. Die Exporte nach Europa machen rund ein Drittel aus.

  • dpa
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