BAT-Deutschland-Chef
„So etwas habe ich in 20 Jahren noch nicht erlebt“

Ralf Wittenberg hat sich vergeblich gegen Schockbilder auf Zigarettenschachteln gewehrt. Seit heute sind sie Pflicht. Nun wettert der Tabakmanager gegen ein Werbeverbot und verrät, ob er seinen Kindern Zigaretten kaufen würde.
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HamburgDer Deutschland-Chef des Zigarettenkonzerns British American Tobacco, Ralf Wittenberg, empfängt in seinem Büro mit Blick auf die Hamburger Außenalster zum Interview. Er selbst pafft eine E-Zigarette – ohne Nikotin.

Herr Wittenberg, das Bundeskabinett hat Ende April beschlossen, Werbung für Tabak – bis auf Kinowerbung vor Filmen mit Altersfreigabe ab 18 Jahren – ab dem Jahr 2020 zu verbieten.

Diesen Gesetzesentwurf halten wir für unangemessen, unverhältnismäßig und nicht zielführend. Das Gesetz wird mit dem Jugendschutz begründet. Wir haben aber in Deutschland europaweit die geringste Quote von Raucher unter 18 Jahren: 7,8 Prozent. Das bisschen Werbung, das heute noch erlaubt ist, spricht Jugendliche nicht an.

Warum sind Sie gegen Werbeverbote, wenn Sie sowieso niemanden zum Rauchen verleiten wollen?

Ich will ja aktive Raucher, die die Risiken kennen, von meinen Marken überzeugen. Wir vermarkten nicht an Nichtraucher und Jugendliche. Mit meiner Zielgruppe muss ich kommunizieren dürfen – wie jedes andere legale Unternehmen auch. Verfassungsmäßige Rechte werden durch Werbeverbote unbillig eingeschränkt.

In allen anderen EU-Ländern gibt es diese Werbeverbote schon. Dort scheint es keine verfassungsrechtlichen Probleme zu geben.

Jedes Land hat seine eigene Verfassung. Das Eigentum und die Berufsfreiheit sind verfassungsrechtlich verbürgte Grundrechte. Die Marke ist geistiges Eigentum und ist von dem Grundrecht auf Eigentum in Art. 14 GG geschützt.

Das klingt, als wollten Sie den Rechtsweg einschlagen.

Der Rechtsweg ist für uns immer nur die ultima Ratio und kein Weg, den wir leichtfertig gehen. Derzeit appellieren wir an den Gesetzgeber, hier Vernunft und Augenmaß walten zu lassen. Bei diesem Gesetzesentwurf handelt sich um keine vernünftige Regulierung. Ein großes Problem ist nämlich auch, dass die Regulierung die tabakfreie eZigarette gleichstellt mit Tabak – auch dann, wenn sie nicht einmal Nikotin enthält. Dabei sagt Public Health England, dass E-Zigaretten etwa 95 Prozent weniger gesundheitsschädlich als Tabak sind. Es findet ja keine Verbrennung statt, bei der typischerweise die gefährlichen Partikel freigesetzt werden würden.

Was unternehmen Sie gegen das Werbeverbot?

Wir bestehen darauf, dass wir im Gesetzgebungsverfahren angehört werden. Wir werden auch dafür kämpfen, dass das so nicht umgesetzt wird. Wir stehen dabei nicht allein, denn ich sage Ihnen: Bei Tabak wird es nicht bleiben. Andere kritisierte Industrien werden die nächsten sein.

Wie kommen Sie darauf?

Vertreter der Politik haben bereits ausgerufen, dass Zucker der neue Tabak sei und in der Bundestagsdebatte Ende Februar über das neue Tabakerzeugnisgesetz wurde offen gefordert, dass man sich mit ähnlichen regulatorischen Schritten nun dem Alkohol zuwenden müsse. Uns überrascht, mit welcher Dringlichkeit das Gesetz durchgesetzt werden soll. Das gleicht einem Taschenspielertrick: Die EU-Richtlinie zu Schockbildern auf den Verpackungen wird, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, weitgehend eins zu eins umgesetzt – und die Verschärfungen kommen nun in einem weiteren Gesetz, während die Tinte des ersten noch nicht trocken ist. Und es soll unbedingt noch vor der Sommerpause in den Gesetzgebungsprozess. Das ist schon interessant.

Haben Sie einen Plan B, falls sie die Werbeverbote nicht verhindern können?

Wir kennen die Situation ja aus den anderen europäischen Ländern. Natürlich gibt es Wege, mit unseren Verbrauchern zu kommunizieren – aber es ist wesentlich aufwendiger. Denn über Außenwerbung kann man recht schnell Markenbekanntheit erzeugen.

Kommentare zu " BAT-Deutschland-Chef: „So etwas habe ich in 20 Jahren noch nicht erlebt“"

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  • @ Frauke Schludewig - Das Problem der meisten wissenschaftlichen Studien ist, daß es sich um Laborversuche handelt. Diese sind mehr oder weniger realitätsfern - sowie die Dieselemissionen von Auto im Labor gearde gezeigt haben. Wenn man nur einen Parameter ändertum eine Kausalität zu haben ist Rauchen, Wurst essen, in der Sonne spazieren, Pollen im Frühjahr einatmen für sich genommen sicherlich gesundheitlich negativ, wenn alle anderen Parameter gleich bleiben. Das gibt es jedoch im wirklichen Leben nicht. Dort wirken die Summe von vielen Parametern und deshalb erklärt sich das hohe Alter der Herren Heesters und Schmitt.
    Interessant wäre es, die Zahl der Staubsaugertoten in Deutschland zu veröffentlichen. Der Feinstaub welcher durch den Staubsaugerfiler über Jahrzehnte in den Raum geblasen wird ist schädlicher als "normaler" Staub, der ja größere Partikel hat.
    Über die wirklichen Themen wir Industrie 4.0, die Monpolstellung der Amerikaner bei Internet und Softwarefirmen, sowie die De-Industrialisierung redet keiner. Tabakwerbeverbote, Flüchtlinge, etc. sind doch alles nur billige Ablenkungsmanöver der Politik die keine Antworten auf die wirklichen Fragen hat. Leider funtioniert die billige Ablenkungstaktik äußertst erfolgreich seit Jahrzehnten.

  • Und auch hier gilt: Es wurde nach wie vor nicht bewiesen, dass das Rauchen Lungekrebs auslöst. Wenn dies gesetzmäßig so wäre, dann hätten wir Hr. Heesters oder Hr. Schmidt bereits früher verloren. Es ist nur eine Theorie und die Statistiker meinen eben, es sei so!

  • Komisch! Ich habe heute gehört (aber ist wahrscheinlich wieder Lügenpresse), dass die Abschreckungskampagne in Australien hervorragend gearbeitet hat.
    Es gibt nur zwei Hebel, mit denen man den volkswirtschaftlichen Schaden durch Raucher minimieren kann. 1) Rauchen extrem verteuern 2) Rauchen extrem unsexy erscheinen lassen. Die Kombination aus beidem wirkt am besten. Und kein Nichtraucher hat Bock mit seinen Krankenkassenbeiträgen die Krankenhauskosten und sauteuren Chemo- und Strahlentherapien von den ganzen Idioten zu bezahlen, die die Finger von den Fluppen nicht lassen können. Also Bilder auf die Packungen und direkt noch mal nen Euro teurer machen. Daumen hoch!!!!

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