Basis ist München: Condor macht auf billig

Basis ist München
Condor macht auf billig

Der Ferienflieger Condor expandiert von München aus in den Markt für preisgünstige Städteverbindungen. Dabei macht er seiner Mutter Lufthansa Konkurrenz. Die hat Condor erst gar nicht um Erlaubnis gefragt.

FRANKFURT. Nach Informationen des Handelsblatts und seiner französischen Partnerzeitung „La Tribune“ wird die Ferienfluggesellschaft des Reisekonzerns Thomas Cook (u.a. Neckermann) ab 1. April einige Airbus-Flugzeuge vom Typ A320 am Flughafen München stationieren und von dort aus Billigflüge in acht europäische Metropolen wie Rom, Brüssel, Prag oder Istanbul zum Einstiegspreis ab 29 Euro anbieten.

Der Schachzug, am zweitgrößten deutschen Flughafen eine Billigflug-Operation zu starten, überrascht den deutschen Marktführer Lufthansa, der einige dieser Strecken bedient und dort bisher kaum Billigkonkurrenz fürchten musste. Zwar ist Lufthansa gemeinsam mit Karstadt-Quelle zu je 50 Prozent an Thomas Cook beteiligt. In Unternehmenskreisen hieß es jedoch, der Schritt von Condor-Chef Ralf Teckentrup sei nicht mit der Konzernmutter abgestimmt: Er folge dem Credo von Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber, dass sich Partnerfirmen wie die Kölner Billigfluglinie Germanwings oder auch Condor frei am Markt bewegen sollen.

Teckentrup hatte eine Expansion nach dem Vorbild des deutschen Rivalen Air Berlin im Vorjahr bereits angedeutet: „Wir wollen auch in den City-Shuttle-Markt“, sagte Teckentrup, ohne einen Zeitpunkt zu nennen. Eine Thomas-Cook-Sprecherin betonte gestern, es seien noch keine Entscheidungen gefallen. Es bleibe aber durchaus Ziel des Unternehmens, weitere Städte-Flugreisen ins Programm zu nehmen.

Die 2004 schwer angeschlagene Condor durchlief unter Teckentrups Regie ein Sanierungsprogramm, das den Ferienflieger nach einem Verlust von rund 100 Mill. Euro schnell in die Gewinnzone zurückführte. Mit der Expansion ab München wagt sich Teckentrup auf ein interessantes Terrain, auf dem Billigfluggesellschaften wie die britische Easyjet bisher nicht flächendeckend zum Zuge kamen. Insbesondere ausländische Anbieter monieren dort den beherrschenden Einfluss der Lufthansa, die am neuen Terminal 2 des Flughafens zu 50 Prozent beteiligt ist.

Trotz der Expansionspläne gilt die Zukunft der Condor in der hart umkämpften Flugbranche als ungewiss. Karstadt-Quelle interessiert sich neuerdings zwar öffentlich für den 50-Prozent-Anteil der Lufthansa an Thomas Cook. An einer Übernahme der Flugtochter Condor soll sie Branchenkreisen zufolge jedoch kein Interesse haben. Deshalb wird seit Monaten spekuliert, dass der Ferienflieger früher oder später wieder ganz unter das Konzerndach der Lufthansa schlüpfen könnte.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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